Die Heeresmunitionsanstalt Zeven-Aspe

 Bis 1945: 
Im Mai 1939 begannen die Vorbereitungen zur Errichtung einer Heeresmunitionsanstalt bei Zeven. Die Heeresbauverwaltung Hamburg kaufte das Gebiet Aspe an, welches mit seinem dichten Baumbestand gute Tarnung bot. Die Arbeiten wurden unverzüglich aufgenommen. Während des Baues wurden, wie in allen vergleichbaren Anlagen, die Bäume des Waldes nur wo es unbedingt nötig war entfernt. Außerdem legte man größten Wert darauf, das zu erhaltende Grün vor jeglichen Beschädigungen zu bewahren.
Die Anlage konnte in kürzester Zeit errichtet werden, bereits 1940 wurden Teilbereiche in Betrieb genommen. Das Areal teilte sich auf in drei funktional getrennte Teile. Der administrative Bereich war hinter dem Haupttor im Südwesten, hier sind Kommandantur, Verwaltung, Sozialgebäude und Unterkünfte angesiedelt. Östlich daran anschließend befand sich der eigentliche Produktionsbereich mit zahlreichen Lagergebäuden und Arbeitshäusern. Der gesamte Nord- und Ostbereich war mit rund 90 Munitionsbunkern bebaut, hier wurden die fertigen Produkte eingelagert. Erschlossen war die Muna durch ein ausgedehntes Wegenetz und ein Gleisnetz mit Anschluß zum Bahnhof Zeven.
Die Hauptaufgabe der Heeresmuna Zeven-Aspe war das Befüllen von Artillerie- und Werfergranaten großer Kaliber, einschließlich der Hülsenaufbereitung. Es sind monatlich 20.000 bis 40.000 Granaten produziert worden. Laut Altlastenbericht wird auch die Herstellung von Flammgeschossen vermutet.
Bei der Anstalt war das "Lager Aspe" eingerichtet, eine Unterkunft für Kriegsgefangene, größtenteils der Roten Armee. Sie mußten in der Munitionsproduktion arbeiten. Das Arbeitslager ist von Landesschützen bewacht worden. Die Zustände im Lager und die Arbeitsbedingungen entsprachen dem Kalkül der Nazis, die Menschen aus Osteuropa grundsätzlich als Arbeitssklaven ansahen. Eine größere Zahl der Zwangsarbeiter kam bis zum Kriegsende ums Leben.
Mit der Einnahme Zevens am 24. April 1945 durch Verbände der British Army endete auch für die Munitionsanstalt der II. Weltkrieg.

 Ab 1945: 
Die Briten begannen bald mit der Demilitarisierung der Muna. Die eingelagerte Munition ist bis 1946 abtransportiert bzw. vernichtet worden. Sämtliche Munitionsbunker haben die Alliierten gesprengt. Die Produktionsanlagen wurden demontiert, die Gebäude blieben aber unversehrt. So konnten sich verschiedene Gewerbebetriebe in der Anlage ansiedeln. Im westlichen Unterkunftsbereich wurden die Häuser zu zivilem Wohnraum umgewandelt. Der Wald konnte wieder in forstwirtschaftliche Nutzung zurückgeführt werden.
Da verschiedene Teile des Geländes in Bundesbesitz verblieben, kam es später auch zu verschiedentlicher Nutzung von Einrichtungen durch Militär und Katastrophenschutz. Im vorderen Teil bezog die Bundeswehr die ehemalige Kommandantur und benachbarte Gebäude um hier den "Mobilmachungsstützpunkt Zeven-Aspe I" einzurichten. Im nördlichen Waldgebiet wurde der "MobStp Zeven-Aspe II" mit modernen Stahlhallen und Lagergebäuden neu gebaut. Der Heer stationierte in Aspe Geräteinheiten, die personell erst nach Alarmierung aufgefüllt worden wären, Ausrüstungen und Geräte waren hierfür eingelagert. Es handelte sich dabei zum Ende des Kalten Krieges um Divisionseinheiten der 3. PzDiv aus Buxtehude: das Feldersatzbataillon 31, das Jägerbataillon 36 und das Sicherungsbataillon 38. Dazu kommt das "Reservelazarett 200" 7241 des Territorialheeres.
Des Weiteren war im Zentrum der Anlage von der Niederländischen Armee eine Werkstatt der 41. Herstelcompagnie (Instandsetzungskompanie) eingerichtet. Dazu kommt das "ZS-Sanitätslager HH 6 der Freien und Hansestadt Hamburg, Gesundheitsbehörde". Alle militärischen Einrichtungen wurden im Rahmen der Truppenreduzierung in den 1990er Jahre freigezogen und aufgelöst.
Unabhängig davon stellt heute das Industriegebiet Zeven-Aspe eine der wichtigsten Säulen der Zevener Wirtschaft dar. Hier hat der größte Milchverarbeitungsbetrieb Deutschlands, die Nordmilch eG, ihren Sitz. Dazu kommen diverse andere Betriebe vieler Branchen. Mehrere tausend Arbeitnehmer sind gegenwärtig in der früheren Muna beschäftigt, ausnahmslos in zivilen Funktionen.

 Zustand: 
Der Administrationsteil und das Fertigungsgebiet bilden heute das Industriegebiet Aspe. Viele der Gebäude sind durch ihre Bauart deutlich als ehemalige Muna-Bauten zu identifizieren. Von den zahlreichen Munitionsbunker im nördlichen und östlichen Bereich sind nur noch die Erdwälle aufzufinden.

 Zugang: 
Abgesehen von Betriebs- und Privatgrundstücken ist das gesamte Gebiet frei begehbar.

 Hinweis: 
Ein Blick aus der Vogelperspektive auf die Muna aus dem Angebot von Google-Maps:
Heeresmunitionsanstalt Zeven-Aspe


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Einige Fotos sind als Vorschaubilder bereitgestellt - zum Vergrößern bitte anklicken
  Ein später von der Bundeswehr genutztes Gebäude
  Hallen im ehemaligen Kfz-Bereich
Die Kommandantur der Muna
  In diesen früheren Unterkunftsgebäuden befindet sich heute ein Schülerwohnheim und eine Kfz-Zulassungsstelle
  Dieses ehemalige Verwaltungsgebäude wird gegenwärtig als Wohnhaus genutzt
Ein weiteres großes Gebäude im Administrationsbereich
  Eines der diversen Lagerhäuser
  Früher das Lager für gefährliche Stoffe
  Die ehemalige Entgiftung
Die Zentrale für Heizung und Notstrom
Von den Munitionsbunkern zeugen heute nur noch Erdwälle Ein Schacht zu Versorgungsleitungen Die modernen Stahlhallen des Mobilmachungsstützpunktes Aspe II

Quellenangabe:
- Niedersächsisches Umweltministerium: Gefährdungsabschätzung von Rüstungsaltlasten in Niedersachsen
- Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945 - Band 2: Niedersachsen I
- Ulrich Saft: Krieg in der Heimat - Das bittere Ende zwischen Weser und Elbe

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