Bis 1945:
Zur Deckung des Munitionsbedarfs der Wehrmacht wurden in den 1930er
Jahren diverse Anlagen errichtet. Über das damalige Reichsgebiet
strategisch verteilt errichtete man Munitionsanstalten (Muna).
Wichtiges Kriterium für eine Standortauswahl war ein Wald,
der mit dichtem Baumbestand Sichtschutz bot. Eine geeignete Fläche
fand sich hier nordöstlich der kleinen Ortschaft Hesedorf,
nahe Bremervörde. Betreiber war nicht die Rüstungsindustrie,
sondern die Luftwaffe selbst. In Hesedorf entstand eine Lufthauptmunitionsanstalt.
Der Baubeginn erfolgte im Jahr 1936. Der Grundriß des
Areals ist recht ungewöhnlich. Um die Tarnung des Waldes zu
nutzen, erstreckte sich die Fläche seinem Verlauf entsprechend,
auf einem vergleichsweise schmalen Streifen mit langer Ost-West-Ausdehnung.
Rund 275 ha mißt die Liegenschaft insgesamt.
Die Funktionsbereiche der Muna reihten sich hintereinander auf. Im
Westen war der administrative Bereich. Hier entstanden Verwaltungs-,
Betriebs- und Unterkunftsgebäude. Am Ostrand lag der Produktionsbereich.
Dort wurden die Bauten errichtet, in den die Munition befüllt,
zusammengesetzt und verpackt werden konnte. Zwischen diesen beiden
Teilen dehnte sich großflächig der Lagerbereich mit über
130 Munitionsbunkern aus. Westlich außerhalb der eigentlichen
Muna ist ein Arbeitslager errichtet worden, in dem man zunächst
die zivilen Arbeitskräfte unterbrachte, die den Bau des Werkes
durchführten.
1938 konnte der Betrieb aufgenommen werden. Zunächst
fertigte man Flakmunition und Abwurfmittel. Dafür wurden Kartuschen
und Bomben mit angeliefertem Sprengstoff befüllt. In der zweiten
Kriegshälfte sind vornehmlich Komponenten modernster Waffensysteme
in Hesedorf gefertigt worden. Es handelte sich um Teile für
V-Waffen und weitere Neuentwicklungen. In der Chronik ist verzeichnet,
daß 1982 in den Trümmern eines gesprengten Bunkers Teile
der Lenkbombe Fritz X gefunden wurden. Diese war ein Einsatzmittel
gegen gepanzerte Schiffe.
Für den laufenden Betrieb wurden nach Beginn des II. Weltkrieges
vermehrt ausländische Fremd- und Zwangsarbeiter herangezogen,
später hauptsächlich Frauen aus der Sowjetunion. Für
deren Unterbringung ist das "Arbeitslager Muna" eingerichtet
worden.
Bis zum Kriegsende gab es keine Luftangriffe auf die Liegenschaft.
Somit konnte den Alliierten eine völlig unversehrte Anlage übergeben
werden.
Ab 1945:
Nach dem Krieg wurde die Anlage bis 1955 durch die Britische Armee
als Munitionsdepot genutzt. So kam es zu keiner Unterbrechung der
militärischen Nutzung. Die deutschen Munitionsbestände
sind bis 1947 vernichtet worden, hauptsächlich auf den Sprengplätzen
Elm und Granstedt.
Bei Aufstellung der Bundeswehr Ende 1955 fiel die ehemalige
Muna in das Auge der Planer im Verteidigungsministerium. Es war klar,
daß für den Aufbau der Truppe und die rasche Zuführung
von Material eine entsprechende Logistik erforderlich
war. Die Einfuhr sollte überwiegend aus den USA zulaufen und über
Bremerhaven eingeschifft werden. So war es sinnvoll, im Umfeld dieses
Hafens die ersten Übernahmestellen einzurichten.
