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Rubrik: Luftschutz Translation: English French Spanish Italian Dutch Danish Polish Russian
Luftschutz in Bremen - Sonderbauten
 Bis 1945: 
Grundsätzliches über den Luftschutz in Bremen ist auf der Themenseite zu lesen.

Auf dieser Seite werden Anlagen des Luftschutzes vorgestellt, die weit weniger auffällig als die großen Luftschutzbunker sind. In Bremen fallen viele Hochbunker allein durch ihre Größe auf. Die kleineren Objekte erkennt man dagegen oft nur, wenn man gezielt danach sucht.
Die Zahl dieser Bauwerke war während des II. Weltkrieges deutlich höher als die der großen Luftschutzbunker. Heute existieren aber nur noch sehr wenige davon. Das liegt vor allem an der vergleichsweise leichten Bauweise, die einen Abriß ohne zu großen finanziellen Aufwand zuließen.

Gleich nach dem ersten Bombenangriff auf Bremen, der am 18. Mai 1940 durch die Royal Air Force durchgeführt wurde, ist ein Sonderbauprogramm angeordnet worden. Damit sollten über 280 splitter- und trümmergeschützte Bauwerke errichtet werden. Bereits im Juli des Jahres waren 140 nutzbar, mit Platz für rund 16.000 Menschen. Da ab Herbst 1940 der Bau der großen Luftschutzbunker begann, und diese natürlich Vorrang erhielten, kam es zu Verzögerungen bei der Fertigstellung der weiteren Sonderbauten. Im August 1942 standen schließlich 285 dieser Schutzanlagen für ca. 33.000 Einwohner zur Verfügung.
Es gab verschiedene Arten der Sonderbauten. Eine Variante war der etwa zur Hälfte im Erdboden versenkte Bunker. Hierbei ist der Bauaufwand geringer, der Schutzwert allerdings auch. Eine andere Version war der vollständig unter der Oberfläche liegende Bunker, bei dem nur die Zugänge und Belüftungsschächte aus dem Boden herausschauten. Dementsprechend ist der Aufwand für deren Errichtung deutlich höher gewesen.
Aber alle Bunker des Sofortprogramms boten wegen ihrer geringen Wand- und Deckenstärke keinen Schutz gegen Voll- und Nahtreffer. Es kam im Laufe des Krieges zu mehreren Totalzerstörungen, die meistens den Tod der Insassen zur Folge hatten.
Die Bauwerke sind vorrangig auf öffentlichen Flächen gebaut worden. So nutzte man Park- und Grünanlagen und sogar die Randbereiche von Friedhöfen dafür. Auch unter diversen Schulhöfen wurden Erdbunker errichtet.

Neben den bisher genannten Einrichtungen des Selbstschutzes existierten in Bremen etwa 180 massiv mit Beton verstärkte Deckungsgräben, sowie etliche unverstärkte Deckungsgräben und -löcher. Dazu kamen 115 geschützte Beobachtungsstände für Einsatztrupps der Feuerwehr und weiterer Hilfsdienste für je 5-15 Personen, sowie zahlreiche Einmann-Splitterschutzzellen.
Wenngleich die Schutzwirkung der hier genannten Objekte eher gering war, haben sie doch mit Sicherheit viele Menschenleben retten können.

 Ab 1945: 
Durch die leichtere Ausführung dieser Sonderbauten war es dementsprechend auch relativ einfach, sie nach dem Krieg abzureißen. Dennoch blieb eine nennenswerte Zahl der Bunker erhalten, oft sie sind jedoch schlichtweg in Vergessenheit geraten.
Häufig wurden in der Nachkriegszeit nur die oberirdisch erkennbaren Zugänge zu ansonsten komplett unterirdisch gelegenen Sonderbauten abgerissen und verfüllt. So kommt es in den letzten Jahren immer wieder dazu, daß man bei Baumaßnahmen überraschend auf verschüttete Sonderbauten stößt.

