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Rubrik: Luftabwehr Translation: English French Spanish Italian Dutch Danish Polish Russian
Die Hawk-FlaRak-Stellung Ebersdorf
 Relikte des Kalten Krieges: 
Grundsätzliches über die Elemente und das Zusammenwirken im NATO-Luftverteidigungsgürtel ist auf der Themenseite nachzulesen.
Über die Verbände und Stellungen des FlaRak-Systems Hawk sowie die Entwicklung dieser Waffe berichtet eine weitere Seite. Die grundlegende Aufteilung einer Hawk-Stellung ist auf der Seite über die Stellung Lichtenmoor nachzulesen.
Da einige historische Bilder aus der aktiven Zeit beigesteuert wurden, kann auf dieser Seite ein Blick auf eine deutsche Stellung geworfen werden, welche die Anlage in Betrieb zeigen. Vergleiche zur Ausstattung niederländischer Hawk-Stellungen sind über die Seite aktive Stellung möglich.

Die FlaRak-Stellung Ebersdorf lag rund 2 km südlich der namensgebenden Ortschaft. Der nächstgelegene größere Ort ist Bremervörde, gut 6 km südöstlich der Stellung.
Am Ortsrand von Bremervörde stand die Vörde-Kaserne, sie hatte einige Bedeutung für Flugabwehrverbände der Bundesluftwaffe in Norddeutschland. In der Kaserne lag der Stab mit Stabsbatterie des übergeordneten FlaRak-Regimentes 4, welches die nationale Befehlsgewalt über die Hawk-Bataillone 31 in Westertimke, 35 in Delmenhorst und 36 hatte. Das FlaRakBtl 36 war ebenfalls in der Vörde-Kaserne stationiert. Zusätzlich lag in dieser Kaserne die 2. Batterie des FlaRakBtl 37, sie hatte ihre Einsatzstellung in Lamstedt-Nindorf, gut 13 km nördlich.
Vom FlaRakBtl 36 hatten neben Stab und Versorgungskomponente die 1. und 2. Batterie in Bremervörde ihre Heimat. Die 1./36 betrieb die auf dieser Seite vorgestellte Einsatzstellung Ebersdorf. Die Einsatzbefehle für das FlaRakBtl 36 kamen vom Battalion Operation Center (BOC) aus Deinstedt.

Bereits ab Anfang der 1960er Jahre wurden geeignete Standorte zum Aufbau von Einsatzstellungen für das System Hawk erkundet. Im Gebiet westlich von Bremervörde sollte eine Anlage für die 1. Batterie des FlaRakBtl 36 entstehen, sie lag am östlichen Rand des Luftverteidigungs-Sektors 63. Eine für den Radar-Horizont gut geeignete Stelle wäre der 37 m hohe Ackerberg bei Oerel gewesen. Dort ließ sich das Vorhaben jedoch nicht realisieren. Stattdessen wurde der gut 2 km nördlich gelegene Stallberg ausgewählt. Da dieser nur rund 30 m aufwies, und weitere größere Erhöhungen in der Umgebung den Horizont einschränkten, mußten die Radargeräte auf Türme gesetzt werden. Im Jahre 1968 begannen hier die Arbeiten zum Aufbau einer permanenten Stellung.
Die 1./36 betrieb zunächst ab 1965 eine temporäre Einsatzstellung auf dem ehemaligen Fliegerhorst Varel-Friedrichsfeld. 1969 konnte die Stellung Ebersdorf bezogen werden. Als Truppenunterkunft für die Batterie war die Kaserne in Bremervörde gedacht. Diese befand sich jedoch noch im Entstehen. Für rund ein Jahr wurde das Personal der Stellung regelmäßig mit Hubschraubern vom Fliegerhorst Oldenburg in die Stellung Ebersdorf geflogen. Erst im Juli 1970 konnten die ersten Blocks in Bremervörde bezogen werden.

Für die fünf Radargeräte der Batterie sind Türme in Stahlbauweise aufgestellt worden. Vorhanden waren:

  • PAR (Pulse Acquisition Radar) = Impuls-Erfassungsradar zur Luftraumüberwachung mit 110 km Reichweite.
  • CWAR (Continuous Wave Acquisition Radar) = Dauerstrich-Erfassungsradar zur Zielerfassung.
  • ROR (Range Only Radar) = Entfernungsmeßradar.
  • 2x HPIR (High Powered Illuminator Radar) = Zielverfolgungsradar zur Lenkung der Flugkörper ans Ziel.

Vier der Türme besaßen eine Höhe von 15 m. Nur der Turm des HPIR der Section Alpha war kleiner, er maß 12,5 m.
Das Freund-Feind-Kenngerät IFF (Identification Friend or Foe) verfügte über einen ausfahrbaren Antennenmast. Dessen maximale Höhe reichte jedoch für den Einsatz in der Stellung Ebersdorf nicht aus. Abhilfe brachte eine Hebebühne die das gesamte Gerät um die erforderlichen Höhenmeter anhob.
Weitere Besonderheiten in der Stellung Ebersdorf sind zum einen ein Hügelgrab im Zentrum der Anlage. Es ist mit einem Holzzaun geschützt. Zum anderen befindet sich hinter der Wache eine große Sandgrube. Sie ist beim Aufbau der Liegenschaft entstanden, der benötigte Bausand wurde daraus entnommen.

