Relikte des Kalten Krieges:
Alle für die Belegung mit Kampfverbänden ausgebauten Einsatzflugplätze
der NATO verfügten über Munitionsdepots, in denen die Kampfmittel
für die Einsatzstaffeln gelagert worden sind. Dem entsprechend
hatten auch die niedersächsischen Plätze der Bundesluftwaffe Wittmundhafen, Upjever und Oldenburg solche
Luftwaffen-Munitionsniederlagen. Der Marinefliegerhorst
Nordholz und der für die US Air Force eingeplante Fliegerhorst
Ahlhorn verfügten über vergleichbare Anlagen.
In den 1960er Jahren begann die Luftwaffe mit den Planungen für
eine Munitionsniederlage, die der Bedarfsdeckung des Fliegerhorstes
Oldenburg dienen sollte. Auf der Suche nach geeigneten Flächen
in der Umgebung wurde man gut 4 km nördlich des Flugplatzes fündig.
Die Liegenschaft lag in der Gemeinde Wiefelstede, nahe dem Dorf Bokel.
Am Westrand des Waldstückes Schippstroth konnte nun die Anlage
entstehen.
Auf knapp 108 ha Grundfläche wurden 17 erdüberdeckte
Munitionslagerhäuser errichtet. Es waren überwiegend große
Bunker mit massiven Schiebetoren. Dazu kamen einzelne kleinere mit
Flügeltüren. Weiterhin gebaut wurde ein Munitionsarbeitshaus
für Wartungsarbeiten an den Kampfmitteln. Dieses wurde durch
Erdwälle abgeschirmt. Ein Bau am Haupttor für die Wache
und weitere Betriebsgebäude komplettierten die Anlage.
Den erforderlichen Feuerlöschteich hatte man groß dimensioniert.
Teich und Wald gaben der Liegenschaft einen idyllisches Aussehen. Das
konnte jedoch nicht darüber hinweg täuschen, daß in
den Bunkern eine ganze Anzahl hochexplosiver Kampfmittel gelagert wurde.
Diese mußten dem Bedarf des in Oldenburg stationierten Geschwaders
entsprechen. Dort war das leichte Kampfgeschwader 43, ab 1979 als Jagdbombergeschwader
43 bezeichnet, beheimatet. Hauptaufgabe des Verbandes war Zeit seines
Bestehens die Unterstützung von Bodentruppen auf dem Gefechtsfeld.
Entsprechend mußten in Bokel Bomben, Luft-Boden-Raketen, und
Munition für die Bordkanonen bereit gehalten werden. Dazu kam
Munition für die erdgebundene Verteidigung des Fliegerhorstes.
Hauptnutzer der Munitionsniederlage war die Nachschubstaffel
der Technischen Gruppe des JaboG 43. In ihre Zuständigkeit fielen
Transport, Umschlag und Lagerung der Kampfmittel. Dafür existierte
eigens eine Teileinheit Munition. Das Aufmunitionieren der Flugzeuge
oblag der Wartungsstaffel, welche ebenfalls zur Technischen Gruppe
gehörte. Diese Staffel wurde nach Anforderung über die
Nachschubstaffel aus Bokel beliefert.
Im Rahmen der allgemeinen Truppenreduzierung nach Ende des
Kalten Krieges, ist das Waffensystem Alpha Jet außer Dienst
genommen worden. Das damit ausgerüstete Jagdbombergeschwader
43 aus Oldenburg wurde in Folge dessen am 30. September 1993 aufgelöst.
Damit entfiel auch der Bedarf an der Munitionsniederlage. Nachdem
die Liegenschaft einige Jahre ungenutzt stand, konnte sie schließlich
an zivile Nutzer verkauft werden.
Zustand:
Die Anlage befindet sich noch heute weitgehend im originalen Zustand.
Details wurden natürlich für die zivile Nutzung angepaßt.
Zugang:
Die ehemalige Luftwaffen-Munitionsniederlage
darf nicht betreten werden.
Hinweis:
Ein Blick aus der Vogelperspektive auf das Depot aus dem Angebot von
Google-Maps:
Luftwaffen-Munitionsniederlage
Bokel-Schippstroth