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Rubrik: Luftabwehr Translation: English French Spanish Italian Dutch Danish Polish Russian
Flakschutz im Großraum Bremen
 Bis 1945: 
Als wichtige Hafen- und Industriestadt war Bremen während des II. Weltkriegs ein häufig angegriffenes Ziel alliierter Bomber. Einige Beispiele für in die Kriegswirtschaft eingebundene Industrie sind: Schiffbau durch Bremer Vulkan, Deschimag - A.G. Weser und Atlas-Werke, Flugzeugbau durch Focke-Wulf und "Weser"-Flugzeugbau, Fahrzeugbau durch Borgward, Stahlproduktion durch die Norddeutsche Hütte, Öl-Produktion bzw. Lagerung durch Vacuum Oel bzw. Wifo, Fertigung von Elektromotoren durch Lloyd-Dynamo.
Neben dem passiven Luftschutz wurden im Großraum Bremen zahlreiche Flakstellungen eingerichtet. Bereits vor dem Krieg war in Bremen das Flakregiment 26 aufgestellt worden. Am 10.02.1941 entstand aus dem Stab dieses Regiments die Flakbrigade VIII. Nachfolger wurde am 05.06.1941 die 8. Flakdivision. Alle drei Verbände hatten ihren Gefechtsstand in einer Villa am Osterdeich 27/29, bis im Herbst 1942 der Flakbunker im Bürgerpark bezogen werden konnte.
Die Flugabwehr ist ständigen Verlegungen und Umgruppierungen unterworfen gewesen. Die größte Stärke der Flak im Bremer Raum wurde im Dezember 1943 erreicht. Zu diesem Zeitpunkt existierten:
  • 8 Batterien mit Geschützen 12,8 cm, davon waren 5 Batterien Eisenbahnflak auf Waggons
  • 27 Batterien mit Geschützen 10,5 cm/40
  • 1 Batterie mit Geschützen 8,8 cm/41
  • 27 Batterien mit Geschützen 8,8 cm/36
  • 2 Batterien mit Geschützen 3,7 cm
  • 12 Batterien mit Geschützen 2 cm

Das ganze war mit rund 27.000 Mann Personal besetzt, eingerechnet vermutlich auch die zahlreichen jugendlichen Flakhelfer von Bremer Schulen und die russischen Hilfswilligen. In nahezu jeder Stellung waren "Hiwis" eingesetzt, russische Kriegsgefangenen, die um den Qualen der Kriegsgefangenenlager zu entgehen, sich freiwillig gemeldet hatten.
Der schematische Aufbau einer schweren Flakbatterie 8,8 cm in der Anfangszeit des Kriegs:

Befehlsstelle I: Sie befindet sich einige hundert Meter abgesetzt von der Feuerstellung und umfaßt das Kommandogerät (KdoGer 36) mit dem Meßtrupp I, dem Batteriechef und dem Meßoffizier.
Befehlsstelle II: Sie liegt mit dem Meßtrupp II und dem Kommandohilfsgerät (KdoHilfsGer 35) mitten in der Feuerstellung und übernimmt die Feuerleitung, falls die Befehlsstelle I ausfällt. Die Führung hat der Batterie-Offizier. Weiter gehört zur B II der Führer der Na-Staffel, zwei Flugmeldeposten, der Munitions-Unteroffizier und der Gasschutz-Uffz.
Feuerstellung: Sie bildet in der Grundform ein Viereck. Die durchschnittliche Entfernung der B II zu den einzelnen Geschützen beträgt 70 bis 80 m.
Funkstelle: Die 100-W-Funkstelle liegt seitlich von der Feuerstellung abgesetzt. Sie ist auf Flugmeldefrequenz eingeschaltet und hört die Luftlagemeldungen mit, um die Batterie rechtzeitig bei Anflügen zu warnen.

 Ab 1945: 
Die Flakstellungen wurden nach Kriegsende entmilitarisiert, die meisten Befestigungen gesprengt. In den meist ländlichen Gebieten wurden die Erdaufschüttungen eingeebnet und zu Ackerland umgewandelt. Vereinzelte Gebäude und Einrichtungen blieben aber bis in die heutige Zeit erhalten.

 Zustand: 
Heute sind nur noch sehr wenige Spuren zu finden. Die interessantesten Anlagen sind die 12,8 cm Batterien Kirchhuchting, mit relativ vollständigen Geschützbettungen, sowie Moorweide bei Bookholzberg, dort sind die vier Geschützsockel und weitere Gebäude erkennbar. An anderen Standorten sind teilweise nur noch einzelne Betontrümmer vorzufinden. Von den meisten Stellungen sind heute allerdings keinerlei Spuren zu finden.

