Die U-Boot-Bunkerwerft "Hornisse"

 Bis 1945: 
Ende 1926 wurde in Bremen die "Deutsche Schiffs- und Maschinenbau Aktiengesellschaft", kurz Deschimag, gegründet. Deren wichtigster Betrieb war die Werft A.G. "Weser", die im Hafengebiet von Bremen auf einem weitläufigen Betriebsgelände stand.
Mit dem ebenfalls zum Deschimag-Konzern gehörenden Werk der "Weser"-Flugzeugbau GmbH in unmittelbarer Nähe ballte sich hier die Rüstungsindustrie. Dazu lagen eine Raffinerie und ohnehin bedeutenden Hafenanlagen im Umfeld. So wurde das Gebiet im Krieg dementsprechend zu einem strategischen Ziel für die Alliierten.

Durch die massive Aufrüstung in den 1930er Jahren ergaben sich für die A.G. "Weser" diverse Aufträge zum Bau von Kriegsschiffen. Im Rahmen des "Z-Planes" sollten für die Kriegsmarine unter anderem sechs große Schlachtschiffe mit einer Verdrängung von 56.000 Tonnen hergestellt werden. Auf die A.G. "Weser" fielen die Schlachtschiffe mit den Projektbezeichnungen "J" und "N". Am 15. August 1939 erfolgte die Kiellegung von Schlachtschiff "J" auf Helgen V.
Die Werft wuchs in dieser Zeit beständig. Man wollte zwei ausgedehnte Baudocks für die Großvorhaben neu errichten. Dafür sicherte sich bereis 1938 das Oberkommando der Kriegsmarine die Landzunge "Kap Horn", zwischen Weser und Industriehäfen gelegen. Wegen kriegsbedingter Einschränkungen ist jedoch nur ein Dock begonnen worden. Dieses hatte eine Länge von 360 m und eine Breite von 60 m. Da durch den Verlauf des II. Weltkrieges der Sinn von großen Schlachtschiffen für die deutsche Marine verschwand, wurde der Bau des Docks gebremst. Fertiggestellt hat man es nicht mehr.

Bereits ab Herbst 1934 lief auf der A.G. "Weser" die Produktion von Unterseebooten. Nach Beginn des II. Weltkrieges wurde die Werft offiziell zum Rüstungsbetrieb erklärt. Nun hatte der Bau von U-Booten absolute Priorität. Der Gefährdung durch Luftangriffe konnte von vielen Branchen durch Auslagerung in abgelegene Gebiete begegnet werden. Beim Schiffbau war dieses fast gar nicht möglich.
Am 8. November 1942 ordnete Adolf Hitler daher den Bau von U-Boot-Bunkern für deutsche Werften an. Zunächst war geplant, die Boote weiterhin auf den ungeschützten Helgen zusammenzubauen. Lediglich die Endausrüstung sollte in den Bunkern durchgeführt werden. In dieser Konzeption ist für die A.G. "Weser" der U-Boot-Bunker "Weser I" geplant worden.
Hierfür beabsichtigte man, im Industriehafen das Becken von Hafen F mit einem Bunker von rund 160 x 110 m zu überbauen. Die Anlage sollte zunächst über sechs, später vier geschützte Liegeplätze verfügen. Weiterführende Planungen sahen einen zweiten Bauabschnitt vor, in dem Trockenbauplätze mit 8 bzw. 16 Helgen für die geschützte Fertigung eingerichtet werden sollten. Im Jahre 1943 ließ die Kriegsmarine die Planungen für "Weser I" zu Gunsten von "Hornisse" fallen.

