Relikte des Kalten Krieges:
Grundsätzliches über die Elemente und das Zusammenwirken
im NATO-Luftverteidigungsgürtel ist auf der Themenseite nachzulesen.
Über die Verbände und Stellungen des FlaRak-Systems Hawk sowie die
Entwicklung dieser Waffe berichtet eine weitere
Seite. Die Einsatzmittel einer Batterie sind auf der Seite aktive
Stellung aufgelistet.
Die FlaRak-Stellung Oyten befand sich südöstlich
der Stadt, in Sichtweite der Autobahn A1 Bremen-Hamburg. Ab Betriebsaufnahme,
am 23. Juli 1968, fiel die markante Anlage sicherlich Massen von
Menschen beim Vorbeifahren auf. Hausherr in der Stellung war die
3. Batterie des Flugabwehrraketenbataillons 31. Der übergeordnete
Verband hatte seinen Sitz in der Timke-Kaserne, Westertimke.
Einsatzbefehle für Oyten kamen vom Battalion Operation Center
(BOC) aus Nartum, gut 20 km nordöstlich gelegen. Die 3./31 hatte
seit 1963 Unterkunft in der Lettow-Vorbeck-Kaserne in Bremen-Vahr,
dem heutigen Polizeipräsidium.
Die grundlegende Aufteilung einer Hawk-Stellung ist auf der
Seite über die Stellung Lichtenmoor nachzulesen.
Hier soll auf die Besonderheiten einer Turmstellung eingegangen werden.
Die geographischen und topographischen Gegebenheiten der Stellung Oyten
waren recht ungünstig. Das Gelände war gegenüber der
Umgebung nicht erhöht. Reichten in den meisten anderen Stellungen
unter solchen Umständen noch Erdwälle aus um den Radargeräten
genug Reichweite zu geben, genügten solche Maßnahmen hier
nicht. Nördlich, westlich und südlich beschränkten etliche
Bauwerke den Horizont, im Osten kamen Waldstücke dazu.
Um unter solchen Umständen trotzdem eine vollwertige Einsatzstellung
zu schaffen, ist die Variante der Turmstellungen entwickelt worden.
Für die fünf Radargeräte der Batterie ist je ein 12,5
oder 15 m hoher Turm errichtet worden. Auch für eine Einheit in
einer Turmstellung galt der gleiche knappe Zeitansatz von nur einer
Stunde für die Herstellung der Abmarschbereitschaft, wie für
andere Batterien. Daher wurde eine Konstruktion benötigt, die
ein schnelles Absetzen des Radargerätes ermöglichte.
Die Stahltürme verfügten mittig über eine Plattform
von 4.600 kg Tragkraft, die mittels Seilwinden in die Höhe gezogen
werden konnte. Auf diese Plattform wurde der jeweilige Radar-Anhänger
gefahren und konnte so komplett zügig vertikal bewegt werden.
Oben auf dem Turm befand sich eine Box wie sie auch auf Stellungen
mit Radarwällen gestanden hat. Sie bot den Geräten Schutz
vor Witterungseinflüssen. Eine Treppe an der Außenseite
ermöglichte dem Personal den Aufstieg, was bei Alarmierungen natürlich
sehr schnell zu erfolgen hatte. Für den Materialtransport bei
Wartungsarbeiten gab es einen zusätzlichen kleinen Aufzug mit
300 kg Tragkraft. Ebenfalls an der Außenseite befand sich ein
Kabelschacht für die Datenleitungen und Stromkabel. Bei Gewitter
waren die exponierten Türme als Stahlkonstruktion natürlich
besonders gefährdet. Daher befand sich an jedem Turm als Ableiter
ein Blitzschutzmast.
In der Stellung Oyten wurde der Regelbetrieb
bis zum Ende des Kalten Krieges aufrecht erhalten. Im Juli 1992 wechselte
die 3./31 zum FlaRak-Geschwader 36 und wurde dessen 6. Batterie.
Im folgenden Jahr ist die Stellung Oyten aufgegeben worden, die Einheit
zog vorübergehend in die Stellung Westerbeck. Am 31.12.1995
folgte ihre Deaktivierung, sie wurde zur Geräteeinheit. Die
Batterie ist schließlich am 1. Juli 2001 aufgelöst worden.
Die FlaRak-Stellung wurde zunächst zur Schafzucht verwendet. Es
folgten einige Jahre Leerstand. Erst im Jahre 2005 kaufte ein privater
Investor die Anlage. Ein Teil der Gebäude soll künftig gewerblich
genutzt werden. Im Frühjahr 2005 wurden die Radar-Türme abgerissen
und verschrottet.
Zustand:
Das markanteste Element der Stellung Oyten existiert nicht mehr, die
Radar-Türme wurden abgerissen. Für die künftige
Nutzung dürften viele Spuren der früheren Verwendung
nach und nach verschwinden.
Zugang:
Das Gelände der ehemaligen FlaRak-Stellung
ist nicht zugänglich! Es kann jedoch von außen eingesehen
werden.
Hinweis:
Ein Blick aus der Vogelperspektive auf die Stellung aus dem Angebot
von Google-Maps:
FlaRak-Stellung
Oyten
Über die Flugabwehrraketentruppe der Bundesluftwaffe
ist ein interessantes Buch erschienen:
Titel: Blazing Skies
Autoren: Wilhelm von Spreckelsen, Wolf-Jochen Vesper
Verlag: Isensee Verlag, Oldenburg
ISBN: 3-89995-054-2