 Hinweis: 
Es ist ein interessantes Buch über die Flugabwehr im Großraum Bremen erschienen:
Titel: Die bremische Flugabwehr im Zweiten Weltkrieg
Autor: Reinhold Thiel
Verlag: H.M. Hauschild
ISBN: 3-929902-34-6
Fotos:

Eine betonierte Geschütz-Bettung der Stellung Kirchhuchting
Eine betonierte Geschütz-Bettung der Stellung Kirchhuchting

 
Die Ziffern geben die Standorte der Anlagen mit noch vorhandenen Spuren an, siehe Auflistung unten
Karte
 

-#1- Bremen-Östliche Vorstadt - links Osterdeich 27 = Stab, rechts 29 = Gefechtsstand.
Links Osterdeich 27 = Stab, rechts 29 = Gefechtsstand.
Bremen-Östliche Vorstadt
Der Führung der Bremer Flakverbände befand sich vom 15.6.1940 bis Herbst 1942 in zwei benachbarten Villen am Osterdeich.

-#2- Bremen-Schwachhausen - Gefechtsstandsbunker der 8. Flakdivision
Gefechtsstandsbunker der 8. Flakdivision
 
Bremen-Schwachhausen - Der Zugang an der Giebelseite wurde nachträglich geschaffen
Der Zugang an der Giebelseite wurde nachträglich geschaffen
 
Bremen-Schwachhausen - Blick von der anderen Seite
Blick von der anderen Seite
Bremen-Schwachhausen
Im Randbereich der Grünanlage "Bremer Bürgerpark" wurde während des II. Weltkrieges für die 8. Flakdivision ein Gefechtsstand errichtet. Das Objekt bestand seinerzeit aus mehreren Gebäuden, darunter zwei Bunker. Der abgebildete große Bunker ist heute das letzte erhaltene Bauwerk.
Die Gesamtanlage wurde bis in die 1990er Jahre vom Zivilen Bevölkerungsschutz (ZB), bzw. später vom Technischen Hilfswerk (THW) als Stützpunkt genutzt. Der verbliebene Bunker ist heute Winterlager für Ruderboote.

-#3- Bremen-Vegesack - Unterkunftsgebäude in der früheren Flak-Kaserne Grohn
Unterkunftsgebäude in der früheren Flak-Kaserne Grohn
 
Bremen-Vegesack - Langgestreckte Fahrzeughallen
Langgestreckte Fahrzeughallen
Bremen-Vegesack
Als Stammsitz für die bremischen Flak-Verbände wurde im Ortsteil Grohn Mitte der 1930er Jahren eine große Kaserne neu errichtet. Ab 1937 konnte sie als Unterkunft genutzt werden. Dem Bedarf einer vollmotorisierten Truppe entsprechend verfügt sie über ausgedehnte Technische Bereiche mit zahlreichen Fahrzeughallen.
Die Kaserne wurde nach dem Krieg zunächst von der US Army genutzt. Nach Aufstellung der Bundeswehr übernahm diese die Liegenschaft. Sie war über Jahrzehnte der Stammsitz der Schule der Nachschubtruppe des Heeres. In der Zeit erhielt sie den Name "Roland Kaserne".
Heute sitzt in dem Objekt die Jacobs University Bremen.

-#4- Bremen-Blumenthal - Sockel für ein Funkmeßgerät Würzburg-Riese
Sockel für ein Funkmeßgerät Würzburg-Riese
Bremen-Blumenthal
Auf dem Speckberg im Ortsteil Rekum ist der charakteristische Sockel eines Funkmeßgeräts Würzburg-Riese zu finden. Über eine Nutzung des Objektes liegen keine Detailangaben vor. Möglich wäre die Einbeziehung in den kombinierten Nachtjagdraum "Roland".

-#5- Neuenkirchen - Nur wenige Betontrümmer sind erhalten
Nur wenige Betontrümmer sind erhalten
Neuenkirchen
Am Rand des Schwaneweder Ortsteils Neuenkirchen lassen sich geringe Betonreste einer Flak-Stellung finden. Die Batterie lag auf der Anhöhe des Quetschenbergs.

-#6- Eggestedt - Baracken der Stellung
Baracken der Stellung
 
Eggestedt - Ein weiteres erhaltenes Gebäude
Ein weiteres erhaltenes Gebäude
 
Eggestedt - Abseits steht eine Ruine
Abseits steht eine Ruine
Eggestedt
In Eggestedt lag bis in den Sommer 1943 eine Flak-Stellung mit 8,8 cm-Geschützen. Danach diente der Standort als Gefechtsstand der Flak-Untergruppe Vegesack. Im Umfeld befand sich ein zugehöriges Munitionsdepot.

