Bis 1945:
Der überwiegende Teil der militärischen Luftschiffahrt im
Deutschen Kaiserreich fiel der Kriegsmarine zu. Diese inspizierte auf
der Suche nach einem geeigneten Gelände für einen neuen Luftschiffhafen
im Juli 1915 auch das Gebiet westlich der Stadt Wildeshausen. Es wurde
zwar als brauchbar angesehen, man entschied sich jedoch für eine
größere Heidefläche rund 13 km weiter westlich, dort
entstand der große Luftschiffhafen
Ahlhorn.
Aber auch die Landstreitkräfte besaßen zu der Zeit eigene
Luftschiffe und suchten nach einem Standort in Nordwestdeutschland.
Im September 1915 ist von Seiten des Heeres wiederum Wildeshausen aufgesucht
worden. Diesmal fiel sogleich die Entscheidung, hier einen Platz anzulegen.
Er sollte mit einer Luftschiffhalle und einem Gaswerk ausgestattet werden.
Durch die Kriegszeit konnten allen Formalitäten schnell erledigt
werden, sodaß umgehend die Bauarbeiten begannen.
In kürzester Zeit entstand ein Gleisanschluß für die
Materialanlieferung vom nahegelegenen Bahnhof. Die Firma MAN lieferte
die Teile für die Luftschiffhalle. Sie hatte eine Ausdehnung von
232 m Länge, 40 m Breite und 35 m Höhe. Am 16. Mai 1916 wurde
die Halle provisorisch nutzbar. Das Gaswerk wurde dagegen nicht mehr
errichtet. Die Gasversorgung erfolgte über Eisenbahnwaggons, südlich
der Halle ist dazu ein Gaslager gebaut worden. Nördlich der Halle
entstand ein kleines Bombenlager mit Erdbunkern für die Abwurfwaffen.
Am 9. Mai 1916 traf mit dem Luftschifftrupp Nr. 8 das Bodenpersonal
am Standort ein. Die gut 250 Soldaten sind zunächst in vorhandenen
Bauten im Stadtgebiet untergebracht worden. Der 18. Juni brachte die
erste Landung eines Luftschiffes in Wildeshausen, es war LZ 98. Im Oktober
des Jahres begann das Militär nördlich des Flugfeldes mit
dem Bau eines Lagers für die Truppen, es bestand aus Holzbaracken
und Massivbauten. Im November ist das stationierte LZ 98 gegen das Luftschiff
Schütte-Lanz 13 ausgetauscht worden. Dieses blieb aber nur bis
in den Januar 1917. Danach war bis zum Juni 1917 in Wildeshausen kein
Fluggerät mehr stationiert, auch der größte Teil des
Personals wurde abgezogen. Wegen seiner geringen Größe und
schwieriger Verhältnisse am Boden verlor die Anlage immer mehr
an Bedeutung.
Der Juli 1917 brachte schließlich eine grundlegende Veränderung,
das Heer gab die Luftschiffahrt auf. Am 20. September übernahm
die Marine die wildeshauser Liegenschaft. Eine zeitweilige Verwendung
als Reparaturplatz brachte nur vorübergehend einzelne Luftschiffe
hierher, in der letzten Phase des I. Weltkrieges verloren auch die Luftschiffe
zunehmend an militärischem Nutzen. Ab 13. Juni 1918 befand sich
SL 22 für wenige Wochen als letztes Luftfahrzeug auf dem Platz.
Am Ende des Krieges durchliefen verschiedenste Einheiten den Standort,
meist waren sie zur Abwicklung vorübergehend in den Gebäuden
des Lagers einquartiert. Am Ende des Jahres 1919 endete die militärische
Geschichte des Standortes, erst mit dem Bau einer neuen Kaserne der
Bundeswehr an anderer Stelle wurde Wildeshausen 1961 erneut Garnison.
Die Einrichtungen des Luftschiffhafen sind größtenteils bereits
bis 1921 abgebaut worden. Die Halle wurde abgerissen und das Material
durch eine Abbruchgesellschaft verkauft. Auch die weiteren Materialen
fand schnell Interessenten, sodaß nach kurzer Zeit die meisten
Spuren beseitigt waren.
Ab 1945:
Das stete Wachsen der Stadt Wildeshausen brachte mit sich, daß
im Laufe der Jahre die Wohn- und Gewerbebebauung auch das frühere
Flugfeld erreichte. So sind inzwischen fast alle Flächen des ehemaligen
Luftschiffhafens überbaut worden, letzte Lücken werden in
der nächsten Zeit verschwinden. Auf dem Areal der früheren
Kaserne entstand ebenfalls ein Wohnsiedlung.
Zustand:
Anfang des Jahres 2003 ist das letzte Gebäude auf dem Kerngelände
des ehemaligen Luftschiffhafens abgerissen worden. So sind heute Straßenschilder
mit Namen wie "Am Luftschiffhafen" oder "Zeppelinstraße"
die letzten Zeugen der Epoche. Im Bereich der früheren Kaserne
steht ein einzelnes Gebäude in der Bauform einer Militärbaracke,
es ist möglicherweise historischen Ursprungs.
Zugang:
Alle Bereiche sind frei zugänglich, ausgenommen Privatgrundstücke.
Hinweis:
1926 erschien ein Buch, daß über die Luftschiffhäfen
Ahlhorn und Wildeshausen berichtet:
Titel: Zwei deutsche Luftschiffhäfen
Autor: Dr. Fritz Strahlmann
Verlag: Oldenburger Verlagshaus Lindenallee