Bis 1945: Die für den Betrieb erforderliche Infrastruktur wurde neben der Bauwirtschaft auch durch den Reichsarbeitsdienst errichtet. Einzelne Pflasterstraßen erschlossen das Gelände. Wichtiger für den Transport war jedoch ein umfangreiches Gleisnetz für eine Schmalspurbahn. Der Transport der Sperrwaffen erfolgte hauptsächlich über Waggons. Die Munitionslagerhäuser waren sämtlich über Gleise erreichbar. Für den Abtransport zum Bahnhof wurde eine Schmalspurstrecke gebaut, die über eine Brücke den Fluß Geeste überquerte. Am Bahnhof ermöglichte eine passend gebaute Verladerampe den Umschlag von den Schmalspur-Waggons auf die Vollspur-Güterzüge. Die Aufgabe des Marinesperrzeugamtes war die Produktion und
Lagerung von Sperrwaffen, also hauptsächlich Seeminen. Dafür
sind zwei Produktionsstraßen gebaut worden. Zur Deponierung
entstanden viele erdüberdeckte Munitionslagerhäuser. Sie
standen aufgelockert in langen Reihen über weite Teile des Geländes
verstreut. Am 2. November 1936 nahm das Marinesperrzeugamt Heinschenwalde
offiziell den Betrieb auf. Vor und während des II. Weltkrieges
lief der Betrieb weitgehend ungestört. In Wesermünde ist
eine Sperrwaffenausrüstungsstelle aufgebaut worden, die die
schwimmenden Einheiten direkt mit Seeminen versorgte. Diese Stelle
wurde dem Sperrzeugamt Heinschenwalde unterstellt. Während des Krieges sind in Heinschenwalde auch Fremd-
und Zwangsarbeiter sowie Kriegsgefangene eingesetzt worden. 1 km
westlich abgesetzt existierte das Kriegsgefangenenlager Bokelah.
Es war anfangs hauptsächlich mit Polen und Franzosen belegt,
später überwiegend mit Gefangenen aus der Sowjetunion.
Diese Insaßen waren zum größten Teil in der umliegenden
Landwirtschaft eingesetzt, einige aber auch im Sperrwaffenarsenal. In der zweiten Hälfte des Krieges gab es vereinzelt Bombenangriffe auf das Sperrwaffenarsenal und die Umgebung. Zu größeren Zerstörungen im Arsenal kam es dabei jedoch nicht. So konnte am Kriegsende den Alliierten eine weitestgehend intakte Anlage übergeben werden. Ab 1945: In den folgenden Jahren wandelte sich das Bild im ehemaligen
Sperrwaffenarsenal grundlegend. Die erhaltenen Gebäude konnte
verschiedenste Nachnutzungen erleben. Einige Gewerbebetriebe siedelten
sich an. Darunter war die Firma Deutz, die hier Traktoren montierte,
ein Baustoffhändler aus Bremervörde, der hier Kalksandsteine
produzierte, ein Hersteller von Lampen sowie eine Tierfell-Gerberei.
Die Geflügelhof Vollmer übernahm mehrere Bauten für
seinen Betrieb, dieser besteht bis heute. Wegen der großen Wohnungsnot fanden zahlreiche aus den
ehemals deutschen Ostgebieten vertriebene Menschen in umgebauten Arsenalgebäude
eine neue Bleibe. Bis Mitte der 1970er Jahre wohnten rund 100 Personen
im ehemaligen Militärgelände. Auch Bauten im Moorhof und
natürlich alle Wohnhäuser im der Marinesiedlung dienten fortan
Wohnungssuchenden als Heimat. Ab Mitte der 1950er Jahre wandelte sich das Bild erneut. Anders
als bei vielen ähnlichen Anlagen, ergab sich für Heinschenwalde
mit der Aufstellung der Bundeswehr keine neue militärische Nutzung.
Zur gleichen Zeit ist aber auch der Zivilschutz in der Bundesrepublik
aufgebaut worden. Den meisten der verschiedenen Gewerbebetriebe im
Arsenalgelände wurden die Pachtverträge gekündigt.
Die freiwerdenden Gebäude sollten zum Aufbau eines Zivilschutzlagers
für das Bundesland Bremen herangezogen werden. Hier wurde nun
Material für den Katastrophen- und den Verteidigungsfall deponiert.
Unter anderem lagerte hier die Ausrüstung für Hilfskrankenhäuser,
die in Schulen in den Bremerhavener Stadtteilen Surheide und Weddewarden
eingerichtet werden konnten. Betreiber war der Zivile Bevölkerungsschutz
(ZB) der Stadt Bremen bzw. später das THW. Nach Ende des Kalten Krieges wurde in den 1990er Jahren neben
der militärischen Abrüstung auch der Zivilschutz reduziert.
Der Bedarf für das Lager in Heinschenwalde entfiel. Die bisher
dafür verwendeten Gebäude wurde freigezogen und blieb einige
Zeit ungenutzt. Zustand: Zugang: Hinweis: |
Rot: der äußere Sicherheitsbereich
des Sperrwaffenarsenals

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![]() Im Wald verteilt standen diverse Lagerhäuser |
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![]() Auch dieses Betriebsgebäude ist 2001 abgerissen worden |
| Eines der Arbeitshäuser des Arsenals |
Quellenangabe:
- Niedersächsisches Umweltministerium: Gefährdungsabschätzung von Rüstungsaltlasten in Niedersachsen
- Mathias Ohlandt: Manuskript "Beschreibung zum Marinesperrwaffenarsenal Heinschenwalde"
- H. Bader
- H.-J. Schulze
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