-#7- Bremen-Burglesum -  Reste einer Geschütz-Bettung
Reste einer Geschütz-Bettung
 
Bremen-Burglesum - Blick aus anderer Perspektive
Blick aus anderer Perspektive
 
Bremen-Burglesum
Im unmittelbaren Umfeld der bremischen Industrieanlagen an der Weser wurde die Flak-Stellung Niederbüren eingerichtet. Das Gelände der Stahlhütte beginnt nur gut einen Kilometer in östlicher Richtung.
Die Batterie war mit Flugabwehrkanonen im Kaliber 10,5 cm ausgerüstet. Die Bilder zeigen erhaltene Trümmer von betonierten Geschütz-Bettungen. Außerdem ist die Ruine eines Gebäudes zu finden.
Bremen-Burglesum - In der Mitte die zerstörte Munitions-Kammer
In der Mitte die zerstörte Munitions-Kammer
 
Bremen-Burglesum - Die Ruine eines Gebäudes
Die Ruine eines Gebäudes
Bremen-Burglesum - Weitere Trümmer
Weitere Trümmer

-#8- Oyten - Ein Bunker der Flak-Stellung
Ein Bunker der Flak-Stellung
Oyten
Von der Flak-Stellung Oyten zeugt heute nur noch die Ruine eines Bunkers, der Abseits der Ortschaft auf freiem Feld steht.

-#9- Bierden - Der Bunker mit unklarer Funktion
Der Bunker mit unklarer Funktion
 
Bierden - Am Giebel eine große Einfahrt
Am Giebel eine große Einfahrt
Bierden
Auf dem ehemaligen Borgward-Testgelände in den Dünen bei der Ortschaft Bierden ist ein großer Bunker mit ungewöhnlicher Form zu finden. Dessen Nutzung durch eine hier eingerichtete Flak-Stellung ist nicht klar. Möglich ist auch eine Verwendung als Übungsobjekt im Rahmen der Fahrzeugerprobungen durch Borgward.

-#10- Bollen - Eine erhöhte Geschütz-Bettung
Eine erhöhte Geschütz-Bettung
 
Bollen - Weitere Bettung
Weitere Bettung
Bollen
Die Flak-Stellung Bollen lag im Deichvorland am Rand der Ortschaft. Hier bestand zur Hochwasser-Periode der Weser die konkrete Gefahr, überflutet zu werden. Dementsprechend sind die Geschütz-Bettungen hoch gebaut worden. In Bollen war eine Batterie mit 8,8 cm-Geschützen stationiert.

-#11- Bremen-Huchting - Eine gut erhaltene Geschütz-Bettung
Eine gut erhaltene Geschütz-Bettung
 
Bremen-Huchting - Die Munitions-Kammer
Die Munitions-Kammer
 
Bremen-Huchting - Bodenplatte in der Mitte der Bettung
Bodenplatte in der Mitte der Bettung

Bremen-Huchting
Bis Mitte der 2000er Jahre war die Flak-Stellung Kirchhuchting die am vollständigsten erhaltene Anlage im Großraum Bremen. Im Rahmen von Umwidmungen und Renaturierungen des Geländes sind inzwischen jedoch viele der hier abgebildeten Objekten nicht mehr in diesem Zustand aufzufinden. Im II. Weltkrieg war hier eine Batterie mit 12,8 cm-Geschützen eingesetzt.
Die Bilder zeigen Geschütz-Bettungen, die zum Teil völlig unzerstört die Jahrzehnte überdauert hatten. Interessante Details sind dabei die weitgehend originalen Munitions-Kammern.
Bremen-Huchting - Eine weitere Geschütz-Bettung
Eine weitere Geschütz-Bettung
Bremen-Huchting - Auch hier weitgehend original erhaltene Munitions-Kammern
Auch hier weitgehend original erhaltene Munitions-Kammern
Bremen-Huchting - Die Reste eines Gebäudes
Die Reste eines Gebäudes

-#12- Deichhausen - Nur wenige Trümmer sind zu finden
Nur wenige Trümmer sind zu finden
Deichhausen
Die Flak-Stellung bei Deichhausen war mit 10,5 cm-Geschützen ausgerüstet. Heute sind nur noch wenige Beton-Trümmer von dem Objekt zu finden.

