Die Hawk-FlaRak-Stellung & BOC Belum

 Relikte des Kalten Krieges: 
Grundsätzliches über die Elemente und das Zusammenwirken im NATO-Luftverteidigungsgürtel ist auf der Themenseite nachzulesen.
Über die Verbände und Stellungen des FlaRak-Systems Hawk sowie die Entwicklung dieser Waffe berichtet eine weitere Seite. Die Einsatzmittel einer Batterie sind auf der Seite aktive Stellung aufgelistet.

Die Hawk-Stellung Belum befand sich knapp 2 km südlich der Ortschaft in den Niederungen nahe der Elbmündung. Nutzer der Stellung war ab ihrer Inbetriebnahme im Februar 1970 die 1. Batterie des Flugabwehrraketenbataillons 37. Die Einheit hatte zu dieser Zeit ihre Unterkunft in der Grimmershörn-Kaserne in Cuxhaven. Sie mußte aber im Februar 1971 nach Bremerhaven-Lehe in die Kaserne Roter Sand verlegen. Im April 1974 konnte schließlich in den endgültigen Standort umgezogen werden, die Hinrich-Wilhelm-Kopf-Kaserne in Cuxhaven-Altenwalde.

Die grundlegende Aufteilung einer Hawk-Stellung ist auf der Seite über die Stellung Lichtenmoor nachzulesen. Hier soll auf die Besonderheiten einer Stellung mit Battalion Operation Center (BOC) eingegangen werden.
Der Einsatz der einzelnen Batterien eines FlaRak-Bataillons mußte koordiniert werden. Durch die gegenseitige Überlappung der Einsatzreichweite der einzelnen Stellungen hätte es dazu kommen können, daß mehr als eine Batterie auf das selbe Ziel gefeuert hätte. Diese Leitungsfunktion innerhalb des Verbandes übernahm das Battalion Operation Center.
Bei den Hawk-Verbänden der Bundeswehr war das BOC stets in eine Einsatzstellung integriert. Üblicherweise handelte es sich dabei um eine aus der 1st Row, also eine Stellung am östlichen Rand des FlaRak-Gürtels. Es gab aber einzelne Ausnahmen, zum Beispiel lag das BOC des FlaRakBtl 35 in Wachendorf, eine Stellung der 2nd Row.
Die Niederländische Luftwaffe verfolgte eine andere Philosophie. Sie brachte deren dort Groeps Operatiën Centrum (GOC) genannten Gefechtsstände stets in den Kasernen der GGW unter. Man war der Ansicht, daß man von dort aus die vier Squadrons besser führen könne.

Das Auge der BOC / GOC war das Flugmelderadar ASR-9 (Airfield Surveillance Radar). Es verfügt über eine Reichweite und über 100 km, ähnlich dem PAR der Batterien. Im Jargon der Truppe trug das Gerät den Spitznamen "Paula". Das Herzstück des Gefechtsstandes war die Kampfführungsanlage Operation Central (OC) AN/TSQ-38, welche sich in einem auf LKW verlasteten Container befand. Dazu kam ein zweites Kampfführungsfahrzeug, der Gefechtsstandwagen. Er sollte die Aufgaben des OC in manueller Arbeitsweise übernehmen, falls dieses ausfiel. Zu diesem Zweck war der Gefechtsstandwagen mit den nötigen Fernmeldegeräten ausgerüstet. Als drittes Fahrzeug ist der Kommandowagen zu nennen. Er überwachte die allgemeine Erd- und Sicherheitslage und steuerte Einsätze dieses Spektrums im Einsatzraum des Bataillons. Schließlich waren für die Arbeit des Gefechtsstandes weitere Fernmeldefahrzeuge, ein LKW der Instandsetzung und mehrere Anhänger mit Stromerzeugungs-Aggregaten erforderlich.

Wie sich an der Aufzählung der Fahrzeuge der BOC / GOC erkennen läßt, waren die Gefechtsstände ebenfalls vollständig mobil ausgelegt. Auch diese Center wären im Verteidigungsfall aus den Einsatzstellungen abgerückt. Darauf war dementsprechend auch die Infrastruktur in der Stellung abgestimmt.
Das BOC in Belum verfügte über ein Gefechtsstandgebäude, an das die Führungs- und Fernmeldefahrzeuge direkt heranfahren konnten. Über Schleusen wurde eine Verbindung zwischen Haus und LKW ermöglicht. An diesen Bau schließt das Bereitschaftsgebäude des BOC an. Hier waren Büros, Schlafräume und Sanitäranlagen untergebracht. Für die SEA-Anhänger hatte man ein Generatorengebäude neben dem BOC errichtet. Hinter dem Gefechtsstand befand sich ein separater Erdwall für das ASR-9-Radargerät.
Der Bereich des BOC war natürlich das sensibelste Objekt in der Stellung. Daher gab es hier besondere Sicherungsmaßnahmen durch mehrere massive Betonwände zum Schutz gegen Splitterwirkungen bei Überraschungsangriffen.

