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Rubrik: Flugplätze Translation: English French Spanish Italian Dutch Danish Polish Russian
Der Fliegerhorst Achmer
 Bis 1945: 
Auf dem Gebiet der Gemeinde Bramsche sind vor dem II. Weltkrieg gleich zwei bedeutende Militärflugplätze eingerichtet worden. Neben dem auf dieser Seite vorgestellten Fliegerhorst Achmer entstand rund 8 km nördlich der Einsatzhafen Hesepe. Auch der Einsatzhafen Vörden ist lediglich 12 km von hier entfernt. Im Nordwesten des Reichsgebietes wurden in den 1930er Jahren zahlreiche Flugplätze aufgebaut. Damit schuf das III. Reich die strategischen Voraussetzungen für einen Luftkrieg gegen England.
Südwestlich des Ortes Achmer ist unmittelbar hinter dem Mittellandkanal ab 1936 ein Fliegerhorst aufgebaut worden. Die Anlage erhielt den Decknamen "Ahnenkult". Auf dem Flugfeld wurden drei befestigte Startbahnen in der seinerzeit modernen Triangel-Form angelegt. Die nötigen Gebäude und Einrichtungen für den Flugbetrieb sind bis 1939 entstanden. Im Nordosten befand sich der Technische Bereich mit Werfthangars und Motorenprüfstand. Südlich des Flugfeldes gab es diverse Abstellhallen für die Einsatzmaschinen. Daran anschließend lagen die Kommandantur und Unterkunftsgebäude. Über ein Anschlußgleis zur am Ostrand vorbeiführenden Reichsbahnstrecke Osnabrück - Oldenburg konnte der Materialtransport durchgeführt werden.
Im Umfeld baute man weitere Einrichtungen. Ein Munitionslager ist 2 km südlich im Wald angelegt worden. Ein anderes entstand nördlich auf der Larberger Egge. Am Südrand von Achmer wurde ein Barackenlager für Zivilbeschäftigte aufgebaut. Ab 1941 existierte nordwestlich ein Lager für Kriegsgefangene der Roten Armee, die zu Arbeiten herangezogen wurden. Auf dem Bramscher Berg richtete man eine Flakstellung zum Schutz des Flugplatzes ein. Ab Herbst 1943 war sie mit vier 12,8 cm-Geschützen ausgerüstet.
Die erste dokumentierte Belegung des Flugplatzes fand im August 1940 statt. In dem Monat wurde hier die 10. (Erg.) Staffel des Kampfgeschwaders 2 "Holzhammer" aufgestellt. Die Einheit war mit Dornier Do 17-Bombern ausgerüstet. Im Januar des Folgejahres kam die 11. Staffel dazu. Schließlich wuchs im März der Verband zur IV. Gruppe des Geschwaders auf und verlegte nach Schwerin. Während der nächsten Jahre wurden ständig wechselnd diverse Verbände in Achmer stationiert. Gruppen des KG 2 waren immer wieder dabei. Der Platz bekam nun auch die Funktion einer Umrüstungszentrale. Die Umrüstung mehrerer Gruppen des Kampfgeschwaders 2 von der Do 17 auf die modernere Do 217 wurde hier durchgeführt.
Ebenfalls diente Achmer zeitweilig als Erprobungsstelle. Es sind unter anderem Versuche mit Abwehrwaffen gegen Bomberverbände durch Focke-Wulf Fw 190-Jäger des Erprobungskommandos 25 durchgeführt worden. Eine besondere Phase mit Erprobungen begann am 26. September 1944. Es wurde auf den Plätzen Achmer und Hesepe das Kommando Nowotny aufgestellt. Dieses ist mit dem Strahljäger Messerschmitt Me 262 "Schwalbe" ausgerüstet worden. Kommandant der Einheit war der erfolgreiche Jagdflieger Walter Nowotny. Er ist bei einem Einsatz mit seiner Me 262 am 8. November 1944 abgeschossen worden. Nahe der Absturzstelle in Epe bei Bramsche befindet sich noch heute ein Gedenkstein.
Für die modernen Strahlflugzeuge sind einige Erweiterungen auf dem Flugplatz begonnen worden. Um die Maschinen aus der unmittelbaren Nähe des Flugfeldes zu bringen, ist weiter entfernt an der Straße nach Westerkappeln eine Abstellhalle gebaut worden. Die südliche Startbahn sollte Richtung Westen verlängert werden, das wurde jedoch nicht mehr realisiert.
Das vormalige Kommando Nowotny verlegte im November 1944 nach Landsberg und formierte sich zur III./JG 3 "Nowotny". Von Januar bis März 1945 war wiederum ein Verband mit Strahlflugzeugen in Achmer stationiert. Es handelte sich dabei um die III. Gruppe des Kampfgeschwaders 76. Sie ist mit dem Bomber Arado Ar 234 "Blitz" ausgestattet gewesen.
Den Alliierten blieb die Bedeutung des Flugplatzes natürlich nicht verborgen. Sie führten 1944 und 1945 mehrere schwere Bombardierungen der Anlage durch. Der Flugbetrieb konnte jedoch bis in den März aufrecht erhalten werden. Danach verlegten die fliegenden Verbände weiter Richtung Osten. Von der Wehrmacht sind nun viele Einrichtungen gesprengt worden.
Anfang April erreichten Britische Verbände die Region und besetzten den Fliegerhorst. Sofort wurde begonnen, das Flugfeld wieder nutzbar zu machen. Danach diente der Platz den Alliierten vorübergehend als Basis für Bomber und Jagdbomber.

