Die Munitionsfabrik Bremen-Neustadt

 Bis 1945: 
Diese Anlage ist ein gutes Beispiel dafür, daß Munitionsproduktion nicht nur in versteckten und verbunkerten waldreichen Gebieten durchgeführt wurde, sondern ebenso in Industrierevieren großer Städte. Anders als in ländlichen Gegenden war keine Tarnung durch Dachbepflanzungen und Ähnliches nötig bzw. zweckmäßig. Allein die unauffällige Erscheinung einer gewöhnlichen Fabrik innerhalb eines ausgedehnten Gewerbegebietes ließ eine Identifizierung aus der Luft schwer werden. Allerdings zeigte sich im Verlauf des Krieges, daß mit den Flächenbombardierungen ohnehin ganze Gebiete zerstört wurden, ohne Rücksicht auf die Art der dort vorhandenen Betriebe bzw. gar der Wohnflächen.
Die Kriegsmarine begann im September 1939 mit den Planungen für eine Munitionsfabrik im Bremer Stadtteil Neustadt. Der Baubeginn folgte Ende Januar 1940 und Anfang Juli 1941 konnte die Produktion aufgenommen werden. Das Werk bestand aus zwei Fabrikhallen und einem Verwaltungsgebäude. In der Halle 2 war das Presswerk für Geschoßhülsen untergebracht. Welche Sorte Munition gefertigt wurde entzieht sich meiner Kenntnis, kleinkalibrige erscheint aber am wahrscheinlichsten.

 Ab 1945: 
Nach Kriegsende bezog zunächst ein Schrotthändler die Halle 2. Ende der 40er Jahre erwarb der Bremer Automobilkonzern Borgward das gesamte Gelände und richtete hier den Produktions-Standort für die PKW-Marke Lloyd ein. Die drei Gebäude der Munitionsfabrik blieben erhalten, im rückwärtigen Gelände entstanden zahlreiche weitere Gebäude und Einrichtungen. Das Verwaltungsgebäude der Mun-Fabrik ist bei Lloyd zum gleichen Zweck verwandt worden, in Halle 1 wurde zunächst Endmontage, später Teilefertigung durchgeführt und in Halle 2 fand der Karosseriebau und die Lackierung statt.
1961 ging der Borgward-Konzern in Konkurs, die Siemens AG kaufte die Anlage in Bremen-Neustadt und nutzt sie bis heute.

 Zustand: 
Das Verwaltungsgebäude der Munitionsfabrik ist äußerlich in nahezu vollständigem Umfang im Originalaussehen erhalten, die Hallen wurden teilweise verkleidet und umgebaut, ihr Erscheinungsbild ist aber weitgehend gleich geblieben.

 Zugang: 
Das Siemens-Werksgelände darf nicht betreten werden, die Gebäude sind jedoch von außen teilweise einsehbar.

 Hinweis: 
Es existiert ein Buch, daß u.a. die Geschichte des Lloyd-Werkes beschreibt:
Titel: Spurensuche: Autoindustrie Bremen - Autos aus Bremen, Band 5
Autor: Peter Kurze
Verlag: Edition B6
ISBN: 3-9806977-5-4


10 Pixel = 100 Meter

Die zeitgenössischen Bilder stammen mit freundlicher Genehmigung aus dem Bildarchiv Peter Kurze
Das Verwaltungsgebäude im April 1941, auf dem Dach in der Mitte leichte Flak Gleicher Blickwinkel in der Gegenwart
In der Mitte des Verwaltungsgebäudes befand sich die Einfahrt zum Werksgelände Der Ostflügel
Halle 2 mit dem markanten Dachaufsatz während der Bauphase am 5.9.1940, hier war das Presswerk für Geschoßhülsen untergebracht
Der Dachaufsatz mit dem Namenszug des heutigen Besitzers Halle 1, die ursprüngliche Bauform ist erhalten geblieben

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