Die Einsatzstellung und das BOC Belum waren bis zum Ende des Kalten Krieges in Betrieb. Mit der nun einsetzenden Entspannung folgte schrittweise bis zum 31. Dezember 1992 die Auflösung des FlaRakG 37. Der Bataillonsstab wurde aufgelöst, so war dementsprechend auch das BOC nicht mehr erforderlich. Die 1./37 wurde dem FlaRakG 39 als 5. Batterie unterstellt. Bis 1993 ist Belum dann noch als Friedensausbildungsstellung (FAST) genutzt worden, aber mit Verlegung der Einheit nach Leck in Schleswig-Holstein folgte dann auch das Ende für diese Liegenschaft.
In den folgenden Jahren gab es verschiedene Nutzungen der Anlage und auch längere Phasen des Leerstandes. In dieser Zeit kam es leider zu heftigem Vandalismus an allen Gebäuden und Einrichtungen. Inzwischen wurde in und bei der ehemaligen Stellung ein kleiner Windpark aufgebaut.

 Zustand: 
Die Gebäude der früheren FlaRak-Stellung waren im Jahre 2004 noch erhalten. Sie befanden sich aber bereits sämtlich in einem äußerst schlechten Zustand. Der weitere Verfall der Anlage ist wahrscheinlich.

 Zugang: 
Die frühere Raketenstellung ist inzwischen nicht mehr zugänglich. Das Gelände ist Privatbesitz und darf nicht betreten werden.

 Hinweis: 
Ein Blick aus der Vogelperspektive auf die Stellung aus dem Angebot von Google-Maps:
FlaRak-Stellung Belum

Über die Flugabwehrraketentruppe der Bundesluftwaffe ist ein interessantes Buch erschienen
Titel: Blazing Skies
Autoren: Wilhelm von Spreckelsen, Wolf-Jochen Vesper
Verlag: Isensee Verlag, Oldenburg
ISBN: 3-89995-054-2


10 Pixel = 100 Meter

Diverse Fotos sind als Vorschaubilder bereitgestellt - zum Vergrößern bitte anklicken
  Hinter dem Wachgebäude befand sich ein Hundezwinger
  Ein Feldhaus im Tarnanstrich, wie alle anderen Einrichtungen der Liegenschaft auch.
Die Wache an der Einfahrt zur Stellung Belum
  Die Abstellplätze der Fahrzeuge des Batterie-Gefechtsstandes
  Weitere Boxen der Batterieführung
Das Bereitschaftsgebäude der 1./FlaRakBtl 37
Auf dem Radarwall. Im Vordergrund der Standplatz des Zielbeleuchtungsradars der Sektion A An mehreren Stellen in der Anlage sind auf der Straße zur Orientierung die Himmelrichtungen aufgemalt Generatorengebäude Typ II A der Abschußgruppe B
Links das Betriebsstofflager, rechts die Garage des Feuerlöschgerätes. Die Abstellhalle für vier Maschinenkanonen 20mm Rh 202 Befestigter Standplatz für eine Zwillingsflak

Der Raketenlagerplatz der Abschußgruppe A
Abschußplattform in der Sektion B

Zugang zum Bedienungsleitstand der Sektion A
Im massiven Bedienungsleitstand konnte die technische Startbereitschaft der Raketen hergestellt werden

Der eigentliche Schutzraum steht frei innerhalb der äußeren Betonhülle

Der Schutzraum, am hinteren Ende ein Notausstieg
Erdüberdeckter Schutzbau bei der Abschußgruppe B

Das Battalion Operation Center (BOC)

Am Gefechtsstandgebäude vier Schleusen für LKW mit Kampfführungsanlage und Fernmeldegeräten

Die Seite des Gefechtsstandes, geschützt durch eine zusätzliche Betonwand.

Blick vom BOC-Radarwall auf die Rückseite des Gefechtsstandes

Das BOC verfügte über ein eigenes Bereitschaftsgebäude
Herzstück der Führung des gesamten Bataillons: das Battalion Operation Center.
Generatorengebäude Typ I für das BOC Splitterschutzwand

Quellenangabe:
- Wilhelm von Spreckelsen, Wolf-Jochen Vesper: Blazing Skies
- E. Pütting

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