Ein paar Beispiele für "Wiederentdeckungen":

  • Bei Erdarbeiten auf dem Hof der Schule an der Straße "Auf der Hohwisch" im Jahre 2004 kam die Decke eines vergessenen Erdbunkers zum Vorschein. Da im Schulgebäude auch die Schulgeschichtliche Sammlung der Stadt Bremen untergebracht ist, entstand gleich die Idee, den Bunker als besonderes Zeugnis der Zeitgeschichte zu erhalten. Dieser Sonderbau wurde inzwischen wieder hergerichtet. Er wird gelegentlich für Besichtigungen geöffnet. Ein von außen sichtbares interessantes Detail: Der Grundriß mit allen Zwischenwänden wurde auf dem darüber liegenden Schulhof mit roten Klinkersteinen nachgebildet.
     
  • In den Neustadtswallanlagen befand sich seit Jahrzehnten der Gedenkstein für die Opfer eines Volltreffers auf einen früher dort befindlichen Erdbunker. Es handelte sich dabei um den Sonderbau Hermannstraße. Dieser ist bei einem Bombenangriff am 13. Juni 1943 durch eine Luftmine völlig zerstört worden. Alle 82 Insassen fanden dabei den Tod. Sie wurden geborgen und bestattet. Später sind Einschlagloch und Zugänge des Bunkers zugeschüttet worden. Den Gedenkstein stellte man auf, ansonsten geriet aber weitgehend in Vergessenheit, daß der Bunker noch immer vorhanden war. Lediglich einige ältere Anwohner wußten noch von seiner Existenz.
    Bei Erdarbeiten zur Neugestaltung der Grünanlagen durch die zuständige "Stadtgrün Bremen" trafen die Bauarbeiter unerwartet auf die Bunkerdecke. So wurde der Sonderbau nach Jahrzehnten wieder freigelegt. Das durch die Luftmine ohnehin stark beschädigte Bauwerk mußte nun komplett abgerissen werden, da ein neuer Weg mitten über den Bunker verlaufen sollte. Bei der vollständigen Freilegung und dem endgültigen Abriß der Reste fand man sogar noch Knochen menschlichen Ursprungs. Anscheinend waren einzelne Körperteile bei der Bergung 1943 nicht gefunden worden. Die Gebeine sind bei den Opfern des Luftkriegs auf dem Friedhof Bremen-Osterholz bestattet worden.
     
  • Bei den weiteren Arbeiten in den Neustadtswallanlagen kam auch wieder in Erinnerung, daß in nur 100 m Entfernung zum Sonderbau Hermannstraße noch Reste des Sonderbaus Kantstraße im Boden steckten. Es handelte sich bei diesem ebenfalls um einen Erdbunker in gleicher Bauart. Er ist allerdings schon vor vielen Jahren eingedrückt worden. Nun wurden auch diese Betontrümmer ausgegraben und entsorgt.
     
  • Bei den Schulen an der Grenzstraße in Walle und an der Oderstraße in der Neustadt stieß man jeweils bei Bauarbeiten an den Außenanlagen auf zugeschüttete unterirdische Bunker. An der Oberfläche war von deren Existenz nichts zu erkennen.
     
  • Für eine Veranstaltung während des Kirchentages in Bremen im Sommer 2008 sollte in den Wallanlagen nahe der Kunsthalle eine Bühne aufgebaut werden. Bei den Arbeiten verschwand ein Pflock plötzlich im Boden. Nachfolgende Untersuchungen führten zur Wiederentdeckung eines zugeschütteten großen unterirdischen Sonderbaus. Das Objekt hat Abmessungen von rund 50x20 m. Innen sind bis zu 15 Räume für insgesamt 400 Menschen vorhanden. Nach dem Fund 2008 wurde das Objekt zunächst wieder verschlossen.
    Ende 2011 begann eine intensivere Untersuchung des Erdbunkers. Die historischen Spuren wurden dokumentiert. Wichtiger noch war die Feststellung der Tragfähigkeit der Decke. Inzwischen ist der Bunker wieder zugeschüttet worden.

