Luftschutz in Bremen - Sonderbauten


Sonderbau Kämenadenweg, Stadtteil Osterholz

 Bis 1945: 
Grundsätzliches über den Luftschutz in Bremen ist auf der Themenseite zu lesen.

Auf dieser Seite werden Anlagen des Luftschutzes vorgestellt, die weit weniger auffällig als die großen Luftschutzbunker sind. In Bremen fallen viele Hochbunker allein durch ihre Größe auf. Die kleineren Objekte erkennt man dagegen oft nur, wenn man gezielt danach sucht. Die Zahl dieser Bauwerke war während des II. Weltkrieges deutlich höher als die der großen Luftschutzbunker, heute existieren aber nur noch sehr wenige davon. Das liegt vor allem an der vergleichsweise leichten Bauweise, die einen Abriß ohne zu großen finanziellen Aufwand zuließen.

Gleich nach dem ersten Bombenangriff auf Bremen, der am 19. Mai 1940 durch die Royal Airforce durchgeführt wurde, ist ein Sonderbauprogramm angeordnet worden. Damit sollten über 280 splitter- und trümmergeschützte Bauwerke errichtet werden. Bereits im Juli des Jahres waren 140 nutzbar, mit Platz für rund 16.000 Menschen. Da ab Herbst 1940 der Bau der großen Luftschutzbunker begann, und diese natürlich Vorrang erhielten, kam es zu Verzögerungen bei der Fertigstellung der weiteren Sonderbauten. Im August 1942 standen schließlich 285 dieser Schutzanlagen für ca. 33.000 Einwohner zur Verfügung.
Es gab verschiedene Arten von Sonderbauten. Eine Variante war der etwa zur Hälfte im Erdboden versenkte Bunker. Hierbei war der Bauaufwand geringer, der Schutzwert allerdings auch. Eine andere Version ist der Erdbunker. Diese befanden sich vollständig unter der Oberfläche, nur die Zugänge und Belüftungsschächte schauten heraus. Dementsprechend war der Aufwand für die Errichtung natürlich deutlich höher.
Aber alle Bunker des Sofortprogramms boten wegen ihrer geringen Wand- und Deckenstärke keinen Schutz gegen Voll- und Nahtreffer. Es kam im Laufe des Krieges zu mehreren Totalzerstörungen, die meistens den Tod der Insassen zur Folge hatten.
Die Bauwerke sind vorrangig auf öffentlichen Flächen gebaut worden. So nutzte man Park- und Grünanlagen und sogar die Randbereiche von Friedhöfen dafür. Auch unter diversen Schulhöfen hat man Erdbunker errichtet.

Neben den bisher genannten Einrichtungen des Selbstschutzes existierten in Bremen etwa 180 massive, also mit Beton verstärkte, Deckungsgräben, sowie etliche unverstärkte Deckungsgräben und -löcher. Dazu kamen 115 geschützte Beobachtungsstände für Einsatztrupps der Feuerwehr und weiterer Hilfsdienste für je 5-15 Personen, sowie zahlreiche Einmannsplitterschutzzellen.
Wenngleich der Schutz, den die hier genannten Objekte boten, eher gering war, haben sie doch mit Sicherheit viele Menschenleben retten können.

 Ab 1945: 
Durch die leichtere Ausführung dieser Bunker war es dementsprechend auch einfacher, sie nach dem Krieg abzureißen. Die meisten sind heute aus dem Stadtbild verschwunden, lediglich vereinzelte sind noch aufzufinden. Die Bilder unten zeigen verschiedene Exemplare von Sonderbauten.

Bemerkenswert ist, daß die Existenz einiger der Bunker inzwischen in Vergessenheit geraten ist. Dazu ein paar Beispiele:

Bei Erdarbeiten auf dem Hof der Schule 'Auf der Hohwisch' im Jahre 2004 kam die Decke eines vergessenen Erdbunkers zum Vorschein. Da im Schulgebäude auch die Schulgeschichtliche Sammlung der Stadt Bremen untergebracht ist, entstand gleich die Idee, den Bunker als besonderes Zeugnis der Zeitgeschichte zu erhalten. Der Sonderbau wurde inzwischen wieder hergerichtet.

