Flakschutz für die Elbmündung auf niedersächsischem Gebiet

 Bis 1945: 
Seit seiner Fertigstellung war der Nord-Ostsee-Kanal stets von besonderer strategischer Bedeutung für die Kriegsmarine. Hier bestand die kürzeste Verbindung für die Flottenstützpunkte der Ostsee um in die Nordsee verlegen zu können. Sicherten zur Zeit der Kaiserlichen Kriegsmarine noch die Forts in Cuxhaven diesen in der Elbmündung liegenden Bereich gegen Angriffe von See ab, wurde es im II. Weltkrieg vielmehr erforderlich, einen Schutz gegen Luftangriffe aufzubauen.
Zugehörig zum Verteidigungsbereich Brunsbüttel wurde zwischen Cuxhaven und Freiburg (Elbe) die Marine-Flakabteilung 294 stationiert. Das Untergruppenkommando befand sich in der Ortschaft Balje, dort wurde ein Ugruko-Turm errichtet (-#1-). Die vier Batterien der Abteilung waren mit jeweils vier 10,5 cm-Geschützen ausgerüstet. Die Stellungen befanden sich: 2./294 in Krummendeich (-#2-), 3./294 in Belumer Deich (-#3-), 4./294 bei Altenwisch und 5./294 in Altenbruch. Die letztgenannte Batterie war allerdings zeitweilig der Marine-FlakAbt 214 Cuxhaven unterstellt. Dazu kam noch die 6./294 mit leichten 2 cm- und 3,7 cm-Flak-Geschützen, die bei verschiedenen Objekten eingesetzt wurden. Schließlich gehörte auch die 7./294 zur Abteilung, eine Scheinwerferbatterie mit 150 cm- und einem 200 cm-Scheinwerfer.
Alle Stellungen sind in der Nähe der Elbe bzw. Flußmündung angesiedelt, oft im Außendeichsgelände. Bedingt durch den hohen Grundwasserstand wurden die Bauten ohne Keller errichtet. Eine weitere Eigenart dieser Stellungen ist die Verwendung von Flak-Hochständen. Die umgebende Landschaft bietet, abgesehen von den Deichen, keinerlei Erhebungen, so boten erhöhte Bauten eine hervorragende und weitreichende Rundumsicht.

 Ab 1945: 
Nach Vorgabe der Alliierten sind diese militärische Anlagen nach dem II. Weltkrieg natürlich weitgehend abgerissen worden. So sind von den Geschützbettungen heute keine Spuren mehr aufzufinden. Die bei den Batterien vorhandenen Gebäude sind aber verschiedentlich zu Wohnhäusern oder Stallungen umgebaut worden und entzogen sich so ihrem Abriß. So sind gerade hier im Bereich der Elbmündung einige sehr interessante Bauwerke der Marineflak bis heute erhalten geblieben.

 Zustand: 
Bemerkenswerterweise sind von den meisten Stellungen dieses Gebietes heute noch Spuren zu finden. Der Zustand geht dabei von Betontrümmern bis zu als Wohnhäusern verwendeten einwandfrei erhaltenen Bauwerken. Anlagen, die bewohnt sind haben natürlich grundlegende Umbauten erfahren, die das Erkennen der früheren Funktion oft schwer machen.

Die Ziffern geben die Standorte der Anlagen mit noch vorhandenen Spuren an, siehe Auflistung unten

Vorschaubilder - zum Vergrößern anklicken:

-#1- Der Ugruko-Turm in Balje wurde oberhalb des zweiten Geschosses gekappt.

-#2- Die Flak-Stellung in Krummendeich zeigt noch heute einige Einrichtungen, hier der zum Wohnhaus umgebaute Leitstand II.
Auf der ehemaligen Maschinenzentrale befindet sich ein Sockel für leichte Flak
Eine von drei noch erhaltenen Hochbettungen für schwere Flak
Aus dem Munitionsauffüllraum der Batterie wurde eine Unterkunft.

-#3- Von der Batterie Oste in Belumer Deich ist das ehemalige Kommandeurshaus erhalten

-#4- Bilder der Scheinwerferstellung Hörner Außendeich. Vom eigentlichen Scheinwerferstand sind nur noch Trümmer erhalten.
  Gleich daneben steht dieser recht originale Flak-Hochstand.

-#5-   In der Scheinwerferstellung bei Kurzenende ist der Scheinwerferstand komplett erhalten.
Wiederum in der Nähe steht dieser Flak-Hochstand, er ist zu einem Wohnhaus umgebaut worden.

-#6-   Auf freiem Feld bei Deckenhausen steht die Ruine dieses Luftraum-Beobachtungsstandes.

Quellenangabe:
- IBA-Informationen, Heft 31
- Oliver Wleklinski

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