 Ab 1945: 
Das Gelände blieb in militärischer Nutzung. Nach Abzug der hier stationierten Truppen übernahm die Britische Armee das Areal als Standortübungsplatz für die Garnison Osnabrück. Die Stadt war während des Kalten Krieges ein bedeutender Standort der British Army of the Rhine und ist heute deren größte Garnison außerhalb Großbritanniens. Die Fläche des StOÜbPl ist nach Süden erheblich über die Grenzen des früheren Fliegerhorstes erweitert worden, er umfaßt knapp 1.000 ha.
Nach Aufstellung der Bundeswehr gab es Planungen, am Ort einen neuen Fliegerhorst aufzubauen. Das Vorhaben wurde jedoch nicht umgesetzt. Der nordwestliche Teil des Flugfeldes dient aber wieder der Luftfahrt. Hier befindet sich heute der zivile Sportflugplatz Achmer. Der Flugbetrieb wird aber nur noch auf Grasnarbe durchgeführt.

 Zustand: 
Da bereits von der Wehrmacht viele Einrichtungen zerstört worden sind und auch in der Nachkriegszeit weiter abgerissen wurde, sind heute nur noch relativ wenige Spuren zu finden. Selbst von den drei befestigten Startbahnen ist nichts mehr zu erkennen. In Randbereichen finden sich aber noch einzelne Reste, die Fotos zeigen einige davon.

 Zugang: 
Der südlich gelegene Standortübungsplatz darf nicht betreten werden, Randbereiche sind dagegen zugänglich.

 Hinweis: 
Der heutige Sportflugplatz Achmer ist im Web zu finden:
http://www.flugplatzachmer.de

Für alle Flugplätze gilt:
Über die Flughäfen der Luftwaffe ist ein Buch mit zahlreichen zeitgenössischen Standort-Skizzen erschienen:
Titel: Fliegerhorste
Autoren: Karl Ries und Wolfgang Dierich
Verlag: Motorbuch
ISBN: 3-613-01486-6
In diesem Buch ist vom Flugplatz Achmer eine Skizze enthalten!
Blick aus der Vogelperspektive mit Google Maps:
Google Maps

Fotos:

Trümmer
Trümmer im Bereich der südöstlichen Abstellhallen

Fundamentstreifen
Ein Fundamentstreifen im Werftbereich

Einschießstand
Hier unmittelbar am Mittellandkanal befand sich der Einschießstand für Bordwaffen

Splitterschutzzelle
Eine Einmann-Splitterschutzzelle ist im südwestlichen Abstellbereich stehen geblieben

Trümmern
Bei diesen Trümmern befand sich eine Halle für die Me 262

Flugfeld
Ein Blick über das Flugfeld von Westen

Bunker
Gesprengter Bunker des Barackenlagers am Südrand von Achmer

Larberger Egge
Im Bereich des Munitionsdepots auf der Larberger Egge sind zwei massive Betonfundamente zu finden

 
Dunkelgrau: die befestigten Startbahnen und Abstellplätze, diese Objekte existieren heute nicht mehr!
Karte
Maßstab
 
Quellenangabe:
- Niedersächsisches Umweltministerium: Gefährdungsabschätzung von Rüstungsaltlasten in Niedersachsen
- Karl Ries, Wolfgang Dierich: Fliegerhorste und Einsatzhäfen der Luftwaffe
- Ewald Hein-Jahnke: Bramsche im II. Weltkrieg
- Ernst Albrecht: Marschbefehl ins Ungewisse
- Archiv N. Giese
- Michael Holm: http://www.ww2.dk
 
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