Bis 1945:
Der Flugplatz im heutigen Bremerhavener Stadtteil Weddewarden ist in
den Jahren 1925-27 als Verkehrslandeplatz angelegt worden. Bereits zu
Beginn der 30er Jahre mußte der Platz infolge der Weltwirtschaftskrise
seinen Betrieb wieder einstellen. Ab 1935 übernahm die Luftwaffe
das Gelände und errichtete zahlreiche Unterkunfts- und Betriebsgebäude
am Nordwest-Rand des Flugfeldes. Der Flugbetrieb fand auf Grasnarbe
statt, die Hallenvorfelder waren befestigt. Im II. Weltkrieg lagen meist
Seefliegerverbände auf dem Horst. Im Oktober 1942 stellte man hier
die Minensuchgruppe 1 auf, sie war bis Kriegende in Bremerhaven stationiert.
Ausgerüstet ist der Verband mit Junkers Ju 52MS Minensuch-Flugzeugen,
diese Version war erkennbar am charakteristischen großen Minensuchring.
Am Südrand des Fliegerhorstes grenzt der heutige Nordhafen an.
Dieser war in Bremerhaven auch unter der Bezeichnung "Zeppelinhafen"
oder "Flugzeugträgerbecken" bekannt. Er ist 1939 fertiggestellt
worden, die Westpier ist als Liegeplatz für den deutschen Flugzeugträger
A "Graf Zeppelin" und die Ostpier für das Schwesterschiff,
Flugzeugträger B vorgesehen gewesen. Die "Graf Zeppelin"
wurde in Kiel aber nur zu 85% fertiggestellt und erreichte nie Bremerhaven.
Über den Träger "B" wurde bereits kurz nach der
Kiellegung ein Baustop verhängt und er ist einige Zeit später
wieder abgewrackt worden. Die Lage des Hafenbeckens mit direkter Anbindung
an einen Fliegerhorst war für die fliegenden Verbände optimal
gewesen. So wurde in Weddewarden begonnen, verschiedene Träger-Staffeln
aufzustellen, unter anderem mit Messerschmidt Me 109T und Junkers Ju
87C Flugzeugen.
Im April 1945 bekam der Flugplatz eine besondere Bedeutung: hierher
wurden Personal und Material der aufgegebenen Erprobungsstelle Karlshagen
(Peenemünde) ausgelagert. Hier und auf dem Marineschießplatz
Cuxhaven-Altenwalde sollte die Entwicklung der Raketenwaffen weiterbetrieben
werden. In den großen Hangars lagerten u.a. die Flugkörper
Fi 103, X 4, BV 246, die Gleitbombe Hs 293. Sie kamen, teilweise zerstört,
nach dem Waffenstillstand in den Besitz der Alliierten.
Ab 1945:
Die USArmy übernahm am Kriegsende den Fliegerhorst. Zunächst
diente er als Truppendurchgangslager für zu entlassende deutsche
Soldaten und in die USA zurückkehrende US-Truppen. Später
nutzten die Amerikaner die Anlage bis Ende der neunziger Jahre unter
der Bezeichnung "Carl-Schurz-Kaserne" hauptsächlich für
Logistik-Verbände, die über den Nordhafen einen Großteil
ihres Seefrachtverkehrs zur Versorgung der US-Truppen in Deutschland
abwickelten. Bereits vor dem Abzug der letzten Truppenteile begann man
in Bremerhaven das weitläufige Gelände für Gewerbe zu
nutzen, vorrangig für Speditionen mit Seeumschlagsverkehr. Auch
werden große Bereiche, besonders des Flugfeldes, seit Jahren als
Abstellflächen für den in Bremerhaven besonders bedeutenden
PKW-Umschlag verwendet.
Zustand:
Im Unterkunftsbereich sind diverse original erhaltene Gebäude aufzufinden.
Dazwischen liegen modernere Zweckbauten der USArmy. Ebenso sind einige
Hangars und Betriebsgebäude beim Flugfeld vorhanden. Das Flugfeld
selbst wird zukünftig vermehrt als Industriegebiet mit ausgedehnten
Lagerflächen für Container und Fahrzeug-Umschlag genutzt.
Zugang:
Das Fliegerhorst-Gelände kann, mit Ausnahme von Firmengrundstücken,
betreten werden. Das Gebiet um den Nordhafen ist
dagegen nicht zugänglich.