Die Kriegsmarine setzte im Verlauf des Krieges schwerpunktmäßig auf den Einsatz von Unterseebooten. Die ganze Hoffnung des Militärs lag im neu entwickelten Typ XXI. Neben der großen Leistungsfähigkeit dieser Boote, waren auch die Herstellungsmethoden hervorstechend. An Stelle der konventionellen Verfahren, bei denen ein Boot von der Kiellegung bis zum Stapellauf auf einem Helling verblieb, wurde eine Sektionsbauweise eingeführt.
Am 6. November 1943 bekam die A.G. "Weser" den Auftrag, zunächst 68 U-Boote Typ XXI aus Sektionen zusammenzusetzen und die Endausrüstung vorzunehmen. Die Order wurde später auf 88 Boote erhöht. Durch die Zerstörungen auf dem Werftgelände, welche die Bombardierungen der Alliierten erbrachten und die Engpässen bei Zulieferungen, konnten jedoch bis zur Einstellung der Produktion im März 1945 nur noch 43 Exemplare des Typ XXI abgeliefert werden.

Im Jahr 1943 wurde ein neues Verfahren für die Fertigung von U-Booten in verbunkerten Werftbetrieben beschlossen. Auf verschiedenen Werften in Bremen, Bremerhaven, Wilhelmshaven, Hamburg und Danzig wurden die acht Sektionen für den Typ XXI hergestellt. Die Endmontage sollte in der U-Boot-Bunkerwerft "Valentin" in Bremen-Farge stattfinden. Die einzelnen Sektionen hätte man auf dem Wasserweg dorthin geliefert.
Für die A.G. "Weser" sollte eine verbunkertes Werk zur Sektionsherstellung entstehen. Dazu zog man das unvollendete Baudock auf dem Gelände "Kap Horn" heran. Im Frühjahr 1944 folgte der Bauauftrag für die Bunkerwerft, die den Tarnnamen "Hornisse" erhielt.
Aus statischen Gründen war es erforderlich, in der Mitte des Docks eine Stützwand zum Tragen der Decke einzubauen, dadurch teilte sich das Becken in die heute erkennbaren zwei Boxen. Ende Oktober 1944 waren die Nord- und die Mittelwand fast fertiggestellt und das Verlegen der Deckenträger begann. Zunächst ist eine Deckenstärke von 4,5 m gebaut worden, erst nach ihrer Vollendung sollte geprüft werden, ob die Docksohle einer Verstärkung der Decke auf 7 m standhalten würde. Bis zum Kriegsende hatte man aber lediglich 75% des Rumpfes und 25% der Decke fertig stellen können.
Da die Anlage ursprünglich als Dock errichtet wurde, lag der Boden der Arbeitsplätze 9 Meter unterhalb des umgebenden Geländes, somit auch unter dem Wasserpegel der Weser. Dadurch hätte ein laufender Betrieb diverse Einrichtungen zur Überwindung des Höhenunterschiedes erfordert, wie Aufzüge und sehr leistungsfähige Kräne. Zum Wasser hin wäre eine massive Abschottung erforderlich gewesen.
Nach den ursprünglichen Planungen sollten im gesamten Komplex auf trockenem Boden Taktplätze für die Herstellung von Sektionen eingerichtet werden. Am Ostrand war ein zweigeschossiger Werkstattbereich gedacht, daran schloß sich eine Taktstraßen zu 24 Montageplätzen an. In der Mitte des Bunkers war eine weitere Taktstraße mit 24 Plätzen und am Westrand eine etwas kleinere zu 18 Plätzen vorgesehen.
Für den Durchlauf war ein Vorbereitungsplatz und daran anschließend sieben Taktplätze hintereinander gereiht. In der nördlichen und südlichen Hälfte der Halle waren je vier Plätze zu finden. Es mußte eine Querverschiebung von Platz 3 nach 4 durchgeführt werden. Jeder der Taktplätze bestand aus drei Montageplätze.
Der Hauptausschuß Schiffbau sah ursprünglich die monatliche Produktion von je 14 Sektionen der Nummern 3, 5 und 6 im Bunker vor. Mit dem Einsatz von rund 3.210 Mann sollten so pro Monat zusammen 42 Sektionen hergestellt werden.

