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Rubrik: Luftschutz Translation: English French Spanish Italian Dutch Danish Polish Russian
Luftschutz in Bremen - Abriß von Luftschutzbunkern
 Einleitung: 
Der Aufwand, einen massiv ausgeführten, seinerzeit als bombensicher eingestuften Luftschutzbunker abzureißen, ist verständlicherweise deutlich größer, als bei gewöhnlichen Bauwerken. Gegenwärtig geht ein Trend dahin, ehemalige Bunker zu Wohnhäusern umzubauen, siehe auch Seite "Entfestigung und Umbau von Luftschutzbunkern". Trotzdem ergibt sich immer wieder der Bedarf, einen dieser Bauten vollständig zu beseitigen.
Im Folgenden wird zunächst näher auf den Abriß des Luftschutzbunkers Georg-Gröning-Straße im Stadtteil Schwachhausen eingegangen. Die Bildergalerie unten zeigt Abbrüche weiterer Bunker der letzten Jahre.

 Bis 1945: 
Der Luftschutzbunker an der Georg-Gröning-Straße ist ab November 1940 errichtet worden. Die Fertigstellung des Bauwerks war am 10. Juni 1942. Er verfügte über vier Geschosse, wobei der Boden des untersten Geschoßes etwa einen Meter unterhalb des Straßenniveaus lag. Insgesamt standen ca. 860 m² Nutzfläche zur Verfügung. Die Stärke der Außenwände betrug 110 cm, die der Abschlußdecke 140 cm. Er verfügte über eine Dachattrappe aus Stahlbeton-Elementen. An beiden Stirnseiten waren Zugänge zum Untergeschoß vorhanden, an der Straßenseite zusätzlich ein Eingang ins zweite Geschoß.
Der Bunker grenzt unmittelbar an das Gelände des Krankenhauses St. Joseph-Stift an. Nur 30 Meter entfernt ist ab Ende 1941 ein Operationsbunker für das Krankenhaus gebaut worden, diesen hatte man deutlich massiver ausgeführt.
Angaben über alle Bremer Luftschutzanlagen sind dieser Seite zu entnehmen: Luftschutz in Bremen - Luftschutzbunker.

 Ab 1945: 
Der Bunker war während des Kalten Krieges nicht nach den modernen Richtlinien zu einer Luftschutzanlage für die andauernde Einquartierung von Personen ausgebaut worden. Die Behörden hatten ihn lediglich zur kurzzeitigen Unterbringung von knapp 800 Menschen eingeplant.
Wie in Bremen in diversen Bunkern dieser Art lange Jahre üblich, stand auch der Luftschutzbunker Georg-Gröning-Straße Musikern als Übungsraum zu Verfügung. Somit konnten einzelne Gruppen jeweils einen der kleinen Räume im Inneren des Bauwerks anmieten. Diese Verwendung endete Anfang der 2000er Jahre.

Es erfolgten Planungen, im Umfeld des St. Joseph-Stifts ein neues Pflegezentrum des Caritas-Verbandes zu errichten. Aufgrund fehlender freier Grundfläche wurde beschlossen, den Luftschutzbunker und ein benachbartes Gebäude abzureißen. Nachdem mit der Nachbarschaft eine Einigung über die Maßnahmen herbeigeführt werden konnte, sollten für den Abriß Erkenntnisse aus der kurz zuvor durchgeführten Entfestigung des benachbarten OP-Bunkers einfließen. Da bei dessen Betonzertrümmerung durch zahlreiche kleine Sprengungen in der Umgebung eine größere Belastung entstanden war, sollte der Bunker Georg-Gröning-Straße ohne den Einsatz von Sprengstoff abgerissen werden.
Die auf solche Arbeiten spezialisierte Firma "Nienaber Rückbau und Sanierung" ging mit Spezialgerät an die Aufgabe. Zunächst ist der Bunker von drei Seiten mit einem Baugerüst bis in Dachhöhe umschlossen worden, daran wurden Aluminiumplatten befestigt. Diese waren untereinander durch Gummiprofile gegen das Durchdringen von Trümmerstaub und -schutt abgedichtet, auch dienten sie zur Lärmdämmung. Von der offenen Stirnseite des Gebäudes her begann nun das Zerfräsen der massiven Stahlbetonwände und -decke. Hierfür wurde ein Bagger benutzt, der an seinem Ausleger eine Betonfräse mit zwei rotierenden Köpfen einsetzte. Die Spitzen der Rotoren bestehen aus Industriediamant und bieten die nötige Härte, den Beton zu zerreißen - einschließlich der eingearbeiteten Stahlbewehrungen! Ständig wurde Wasser auf den Rotor gespritzt, um zum einen die Staubentwicklung einzudämmen, zum anderen aber auch zur Kühlung der Köpfe. Die Mahlköpfe unterliegen trotz allem natürlich einem starken Verschleiß, sie mußten ständig erneuert werden. Weiterhin kam am Bagger eine hydraulische Zange zu Einsatz, mit der Betonbrocken und -platten zerdrückt wurden.
Die eigentliche Betonzertrümmerung dauerte rund zwei Monate, hierbei fielen etwa 150 Lkw-Ladungen Schutt an.
Seit Juni 2002 erinnert an diesem Ort nichts mehr daran, daß hier einmal ein großer Luftschutzbunker stand.

