Bis 1945:
Die Geschichte der einzelnen Lager des Stalag VI B ist in einigen Teilen
identisch, bzw. kann nicht nach den Standorten aufgeteilt werden. Grundsätzliches
ist deshalb auf der Seite "Stalag VI B Versen"
nachzulesen.
Das Lager in Oberlangen weist von allen Standorten
der ehemaligen Mannschaftsstammlager (Stalag) im Emsland die längste
Geschichte auf. Es gehört als einziges zur ersten Welle der Emslandlager,
welche bereits im Jahr der Machtergreifung der Nationalsozialisten eingerichtet
wurden.
Als sechster Standort der ersten Welle ist dieses Lager schon im Herbst
1933 errichtet worden. Es lag gut 6 km westlich des Dorfes Oberlangen.
Die Liegenschaft sollte ein Konzentrationslager mit einer Kapazität
von 1.000 Gefangenen werden. Zunächst ist es jedoch als Ausbildungslager
für SA-Wachmannschaften genutzt worden.
Im April 1934 übernahm die Justiz den Komplex, um es als Gefängnis
zu verwenden. Dabei wurden die Wachmannschaften der SA mit gleicher Funktion
als reguläre Justizvollzugsangestellte übernommen. Bereits im
Folgejahr ist eine Belegung mit fast 800 Häftlingen dokumentiert.
Im Dezember 1936 waren es schließlich 1.000. Im nächsten Jahr
ist die Kapazität um 500 Plätze erweitert worden. Die Sträflinge
setzte man überwiegend zur Kultivierung der großen umliegenden
Moorgebiete ein. Diese Arbeiten waren sehr hart, dazu kamen eine schlechte
Versorgung sowie Mißhandlungen und Schikanen durch die Wachen.
Nach Ausbruch des II. Weltkrieges im September
1939 endete diese Phase. Nun übernahm das Wehrkreiskommando VI aus
Münster den Standort. Es richtete in Oberlangen ein Kriegsgefangenenlager
ein. Organisatorisch unterstand es zunächst dem Stalag VI B Versen.
Im Mai 1942 wechselte die Unterstellung zum Stalag
VI C Bathorn.
Genauere Belegungsangaben über die erste Zeit als Zweiglager fehlen,
es dürften aber zunächst polnische Kriegsgefangene hier untergebracht
worden sein. Ab Juni 1940 waren rund 1.200 polnische Offiziere in Oberlangen
einquartiert. Im April des nächsten Jahres wurden sie in andere Kriegsgefangenenlager
außerhalb des Emslandes verlegt. Als nächstes kamen im Spätsommer
1941 Gefangene der Roten Armee hier unter. Etwa 2.000 Menschen aus der
Sowjetunion waren nun unter schlechtesten Verhältnissen im Lager
eingesperrt. Im folgenden Winter sind viele von ihnen durch Hunger, Krankheiten
und Kälte verstorben. Die Toten wurden auf einem eigens angelegten
Friedhof, knapp 1 km nördlich gelegen, in Massengräbern verscharrt.
Eine grundlegende Veränderung für den Standort ergab sich 1943.
Oberlangen wurde nun zum eigenständigen Offizierlager (Oflag) 6 des
Wehrkreises VI. Ihm wurde zusätzlich als Zweiglager der Standort
Wesuwe zugeschlagen. Nach dem Waffenstillstand
Italiens mit den Alliierten nahm die Wehrmacht eine große Zahl italienischer
Soldaten in Gefangenschaft. In den Standorten Oberlagen und Wesuwe sind
danach fast 5.000 italienische Offiziere dokumentiert. Im September 1944
endete diese Belegungsphase. Inzwischen hatte man diesen Soldaten den
Status eines Kriegsgefangenen genommen und sie als Internierte bezeichnet.
Dadurch fielen sie nicht mehr unter des Kriegsvölkerrecht. Nun wurden
sie zur Zwangsarbeit herangezogen und dafür in andere Orte verlegt.
In Oberlangen traf im Dezember 1944 eine größere Anzahl weiblicher
polnischer Kriegsgefangene ein. Es handelte sich hierbei um Angehörige
der polnischen Heimatarmee "Armia Krajowa", die nach der Niederschlagung
des Warschauer Aufstandes gefangen genommen worden sind.
Am 12. April 1945 befreite Teile der 1. Polnischen Panzerdivision das
Lager. Die Verbände konnten ihre eigenen Landsleute befreien, 1.728
polnische Frauen befanden sich zu dem Zeitpunkt in Oberlangen.
Ab 1945:
Der Gefangenenbereich des ehemaligen Stalags ist in der Nachkriegszeit
als erstes abgerissen worden. Die Gebäude des Verwaltungsbereiches
blieben dagegen noch längere Zeit stehen, vermutlich wurden sie als
Behelfswohnraum genutzt. Inzwischen sind aber, mit Ausnahme eines Luftschutzbunkers,
auch diese Bauwerke abgetragen worden.
Der größte Teil der früheren Lagerfläche ging in
landwirtschaftliche Nutzung über.
Zustand:
Die eigentlichen Lagerbaracken und Administrationsgebäude sind vollständig
abgerissen worden. Lediglich ein Luftschutzbunker des Wachpersonals blieb
bis heute stehen.
Eine deutliche Spur der Liegenschaft ist dagegen der Friedhof mit den
Gräbern von Opfern des Lagers.
Zugang:
Das Gelände des früheren Lagers ist zugänglich.
Hinweis:
Ein Blick aus der Vogelperspektive auf das Lager aus dem Angebot
von Google-Maps:
Stalag
Oberlangen
Das Dokumentations- und Informationszentrum Emslandlager ist im Internet
zu finden:
http://www.diz-emslandlager.de
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