Im Februar 1945 fand eine grundlegende Umplanung statt. Nun sollte "Hornisse" zum Teil zu einer Reparaturwerft für U-Boote ausgebaut werden, da in diesem Bereich ein großer Bedarf an geschützten Arbeitsplätzen bestand. Vom vorhergehenden Planungsstand wäre nur noch der Werkstättenbereich und eine Taktstraße zu 24 Plätzen im östlichen Drittel eingerichtet worden. Der Platz der zweiten Taktstraße sollte von vier trockenen Reparaturplätzen vereinnahmt werden. Den kleineren westlichen Bereich hätte man zum Schleusenbecken ausgebaut. Dieses wäre zur Aufnahme von vier Booten geeignet gewesen. Nach dem Leerpumpen hätte auch diese Schleuse trockene Arbeitsmöglichkeiten geboten.
Die Arbeitsleistungen aller Bauvorhaben an U-Boot-Bunkern in Deutschland sind zunehmend auf das Projekt "Valentin" konzentriert worden, was zu immer größeren Einschränkungen bei den anderen Objekten führte. So sind auch die Arbeiten an "Hornisse" schließlich nur noch mit halber Kraft fortgeführt worden. Am 30. März 1945 flog die US-Air Force einem Bombenangriff auf die Bunkerwerft, die starke Zerstörungen an den Baustelleneinrichtungen erwirkte. Danach kamen die Arbeiten weitgehend zum erliegen. Am Bunker selber sind bei dem Angriff dagegen nur geringere Schäden entstanden.

Zur Errichtung von "Hornisse" wurden zahlreiche Fremd- und Zwangsarbeiter sowie Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge eingesetzt. Gut 1 km hinter der Industriehafen-Schleuse stand schon seit 1933 das "Lager Riespott". 1944 wurde es zum Außenkommando des KZ Neuengamme. Ein Teil der hier Untergebrachten mußte auf der Baustelle "Hornisse" arbeiten, andere waren in der Stahlproduktion der Norddeutsche Hütte eingesetzt.
Ein weiteres Außenkommando von Neuengamme, das Häftlinge für die Bunkerwerft stellte, befand sich im "Lager Schützenhof" in Gröpelingen. Daneben existierten weitere Lager in der Umgebung, in denen Kräfte für das Bauvorhaben einquartiert wurden.
Auch für den laufenden Betrieb auf der A.G. "Weser" hatte man viele dieser Lagerinsassen herangezogen. Eine spätere Produktion in der Bunkerwerft wäre auch nur mit diesen Kräften möglich gewesen, da deutsches Personal überwiegend zum Militär eingezogen war.
Am 27. April 1945 besetzen britische Verbände das Werftgelände und beendeten damit den II. Weltkrieg für Bremen.

 Ab 1945: 
Während die Briten die anderen norddeutschen U-Boot-Bunker in Hamburg, Kiel und auf Helgoland im Rahmen der Demilitarisierung sprengten, unterließen dieses die für Bremen zuständigen US-Amerikaner. Bald nach Ende des Krieges fiel das Gelände der Bunkerwerft wieder an die Stadt Bremen zurück. Das Hafenbauamt hätte "Hornisse" gerne beseitigt, die Kosten dafür waren jedoch zu hoch.
Planungen gingen dahin, das Baudock in ein Hafenbecken umzuwandeln. Komplett wurde das nicht verwirklicht. Immerhin hat man jedoch die Verbindung zur Weser geschaffen und an den umliegenden Kaimauern teilweise Liegeplätze für Schiffe mit Umschlagmöglichkeiten geschaffen. Dabei wurde auf zwei Drittel der Länge die Mittelwand des Bunkers abgerissen. Auch hat man den die Umgebung überragenden Teil der Seitenwände geschleift.
Im Jahre 1968 errichtete die Spedition Lexzau, Scharbau & Co auf dem fertiggestellten Dach an der Ostseite der Bunkerwerft ein größeres Bürogebäude. Die Tragfähigkeit des massiven Bauwerks darunter war dafür groß genug. An der Nordwand des Bunkers wurde eine Auffahrrampe aufgeschüttet. Neben dem Bürogebäude hat die Firma Parkplätze für ihre Beschäftigten auf dem Dach von "Hornisse" angelegt.