Fotos:

Vor Beginn der Abrißarbeiten
Der Bunker vor Beginn der Abrißarbeiten

Einrüstung
Eine vorbereitende Maßnahme des Abrisses war die Einrüstung des Luftschutzbunkers, einschließlich der Abdichtung gegen Staub und Lärm.

Einrüstung vollständig
Die Einrüstung ist vollständig, nur die Spitze des Daches ist noch zu sehen.

Podest
Um eine stabile Standfläche für den Bagger beim Arbeiten am oberen Teil des Bunkers zu haben, wurde ein Podest angehäuft.

Abriß beginnt
Der Abriß beginnt, als erstes wird die Stirnwand aufgefräst.

Innereien
Schrittweise werden die Innereien des Bunkers freigelegt, hier sind rechts die Handläufe eines Treppenhauses zu sehen.

Staub- und Lärmentwicklung
Die Staub- und Lärmentwicklung war relativ gering
Innenwände
Die Innenwände und -decken ließen sich natürlich leicht abreißen, hier ging es schnell vorwärts.
Schutt
Rund 150 Lkw-Ladungen Schutt fielen insgesamt an
Außenwände
Die Außenwände sind schon fast vollständig abgetragen, das Baugerüst konnte bereits zur Hälfte abgebaut werden.
Bodenplatte
Zum Schluß mußte die Bodenplatte herausgefräst werden
Die Betonfräse: Nach dem Abriß:
Fräse
Die ansetzbare Fräse mit den zwei Rotoren
Köpfe Neuzustand
Köpfe im Neuzustand
Verschlissene Köpfe
Verschlissene Köpfe
Abgeräumt
Am Ende ist das Grundstück völlig abgeräumt und eingeebnet.
Im Hintergrund ist der umgebaute frühere OP-Bunker in auffälligem Blau zu sehen.
Pflegezentrum
Heute steht das Pflegezentrum der Caritas auf der Fläche
Weitere Bunker-Abbrüche der letzten Jahre - Osterdeich: Zentralkrankenhaus St.-Jürgen-Straße:
Osterdeich
Abriß des Bunkers Osterdeich, Sommer 2005.
Lage
Bei diesem Objekt war aufgrund der abgesetzten Lage eine Einrüstung nicht erforderlich
iegel-Bauweise
Hier ist im Inneren eine Ziegel-Bauweise zu erkennen
Frauenklinik
Abriß des Bunkers der Frauenklinik im Zentralkrankenhaus, Sommer 2011.
Planen
Der Bunker wurde zur Reduzierung der Staubemission mit Planen eingerüstet
Lübecker Straße:
Lübecker Straße
Abriß des Bunkers Lübecker Straße, Sommer 2012.
Bagger
Wände und Decken werden vom Bagger mittels einer speziellen Zange unter sehr hohem Druck zerbrochen
Wasserkanone
Um den Staub zu binden wird eine Wasserkanone eingesetzt
Schutt
Der Schutt wird zum Abtransport auf LKW verladen
Bodenplatte
Am Ende blieb die Bodenplatte erhalten, sie wird in das anschließende Neubauprojekt einbezogen.
Braunschweiger Straße:
Braunschweiger Straße
Abriß des Bunkers Braunschweiger Straße, Sommer 2013.
Dachkostruktion
Oben sind die Reste der Dachkonstruktion aus Beton erkennbar
Bagger
Zeitweilig waren drei Bagger auf dem kleinen Grundstück im Einsatz
Wasserkanone
Der Strahl der Wasserkanone wurde nach hinten durch eine Plane abgeschirmt
Bodenplatte
Das Beseitigen der Bodenplatte erwies sich durch deren vorher nicht bekannte Stärke als besonders schwierig
Brokstraße:
Brokstraße
Abriß des Bunkers Brokstraße, Sommer 2014.
Gerüst
Ein Gerüst für den Staubschutz schloß die Straße mit ein, sie wurde als Arbeitsfläche gebraucht.
Abbruch
Der Abbruch begann am Ostflügel des Bunkers
Bagger
Ein Bagger zerbrach den Beton, der andere verlud die Trümmer auf LKW.
Juli
Der Abriß begann im März. Dieses Bild aus dem Juli zeigt, daß bereits alle Wände beseitigt wurden.
 
Quellenangabe:
- Michael Foedrowitz: Bunkerwelten
- Fa. Nienaber
 
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