In den Neustadtswallanlagen befand sich seit Jahrzehnten der Gedenkstein für die Opfer eines Volltreffers auf einen früher dort befindlichen Erdbunker. Es handelte sich dabei um den Sonderbau Hermannstraße. Dieser ist bei einem Bombenangriff am 13. Juni 1943 durch eine Luftmine völlig zerstört worden. Alle Insassen fanden dabei den Tod. Sie wurden geborgen und bestattet. Später sind Einschlagloch und Zugänge des Bunkers zugeschüttet worden. Den Gedenkstein stellte man auf, ansonsten geriet aber weitgehend in Vergessenheit, daß der Bunker noch immer vorhanden war. Lediglich einige ältere Anwohner wußten noch von seiner Existenz. Bei Erdarbeiten zur Neugestaltung der Grünanlagen durch die zuständige "Stadtgrün Bremen" trafen die Bauarbeiter unerwartet auf die Bunkerdecke. So wurde der Sonderbau nach Jahrzehnten wieder freigelegt. Das durch die Luftmine ohnehin stark beschädigte Bauwerk mußte nun komplett abgerissen werden, da ein neuer Weg mitten über den Bunker verlaufen sollte. Bei der vollständigen Freilegung und dem endgültigen Abriß der Reste fand man sogar noch Knochen menschlichen Ursprungs. Anscheinend waren einzelne Körperteile bei der Bergung 1943 nicht gefunden worden. Die Gebeine sind bei den Opfern des Luftkriegs auf dem Friedhof Bremen-Osterholz bestattet worden.

Bei den weiteren Arbeiten in den Neustadtswallanlagen kam auch wieder in Erinnerung, daß in nur 100 m Entfernung zum Sonderbau Hermannstraße noch Reste des Sonderbaus Kantstraße im Boden steckten. Es handelte sich bei diesem ebenfalls um einen Erdbunker in gleicher Bauart. Er ist allerdings schon vor vielen Jahren eingedrückt worden. Nun wurden auch diese Betontrümmer ausgegraben und Entsorgt.

Von den weiteren leichten Luftschutzeinrichtungen, wie Deckungsgräben und Beobachtungsständen sind mir heute keine Spuren mehr bekannt.


Diverse Fotos sind als Vorschaubilder bereitgestellt - zum Vergrößern bitte anklicken
Sonderbau halb erdversenkt
  Auf dem Bunker ist inzwischen ein Wohnhaus errichtet worden
Der Sonderbau Kämenadenweg in Bremen-Osterholz. Hier läßt sich die halb im Boden versenkte Bauweise gut erkennen.
Ein weiterer Sonderbau in ähnlicher Bauweise ist heute noch am Kopf des Holz- und Fabrikenhafens finden

Erdbunker
  An der Oberfläche sind nur diese Betonumrandungen der Abgänge zu sehen
  Der zweite Erdbunker verfügt nur noch über einen Zugang. Die Reste von Belüftungsschächten sind in der Grasfläche erkennbar.
 
Neben dem Herdentor sind bis heute zwei Erdbunker erhalten. Hier der Treppenabgang des ersten.
  Jahrzehntelang zeugte nur ein Gedenkstein davon, daß hier der Sonderbau Herrmannstraße war.
  Bei der Neugestaltung der Grünanlage stieß ein Bagger auf die Decke des Erdbunkers
  Hier die offenliegenden Stahlbewehrungen an der Durchschlagstelle
  Ein Notausstieg
Über der Tür die Aufschrift "Notabort"
Einige Impressionen aus dem Inneren des Bunkers. Er war seit dem Kriegsende verschlossen.
  Nur der Zugangsbau zeugt in der Gegenwart von dem Bunker. Er dient jetzt als Sockel für Spielgeräte.
Der an der Beverstedter Straße befindliche Spielplatz wird im Volksmund "Bunkerplatz" genannt. Ein Erdbunker befindet sich darunter.
  Hier der neugeschaffene Eingang zum Erdbunker
Blick über den Hof der Schule 'Auf der Hohwisch'. Rechts der Zugang, links ist ein Luftschacht zu sehen.

Quellenangabe:
- Michael Foedrowitz: Bunkerwelten
- Matthias Sachse

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