Relikte des Kalten Krieges: Die Niederländische Luftwaffe baute vier Stellungen in
der ostwärtigen 1st row des Nike-Gürtels auf. Diese wurden
von Squadrons der 1. Groep Geleide Wapens belegt, welche ihr Hauptquartier
in Münster-Handorf (NRW) hatte. Eine Stellung sollte am Nordrand
des Wiehengebirges entstehen. Der Höhenzug bot einige Möglichkeiten,
den Radargeräten einen großen Horizont zu geben. Für
den Abschussbereich sollte dagegen im nördlich an die Höhenzüge
anschließenden Flachland eine passende Stelle gefunden werden. Die höchste Erhebung im vorgesehenen Gebiet war mit 195
m der Westerberg, rund 2 km südlich von Bad Essen. Hier konnte
die Feuerleitstellung bzw. Integrated Fire Control (IFC) gebaut werden.
Richtung Osten und Süden standen jedoch größere Berge,
welche den Rundumblick eingeschränkten. So entschied man sich,
mit großem baulichen Aufwand eine Brückenrampe zum Abstellen
der Radargeräte aufzubauen. Die Konstruktion sorgte für
einen Höhezugewinn von über 10 m. Über eine geschwungene
Auffahrt konnten die Geräte auf ihrem Fahrgestell zu den Standplätzen
geschleppt werden. Oben auf der Plattform gab es verschiedene Ausbuchtungen
und Nischen, damit die Geräte ohne einander zu behindern bewegt
werden konnten. Der Unterbau wurde genutzt, um das Bereitschaftsgebäude
der Stellung in die Stahlbetonkonstruktion zu integrieren. Für den Abschußbereich bzw. Launcher Area (LA)
konnte nördlich der IFC ein Grundstück erworben werden.
Es lag rund 1 km nördlich des Dorfes Brockhausen. Hierbei ist
der zweite außergewöhnliche Punkt der Stellung Bad Essen
zu finden. IFC und LA liegen Luftlinie knapp 5 km auseinander. Beide
Bereiche mußten über Kabel miteinander in Verbindung stehen.
Rechnet man die Höhenmeter und die aus geographischer Sicht
notwenigen Zusatzmeter hinzu, kommt man auf die Maximallänge
der Verbindungsleitungen; mehr als 5.500 m waren nicht möglich.
Darüber hinaus war auf dem Weg auch noch der Mittellandkanal
zu überwinden. Hausherr in der Stellung Bad Essen wurde die 121 Squadron.
Die Einheit ist 1965 in Vörden aufgestellt
worden. Von dort verlegte sie zunächst in die Britischen Roberts-Barracks
nach Osnabrück, der alten Winkelhausen-Kaserne. Dieser Standort
war jedoch als nur vorübergehend gedacht. Bad Essen traf jedoch das Schicksal, die kürzeste Nutzungsdauer
aller Nike-Stellungen der Niederländer zu erreichen. Aus finanziellen
Gründen sah sich das Niederländische Verteidigungsministerium
gezwungen, Reduzierungen bei den FlaRak-Stellungen durchzuführen.
So wurde die 121 Sqn bereits von Juli 1970 bis Oktober 1972 vorübergehend
deaktiviert. Stellung und Gerät standen weiterhin bereit und
wurden gewartet. Im Krisenfall hätte die Anlage relativ schnell
wieder in Betrieb gehen können. Für zwei der freigezogenen Liegenschaften hat man später
neue Nutzungsmöglichkeiten gefunden. Die Kaserne in Bohmte übernahm
die Bundeswehr. Sie erhielt die Bezeichnung Tiling-Kaserne. Untergebracht
wurde darin das Sanitätsausbildungszentum 800 des Territorialkommandos
Nord. Hier sind schwerpunktmäßig mobilmachungsbeorderte Ärzte
und Personal von Sanitäts-Geräteeinheiten des Territorialheeres,
insbesondere Reservelazaretten, im Rahmen von Wehrübungen geschult
worden. Nach Ende des Kalten Krieges konnten alle drei Liegenschaften in eine zivile Nutzung überführt werden. Aus der Tiling-Kaserne wurde ein Wohngebiet. Das Munitionsdepot Brockhausen stand fortan als Lagerfläche der Landwirtschaft zur Verfügung. In den 1990er Jahren ist die IFC zu einer Jugendbegegnungsstätte umgebaut worden. Zustand: Zugang: Hinweis: Eine weitere Website berichtet über die FlaRak-Stellung: Über die Niederländischen Groepen Geleide Wapens
in Deutschland ist ein interessantes Buch erschienen: |

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Quellenangabe:
- Rinus Nederlof: Blazing Skies
- Wilhelm von Spreckelsen, Wolf-Jochen Vesper: Blazing Skies
- Karl-Anweiler: Fahrzeugtypenkatalog der Bundeswehr - Nike-Ajax / Nike-Hercules
- R. Goerigk
- A. van Minderhoud
- H. Siewert
- R. Erkelens
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