Bis zu Ende des Kalten Krieges änderte sich an Funktion der Anlage und Stationierung der Einheit nichts mehr. Mit dem Wegfall der Bedrohung aus dem Osten entfiel auch die Notwendigkeit für den Dauerbetrieb der Einrichtung. Ab 1992 ist Ebersdorf von der 1./36 als Friedensausbildungsstellung (FAUST) genutzt worden. Während in den 1990er Jahren für viele Hawk-Batterien das Aus kam, hielt sich die 1./36 noch bis ins Jahr 2002. Dann wurde auch diese Batterie, zusammen mit dem Bataillon, aufgelöst. Die Stellung Ebersdorf ist am 28. März 2002 geschlossen worden.
Heute steht die Anlage zum Verkauf und ist bis dahin verpachtet.

 Zustand: 
Die Räumung durch die Bundeswehr ist erst wenige Jahre her, Veränderungen durch den Pächter wurden kaum vorgenommen. So befindet sich die Hawk-Stellung gegenwärtig weitgehend im Originalzustand.

 Zugang: 
Die Stellung Ebersdorf darf nicht betreten werden.

 Hinweis: 
Eine weitere Seite berichtet über die Stellung:
http://www.flarakg36.de/031e0e9908120310c/031e0e9908129781e/index.html

Über die Flugabwehrraketentruppe der Bundesluftwaffe ist ein interessantes Buch erschienen:
Titel: Blazing Skies
Autoren: Wilhelm von Spreckelsen, Wolf-Jochen Vesper
Verlag: Isensee Verlag, Oldenburg
ISBN: 3-89995-054-2

Blick aus der Vogelperspektive mit Google Maps:
Google Maps

Fotos:

Wachgebäude
Das Wachgebäude am Tor

Kampfstand
Ein Kampfstand für die Nahbereichsverteidigung

Bereitschaftsgebäude
Das massive Bereitschaftsgebäude

Sozialgebäude
Das Sozialgebäude

Feldhaus
Ein leichtes Feldhaus in Holzbauweise

Abstellboxen
Abstellboxen für den Batteriegefechtsstand

Abstellplätze
Mit Splitterschutzwänden abgeschirmte Fahrzeug-Abstellplätze

Raketenmontagegebäude
Das Raketenmontagegebäude

Abstellhalle
Abstellhalle für die Loader

Turm
15 m hoher Turm des Entfernungsmeßradar ROR

Windwerk
Am Fuß eines Turms. Rechts im Gehäuse das Windwerk.

ROR-Turm
Das Fundament des ROR-Turmes

Windwerk
Das Windwerk bewegte die Aufzug-Plattform
Aufzug
An der Außenseite des Turmes ein kleiner handbetriebener Aufzug für leichte Lasten
Türme
Die fünf Türme:
HPIR B - CWAR - HPIR A - ROR - PAR.
Zielverfolgungsradar
Detail des Turmes vom Zielverfolgungsradar der Section Alpha HIPR A, 12,5 m hoch.
Plattform
Das Freund-Feind-Kenngerät konnte auf dieser Plattform um einige Meter angehoben werden
Abstellhalle
Abstellhalle für Generatoren der Section Alpha
Raketenlagerplatz
Raketenlagerplatz der Section Bravo
Schutzraum
Ein Schutzraum in der Section Alpha
Bedienungsleitstand
Bedienungsleitstand der Section Bravo
Abschußplattform
Die Abschußplattform Bravo 1. Der Wetterschutz ist nach hinten abgeklappt.
Kabelschächte
Der Verlauf der Kabelschächte zu den Abschußplattformen ist zu erkennen
     
Historische Bilder aus den 1980er Jahren, freundlicherweise zur Verfügung gestellt von D. Greifzu:
Zaun
Der Zaun der Stellung, im Vordergrund Scheinwerfer
Sozialgebäude
Das Sozialgebäude mit Kantine
Radartürme
Die fünf Radartürme der Stellung, plus IFF-Podest. Von links nach rechts:
HIPR A - IFF - CWAR - PAR - HIPR B - ROR.
HIPR B
Links HIPR B, das Radar senkrecht in den Himmel geschwenkt. Rechts ROR mit Wetterschutzhaube.
ROR
ROR - IFF - HPIR A- CWAR
Kabelschacht
Der Kabelschacht führt zum Bedienungsleitstand der Section Bravo
Leitstand
Im Inneren der Leitstandes
Wetterschutzhaube
Feuerstellung Bravo 2, das Startgerät ist mit der Wetterschutzhaube abgedeckt.
Startgerät
Das Startgerät Bravo 2 einsatzbereit
Dreifachstartgerät
Arbeiten am Dreifachstartgerät
Raketenlagerplatz
Raketenlagerplatz der Section Bravo mit Hawk-Flugkörpern auf Transportanhängern
Transportcontainer
In dieser Box lagern Flugkörper in Transportcontainern
Transportcontainer
Blick auf einen Transportcontainer
Transportanhänger
Transportanhänger
Loader
Der Loader diente zum Umladen vom Transportanhänger auf das Dreifachstartgerät
Loader
Loader
Heranfahren
Heranfahren an das Startgerät
Beladen
Beladen des Startgerätes
 
Karte
Maßstab
 
Quellenangabe:
- Wilhelm von Spreckelsen, Wolf-Jochen Vesper: Blazing Skies
- E. Pütting
- D. Greifzu
 
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