 Zustand: 
Die Außenhülle des Bunkers ist nur noch im östlichen Viertel erhalten. Inneneinrichtungen gab es nicht. Das Dock ist heute mit der Weser verbunden. Dadurch steht es, je nach Tide, zu gut der Hälfte seiner lichten Höhe voll Wasser.

 Zugang: 
Die U-Boot-Bunkerwerft ist nicht zugänglich. Es kann aber von Außerhalb ein Blick in das überbaute Dock geworfen werden.

 Hinweis: 
Ein Blick aus der Vogelperspektive auf den Bunker aus dem Angebot von Google-Maps:
U-Boot-Bunkerwerft "Hornisse"

Es gibt eine weitere Web-Seite über den Bunker:
http://www.geocities.com/Pentagon/7087/uk001.htm Englisch

Ein Buch berichtet über den Bau des Bunkers und die damit einhergehende Zwangsarbeit:
Titel: Bunker "Hornisse"
Autoren: Eike Hemmer, Robert Milbradt
Verlag: Donat Verlag, Bremen
ISBN: 3-938275-02-2

Dunkelblau: Das Werftgelände der A.G. "Weser" im II. Weltkrieg.

10 Pixel = 100 Meter


Die U-Boot-Bunkerwerft "Hornisse" im letzten Planungsstand.
Sektionsfertigung: 1 = Beginn der Taktproduktion auf dem Vorbereitungsplatz, 2 = Fertigstellung auf Taktplatz 7, 3 = Werkstattbereich.
Reparaturwerft: 4 = Naß-/Trockenliegeplätze im Schleusendock, 5 = Längsverschiebung, um Boote auf die Trockenliegeplätze zu verbringen, 6 = Querverschiebung für Trockenliegeplätze.
Violett umrandet: die heute noch vorhandenen Wände und Deckenteile.

Größenvergleich Typ XXI: anklicken und verschieben
Das U-Boot kann mit der Maus beliebig verschoben werden.

Einige Fotos sind als Vorschaubilder bereitgestellt - zum Vergrößern bitte anklicken
  Die Seitenwände des Bunkers wurden hier auf die Höhe der Umgebung geschleift
  Im östlichen Teil stehen die Wände in der ursprünglichen Höhe
Ein Blick von der Wasserseite läßt die ursprüngliche Konzeption als Baudock erkennen

Aus Gründen der Statik mußte das Becken für das Auflegen der Deckenteile in der Mitte mit einer Stützwand geteilt werden
Die Mittelwand mit aufgelegten Deckenabschnitten

Die Mittelwand weist einen Zwischenraum auf

Links ist eine breitere Öffnung zu sehen, dort hindurch sollten die Sektionen verschoben werden.
Mehrere Durchlässe in der Mittelwand waren für den Betrieb im Bunker erforderlich

Nur das östlichen Viertel wurde bis 1945 überdeckt
Die Deckenstärke ist zunächst mit 4,5 m ausgeführt worden

Hier kann man erkennen, daß das ursprüngliche Baudock am östlichen Ende sich konisch verjüngte.
Bombentreffer auf den Rand eines Deckenteils, vermutlich vom 30. März 1945.

Der Unterbau ist tragfähig genug, mit einem Gebäude bebaut zu werden.
Das Bürogebäude einer Spedition hat auf dem Dach der U-Boot-Bunkerwerft "Hornisse" einen spektakulären Standplatz bekommen

Quellenangabe:
- Eike Hemmer, Robert Milbradt: Bunker "Hornisse"
- Sönke Neitzel: Die deutschen Ubootbunker und Bunkerwerften
- Peter Kuckuk: Bremer Großwerften im Dritten Reich

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