-#13- Moorweide - Eine Geschütz-Bettung
Eine Geschütz-Bettung
 
Moorweide - Weitere Bettung, im Hintergrund die Feuerleitstellung der Bundeswehr.
Weitere Bettung, im Hintergrund die Feuerleitstellung der Bundeswehr.
 
Moorweide - Diverse Trümmer zeugen von den einzelnen Teilen der Stellung
Diverse Trümmer zeugen von den einzelnen Teilen der Stellung

Moorweide
Die Batterie Moorweide lag auf freiem Feld in großer Entfernung zu Wohnsiedlungen. Hier waren im II. Weltkrieg Flugabwehrkanonen im Kaliber 12,8 cm stationiert.

Interessanterweise wurde das Gebiet auch im Kalten Krieg von einer Flugabwehr-Einheit genutzt. In unmittelbarer Nachbarschaft wurde die Feuerleit-Stellung (IFC) der 2. Batterie des Flugabwehrraketenbataillons 24 errichtet. Diese Stellung war in den FlaRak-Gürtel der NATO integriert.

Die alte Flak-Stellung des II. Weltkrieges gehört zu den wenigen Objekten im Großraum Bremen, bei denen gleich mehrere Teile die Zeiten überdauert hatten. Damit ist der Aufbau einer typischen Flak-Stellung an diesem Objekt noch heute umfassender nachvollziehbar. Vier Geschütz-Bettungen sind weiterhin erkennbar. Dazu kommen mehrere Ruinen der zugehörigen Gebäude.

Moorweide - Sockel neben den Bettungen
Sockel neben den Bettungen
Moorweide - Die Ruine eines Klinker-Gebäudes
Die Ruine eines Klinker-Gebäudes
Moorweide - Das Beton-Gerippe eines weiteren Baus
Das Beton-Gerippe eines weiteren Baus

-#14- Krögerdorf - Der Bunker des Gefechtsstandes
Der Bunker des Gefechtsstandes

Krögerdorf - Links auf dem Dach ist eine Beobachtungskuppel zu erkennen
Links auf dem Dach ist eine Beobachtungskuppel zu erkennen

 
Krögerdorf
Die Flakuntergruppe "Stedingen" hatte ihren Befehlsbunker in der Nähe von Krögerdorf. Das Objekt lag weit abseits von Wohnbebauung mit kilometerweit freiem Blickfeld.
Der Bunker des Gefechtsstandes ist heute der letzte seiner Art im Großraum Bremen. Man kann erkennen, daß auf dem Dach eine geschützte Beobachtungskuppel integriert ist. Neben dem Bunker steht eine Baracke mit L-förmigem Grundriß.
Die Liegenschaft wird heute als Tontauben-Schießstand genutzt.
Krögerdorf - Weiterer Blick auf den Bunker
Weiterer Blick auf den Bunker
Krögerdorf - Die Baracke mit L-förmigem Grundriß
Die Baracke mit L-förmigem Grundriß

-#15- Hekeln - Einige Trümmer der Stellung
Einige Trümmer der Stellung
 
Hekeln - Die Reste einer Geschütz-Bettung
Die Reste einer Geschütz-Bettung
 
Hekeln - Weitere Beton-Trümmer
Weitere Beton-Trümmer
Hekeln
Die Batterie Hekeln lag weit abseits anderer Bebauung auf freiem Feld. Hier sind im II. Weltkrieg Flugabwehrkanonen im Kaliber 10,5 cm-eingesetzt gewesen. Heute zeugen nur noch wenige Trümmer von der Anlage.

-#16- Eggese - Mehrere Baracken blieben erhalten
Mehrere Baracken blieben erhalten
Eggese
Von der 10,5 cm-Flak-Stellung bei Eggese sind mehrere recht gut erhaltene Baracken erhalten. Sie sind allesamt in der seinerzeit verbreiteten Bauweise mit Rotklinker ausgeführt.

-#17- Havekost - Die Leitstandsbaracke B I
Die Leitstandsbaracke B I
 
Havekost - Der Giebel des Gebäudes
Der Giebel des Gebäudes
Havekost
In der ehemaligen Flak-Stellung bei Havekost ist noch heute eine Baracke in gutem Zustand zu finden. Es handelt sich bei dem Gebäude um die Batterie-Befehlsstelle, Typ-Bau Leitstandsbaracke B I. Sie wurde in halb-erdversenkter Bauweise errichtet. Die Stellung war im II. Weltkrieg mit 8,8 cm-Flak-Geschützen ausgestattet.

Quellenangabe:
- Reinhold Thiel: Die bremische Flugabwehr im Zweiten Weltkrieg
- Friedrich Juchter: Formeln, Fahnen, Flakgeschütze
 
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