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Rubrik: Luftabwehr Translation: English French Spanish Italian Dutch Danish Polish Russian
Die Nike-FlaRak-Stellung (temporär) Delmenhorst-Adelheide
 Relikte des Kalten Krieges: 
Grundsätzliches über die Elemente und das Zusammenwirken im NATO-Luftverteidigungsgürtel ist auf der Themenseite nachzulesen.
Über die Verbände und Stellungen des FlaRak-Systems Nike sowie die Entwicklung dieser Waffe berichtet eine weitere Seite.

Die auf dieser Seite vorgestellte Nike-FlaRak-Stellung ist ein Beispiel für die in der Anfangsphase betriebenen provisorischen Einsatzstellungen.
Das Waffensystem mußte in den Luftverteidigungsgürtel der NATO eingegliedert werden. Für diesen Dauerbetrieb sollten Stellungen mit fester Infrastruktur errichtet werden, aus denen der Bereitschaftsdienst und auch der Abwehrkampf geführt werden konnte. Der Aufbau der endgültigen Stellungen zog sich jedoch teilweise über viele Jahre hin. Das Suchen geeigneter Flächen und vor allem deren Ankauf konnte erst nach über zehn Jahren vollendet werden.
Es wurde aber zum einen angestrebt, möglichst schnell den FlaRak-Gürtel aufzustellen. Zum anderen mußte auch das in den USA ausgebildete Personal am System in Übung gehalten werden. So kam es schon Anfang der 1960er Jahre zur Einrichtung von Stellungen auf bereits im Staatsbesitz befindlichen militärischen Flächen. Das System Nike war so konzipiert, daß der Abschußbereich räumlich getrennt vom Feuerleitbereich liegen mußte. Der Mindestabstand zwischen beiden betrug 900 m. Daher waren ehemalige und auch wieder in Betrieb genommene Flugplätze aus Zeiten des II. Weltkrieges am besten für die Nike geeignet.

Nutzer der Stellung Delmenhorst wurden zwei Batterien des FlaRakBtl 24. Im Januar des Jahres 1961 sind die 2. und die 4. Batterie des Verbandes in Schwarmstedt aufgestellt worden. Der Standort, Unterkunft waren die Baracken eines früheren Ausweichkrankenhauses aus dem II. Weltkrieg, war von vorne herein nur als vorübergehende Bleibe vorgesehen. So konnten die Batterien bereits im Januar des nächsten Jahres in den endgültigen Standort Delmenhorst verlegen. Hier war die Caspari-Kaserne im Stadtteil Deichhorst wieder frei geworden. Auch der Bataillonsstab und die Sanitätsstaffel des Verbandes fanden hier ihre neue Heimat.
Nur gut vier Kilometer südlich der Caspari-Kaserne konnte auf dem Flugfeld des ehemaligen Fliegerhorstes Delmenhorst-Adelheide die provisorische Stellung aufgebaut werden. Das Gelände wurde seit Übernahme des früheren Flugplatzes durch die Bundeswehr im Jahre 1956 als Standortübungsplatz genutzt. Eine vergleichbare Verwendung ehemaliger Militärflugplätze als Übungsplätze und temporäre Nike-Stellung gab es auch in Varel-Friedrichsfeld, Varrelbusch und Vörden. In Varrelbusch und Vörden wurden auch die endgültigen Einsatzstellungen der Batterien errichtet. Bei Varel-Friedrichsfeld und Delmenhorst-Adelheide blieb es jedoch nur bei einer vorübergehenden Maßnahme.

In Delmenhorst mußten mehr gebaut werden, als an anderen Orten. Der Flugplatz verfügte Zeit seines Bestehens nur über eine Grasnarbe. Betonierte Startbahnen und Rollwege konnten andernorts als solide Standfläche genutzt werden. Hier mußte dagegen erst befestigt werden.
Am Nordwestrand des Flugfeldes wurde der Feuerleitbereich angelegt, im allgemeinen Sprachgebrauch der FlaRak-Soldaten wurde die englische Bezeichnung "Integrated Fire Control" (IFC) verwendet. Hier hat man die Geräte und Fahrzeuge abgestellt, die für die Luftraumüberwachung und Raketensteuerung erforderlich waren. Zusätzlich war dort auch das "Battalion Operation Center" (BOC) des FlaRakBtl 24 eingerichtet. Von diesem aus wurde der Einsatz der vier Batterien des Verbandes koordiniert.
Rund einen Kilometer östlich der IFC baute man den Abschußbereich bzw. "Launcher Area" (LA). Dort sind drei Sektionen entstanden, in denen die Nike-Raketen auf Abschußgestellen bereitgehalten wurden. Für die geschützte Unterbringung der drei "Section Control Groups" wurde je ein kleiner Bunker errichtet. Die Abschußgestelle standen auf befestigten Grundflächen.
Am 12. Juli 1962 begann der Betrieb in der Stellung Delmenhorst. In der Anlage wurde der Dienst nun von der Einsatzführung des Bataillons sowie der 2. und 4. Batterie geleistet. Das Einsatzmittel war zunächst die Nike-Version Ajax. Sommer bis Herbst 1965 wurde auf das deutlich leistungsfähigere Modell Hercules umgerüstet. In dieser Form lief der Einsatz in der ja nur provisorisch eingerichteten Stellung bis ins Jahr 1973.
In den Tagen vom 15. bis 19. März 1973 zog zunächst die 4./FlaRakBtl 24 in die nun endlich fertiggestellte endgültige Einsatzstellung Ristedt um. Diese befand sich knapp 15 km südöstlich von Adelheide. Im Mai des Jahres zog auch die 2./FlaRakBtl 24 in deren neue Stellung Schönemoor, gut 11 km nördlich gelegen. Dahin verlegte gleichzeitig auch das BOC des Bataillons. Diese Einheiten waren somit die letzten Nike-Batterien in Deutschland, die ihre Endstandorte bezogen.