Es kann davon ausgegangen werden, daß im Laufe der nächsten Jahre noch weitere in Vergessenheit geratene Sonderbauten wieder freigelegt werden. Allein in den Wallanlagen gibt es noch mindestens zwei weitere Verdachtsstellen.

 Weiterführendes: 
Ein Link auf das Angebot von Google Maps, um die folgenden Straßenangaben nachvollziehen zu können:
Google Maps

Fotos:

Schrift
Erhaltene Beschriftung in einem Erdbunker

Kämenadenweg
Auf dem Sonderbau am Kämenadenweg ist inzwischen ein Wohnhaus errichtet worden

Herdentor
Neben dem Herdentor sind bis heute zwei Erdbunker erhalten. Hier der Treppenabgang des ersten.

Belüftungsschächte
Versiegelte Belüftungsschächte des zweiten Bunkers

Schulhof
Bei der Herrichtung des Sonderbaus "Auf der Hohwisch" wurde auf dem Schulhof mit roten Klinkersteinen der Grundriß des Bunkers nachgezogen

Erdbunker Hermannstraße:

Gedenkstein
Jahrzehntelang zeugte nur ein Gedenkstein davon, daß hier der Sonderbau Hermannstraße war.

Stahlbewehrungen
Hier die offenliegenden Stahlbewehrungen an der Durchschlagstelle

Notausstieg
Ein Notausstieg

Notabort
Über dem Durchgang rechts die Aufschrift "Notabort"

Lüfter
Ein handbetriebener Lüfter

Impressionen
Einige Impressionen aus dem Inneren des Bunkers. Er war seit dem Kriegsende verschlossen.

Eimer
Ein alter Eimer

Belüftungsklappe
Belüftungsklappe

Foto Straße / Standort Bunkertyp Heute
Stadtteil Findorff
Herbststraße Sonderbau, erdversenkt abgerissen
Stadtteil Gröpelingen
Basdahler Straße Basdahler Straße Sonderbau, halb erdversenkt vorhanden
Stadtteil Häfen
Holzhafen Am Holzhafen Sonderbau, halb erdversenkt abgerissen
Stadtteil Hemelingen
Alter Postweg Alter Postweg, Schulhof Sonderbau, erdversenkt abgerissen
Auf der Hohwisch Auf der Hohwisch, Schulhof Sonderbau, erdversenkt Schulmuseum
Drakenburger Straße Drakenburger Straße Sonderbau, erdversenkt abgerissen
Hannoversche Straße Hannoversche Straße Sonderbau, erdversenkt zugeschüttet
Stadtteil Mitte
Herdentorsteinweg Herdentorsteinweg Sonderbau, erdversenkt vorhanden
Herdentorsteinweg Herdentorsteinweg Sonderbau, erdversenkt vorhanden
Am Wall / Theaterberg Sonderbau, erdversenkt zugeschüttet
Am Wall Am Wall Sonderbau, erdversenkt zugeschüttet
Stadtteil Neustadt
Kantstraße Neustadtscontrescarpe / Kantstraße Sonderbau, erdversenkt abgerissen
Hermannstraße Neustadtscontrescarpe / Hermannstraße Sonderbau, erdversenkt abgerissen
Oderstraße, Schulhof Sonderbau, erdversenkt zugeschüttet
Stadtteil Östliche Vorstadt
Auf der Kuhlen Auf der Kuhlen Sonderbau vorhanden
Stadtteil Osterholz
Kämenadenweg Kämenadenweg Sonderbau, halb erdversenkt überbaut
Stadtteil Walle
Beverstedter Straße Beverstedter Straße Sonderbau, erdversenkt vorhanden
Grenzstraße Grenzstraße, Schulhof Sonderbau, erdversenkt zugeschüttet
Vegesacker Straße Vegesacker Straße Sonderbau, halb erdversenkt vorhanden
Stadtteil Vegesack
Warnemünder Weg Warnemünder Weg Sonderbau, halb erdversenkt überbaut
 
Quellenangabe:
- Michael Foedrowitz: Bunkerwelten
- Matthias Sachse
- F. Bannasch
- A. Calic, Stattreisen Bremen
- Weser-Kurier
 
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