Luftschutz in Bremen - Entfestigung des Krankenhausbunkers des St. Joseph-Stifts


Der ehemalige OP-Bunker nach dem Umbau

 Bis 1945: 
Diese große Luftschutzanlage auf dem Gelände der Krankenhauses St. Joseph-Stift im Stadtteil Schwachhausen ist als Operationsbunker errichtet worden, er war einer von sechs dieser Art in der Hansestadt Bremen. Von 1942 bis zum Kriegsende hatte das Militär die Klinik als Lazarett genutzt.
Der OP-Bunker steht nur rund 30 Meter vom Luftschutzbunker Georg-Gröning-Straße entfernt. Man hat ihn mit einer Wandstärke von 200 cm deutlich massiver als den LSB gebaut, die Erkenntnisse aus den Luftangriffen zeigten hier Wirkung. Baubeginn ist Ende November 1941 gewesen, die Übergabe an das Krankenhaus fand im Juni 1943 statt. Der Betrieb konnte jedoch durch Verzögerungen bei den Ausbauten erst im Juli 1944 aufgenommen werden.
Das Bauwerk hat eine Grundfläche von 20 x 40 Metern und bietet auf vier Geschossen rund 2.000 m² Nutzfläche. Im Bunker sollte auch bei Luftalarm der Krankenhausbetrieb weitergeführt werden können, dazu standen zwei Operationsräume zur Verfügung. Auf mehreren Ebenen war eine Verbindung zu einem damals vorhandenen benachbarten Klinikbau vorhanden, damit die Krankenhausinsassen geschützt in den Bunker gelangen konnten. Ein Fahrstuhl für den Transport bettlägeriger Patienten in alle Ebenen ist eingebaut.
Die Operationsbunker in Bremen sind auf einer separaten Seite zu finden: Luftschutz in Bremen - Krankenhausbunker.

 Ab 1945: 
Der Bunker ist, wie die meisten Luftschutzanlagen in Bremen, in der Nachkriegszeit trotz einer Vorgabe der Alliierten weder entfestigt noch abgerissen worden. Während des Kalten Krieges wurde er für eine Nutzung zu Zivilschutzzwecken umgebaut. Dazu sind moderne Schutzbelüftungsanlagen und weitere Einrichtungen eingebaut worden, die einen autarken Betrieb gewährleisten sollten. Der Status einer Zivilschutzanlage wurde nach dem Ende des Kalten Krieges aufgehoben, das Krankenhaus nutzte die Räume des Bunkers später als Lagerfläche.
Das Klinikgelände bietet wegen der rundum dichten Wohnbebauung kaum Platz für Erweiterungen, ein neuer Wirtschaftsbereich wurde aber benötigt. Vor die Entscheidung gestellt, den Bunker abzureißen oder umzubauen, entschied sich die Trägergesellschaft des Krankenhauses für den Umbau. Innerhalb des Bauwerks ist ein moderner Hauswirtschaftsbereich mit Zentralküche und Heizwerk entstanden. Baubeginn dieses Vorhabens war im Februar 2001, die Fertigstellung erfolgte im Frühjahr 2002. Insgesamt wurden rund 5.000.000 € für die Baumaßnahmen aufgewendet.
An der südlichen Längsseite wurden drei große Fensteröffnungen geschaffen, die sich über alle Ebenen erstrecken. Die Außenwände haben eine Stärke von zwei Metern sehr massivem Stahlbeton, das Durchbrechen ist trotz modernster Maschinen eine schwierige Aufgabe. Zunächst wurden am Umriß der auszuführenden Öffnungen Durchbohrungen im Abstand von ca. 20 cm mit einem fahrbaren Spezialbohrer durchgeführt. Dann sind kleine Sprengladungen in den herauszubrechenden Betonteilen gezündet worden, schließlich begann ein Bagger, mit einem schwerem Preßlufthammer am Greiferarm, den Beton zu zertrümmern. Zum Schluß hat der Bagger mit einer großen angesetzten Fräse den Beton an den Kanten geglättet. Auch im Inneren waren etliche Wände und Zwischendecken abzureißen, dieses stellte wegen der leichten Bauart jedoch keine Schwierigkeit dar. Rund 150 Lastwagenladungen Schutt mußten insgesamt abgefahren werden.
Im Inneren wurde in großen Bereichen eine völlig neue Struktur aufgebaut. Mit dem neuen Außenanstrich in kräftigem Blau ist die Verwandlung abgeschlossen worden. Wer den früheren OP-Bunker heute sieht, kann erst beim Blick in die Fenster an der Wandstärke erahnen, daß es sich um eine ehemalige Luftschutzanlage handelt.


Einige Fotos sind als Vorschaubilder bereitgestellt - zum Vergrößern bitte anklicken

Der OP-Bunker des Krankenhauses St.-Joseph-Stift

Erkennbar: die Decken zum 3. und 4. Geschoß

Die zahlreichen Durchbohrungen der Außenwand sind sichtbar
Blick aus dem 3. Geschoß, hier wurden die Zwischendecken bereits teilweise abgerissen
Hier sind die Zwischendecken vollständig entfernt, es beginnt der Neuaufbau der inneren Struktur Der Eingangsvorbau wurde abgerissen
Innenaufnahmen
  Eingangsschleuse
  Flur
  ehemaliges WC
Treppenhaus, links davon der Fahrstuhl  
das 3. Geschoß Im obersten 4. Geschoß sind die Trennwände der kleinen Räume entfernt worden
Das Ergebnis
Der Bunker nach Abschluß der Bauarbeiten in markantem Blau. Er ist heute nicht mehr ohne weiteres als ehemaliger Luftschutzbau zu erkennen.

Quellenangabe:
- Michael Foedrowitz: Bunkerwelten
- Weser Report, 2001

Diese Seite ist Bestandteil des Web "Relikte in Niedersachsen und Bremen".
Copyright © beim Webmaster der "Relikte".