Nun konnten die Einrichtungen in Delmenhorst-Adelheide endlich freigezogen werden. Das Gelände wurde fortan wieder vollständig in den Standortübungsplatz eingegliedert. Die Zeiten der FlaRak endeten damit für diesen Ort.
Allerdings gab es danach eine neue Querverbindung zu dieser Historie. In der unmittelbar angrenzenden Feldwebel-Lilienthal-Kaserne fand ab 1974 das 51st US Army Artillery Detachment seine Heimat. Diese Einheit besaß die Schlüsselgewalt über die nuklearen Sprengköpfe der Nike-Hercules in den vier Stellungen des FlaRakBtl 24. Zu Zeiten der temporären Stellung in Adelheide war es aus Sicherheitsgründen problematisch, Atomwaffen in der Anlage vorzuhalten. Daher wurde auf den Umzug in die neuen vollwertigen Einsatzstellungen gewartet.

 Zustand: 
Durch die einfache Ausführung einer lediglich vorübergehend betriebenen Stellung sind heute nur noch wenige Reste zu finden. Im Bereich der IFC sind einzelne Abstellflächen erkennbar. In der LA bekommt man dagegen durch die drei Sektionsbunker einen recht guten Überblick über die Gliederung der Anlage.

 Zugang: 
Das Gelände der früheren FlaRak-Stellung kann außerhalb der Übungszeiten des Standortübungsplatzes frei begangen werden.

 Hinweis: 
Über die Delmenhorster Heimat der FlaRak-Verbände, die Caspari-Kaserne, berichtet ein Web:
http://www.caspari-kaserne.de

Über die Flugabwehrraketentruppe der Bundesluftwaffe ist ein interessantes Buch erschienen:
Titel: Blazing Skies
Autoren: Wilhelm von Spreckelsen, Wolf-Jochen Vesper
Verlag: Isensee Verlag, Oldenburg
ISBN: 3-89995-054-2

Blick aus der Vogelperspektive mit Google Maps:
IFC:

Google Maps

LA:
Google Maps


Fotos:
Feuerleitstellung - Integrated Fire Control (IFC):

Im Bereich der IFC sind mehrere befestigte Stellflächen zu finden
Im Bereich der IFC sind mehrere befestigte Stellflächen zu finden

Das Fundament eines Bauwerks
Das Fundament eines Bauwerks

Sockel mit Betoneinfassung
Sockel mit Betoneinfassung

Straße in der IFC
Straße in der IFC


Feuerstellung - Launcher Area (LA):

LA - einer der drei Sektionsbunker
Einer der drei Sektionsbunker

Rückansicht des Bunkers, diese Seite war früher mit Erde aufgeschüttet.
Rückansicht des Bunkers, diese Seite war früher mit Erde aufgeschüttet.

Hier sind noch Reste der Erdaufschüttung erkennbar
Hier sind noch Reste der Erdaufschüttung erkennbar

Innen nur ein kleiner rechteckiger Raum für die Elektronik der Section Control Group
Innen nur ein kleiner rechteckiger Raum für die Elektronik der Section Control Group

Vor dem Section-Bunker eine befestigte Stellfläche
Vor dem Section-Bunker eine befestigte Stellfläche

Eine weitere Stellfläche seitlich des Bunkers
Eine weitere Stellfläche seitlich des Bunkers

Etwas abseits Standplätze für System-Geräte
Etwas abseits Standplätze für System-Geräte

Die LA wurde durch eine Ringstraße erschlossen, sie ist noch komplett erkennbar.
Die LA wurde durch eine Ringstraße erschlossen, sie ist noch komplett erkennbar.

Ein vierter Bunker steht neben den Sektionen
Ein vierter Bunker steht neben den Sektionen

Schutzwall am Rande der Stellung
Schutzwall am Rande der Stellung
 
Karte
Maßstab
 
Quellenangabe:
- Wilhelm von Spreckelsen, Wolf-Jochen Vesper: Blazing Skies
- Chronik des Flugabwehrraketenbataillon 24 / Flugabwehrraketengruppe 24
- Bundeswehr: 30 Jahre Bundeswehrstandort Delmenhorst
 
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