Am 1. April 1956 ist die Materialübernahmegruppe Hesedorf aufgestellt
worden. Sie mußte nun die Materialübernahmegruppen I Nord
Hesedorf und II Nord Liebenau sowie
die Munitionsdepots Nord Lübberstedt und
Süd Breitengüssbach (Bayern) aufbauen. Unterstützung
erhielt die Bundeswehr dabei durch 40 US-Soldaten einer German Training
and Advisoring Group. In den Standorten wurde in der Folgezeit das
Material truppenreif gemacht. Bis zum Ende des ersten Jahres waren
1.200 Panzer aus US-Beständen über Hesedorf an die jungen
Verbände verteilt worden.
Grundsätzlich war die vorhandene Infrastruktur für die neue
Verwendung nur teilweise geeignet. Die zahlreichen Munitionsbunker
konnten zwar als Lagerraum für Material dienen, Fahrzeuge paßten
aber natürlich nicht durch die kleinen Tore. So mußten diverse
neue Bauten errichtet werden, um die Werkstätten unterzubringen.
Bereits Ende Dezember 1956 konnten drei neue Instandsetzungshallen
eingeweiht werden. Die Ausbaumaßnahmen dauern bis in die Gegenwart
an.
Der Name der Hesedorfer Dienststelle wechselte. Zunächst genannt
Feldzeugdepot, folgte die Bezeichnung Gerätepark bis schließlich
am 1.4.1959 der Name Gerätedepot Hesedorf (GerDp HES) vergeben
wurde, er blieb über Jahrzehnte bestehen.
Die Aufgabe des Verbandes war nicht nur der Versorgungsdienst. Es wurde
ab Oktober 1957 auch die Grundausbildung von Wehrpflichtigen für
die Feldzeugtruppe durchgeführt. Unter Heranziehung des Barackenlagers
vor dem Depot waren genug Unterbringungskapazitäten vorhanden.
1961 bestand das Personal in Hesedorf aus 600 Soldaten und 600 Zivilbeschäftigten.
Die Ausbildungskompanien wurden im Oktober 1965 abgezogen. Damit reduzierte
sich das militärische Personal am Standort auf nur noch 20 Soldaten.
Vorübergehend belegte die 2. Batterie des Flugabwehrraketenbataillon
36 vom 1.7.1970 bis 15.11. des folgenden Jahres die Unterkünfte
in Hesedorf. Die Hawk-Batterie konnte
dann die gerade fertiggestellte Vörde-Kaserne in Bremervörde
beziehen. Im Barackenlager ist später die Reservelazarettgruppe
7205 (Geräteeinheit) stationiert worden.
Interessante Besonderheiten in militärischen Strukturen
sind die zwei Hesedorfer Übungskommandos. Von 1961 bis 1996
nutzen Panzerbataillone der Bundeswehr den britischen Truppenübungsplatz
Castlemartin in Wales für Gefechtsübungen. Soldaten und
Gerät befanden sich meist von Juni bis November dort. Die Versorgungskompanie
CM hatte ihr Winterquartier bis 1988 in Hesedorf.
Ab 1980 wurde hier jährlich die Kompanie "Salto di Quirra" zusammengestellt.
Aufgabe war das Zusammenfassen von Luftabwehrkräften des Heeres
mit dem Flak-Panzer Gepard, um über Emden auf den italienischen
Truppenübungsplatz Salto di Quirra auf Sardinien zu verlegen.
Weitere hervorstechende Punkte in der Geschichte der Dienststelle sind
die immer wieder durchgeführten Aufarbeitungen von ausgemusterten
Fahrzeugen, die anschließend im Rahmen der Militärhilfe
an befreundete Nationen ausgeführt wurden. Daneben sind auch diverse
humanitäre Projekte bedient worden.
Mit dem Ende des Kalten Krieges folgten auch für Hesedorf
einige Änderungen. Anfang der 1990er Jahre begann die Ausmusterung
und Verschrottung von Militärmaterial im größeren
Umfang. Hunderte Kampfpanzer vom Typ M 48 durchliefen in der Zeit
das Gerätedepot mit dem Ziel der Zerstörung. Auch in der
Gegenwart werden in Hesedorf immer wieder Panzer verschrottet.
Das Barackenlager vor dem Depot diente einige Jahre zur Unterbringung
von Spätaussiedlern und Einwanderern. Mitte der 1990er Jahre wurden
die Bauten abgerissen.
Am 1. Oktober 1993 ergab sich eine Namensänderung, die Dienststelle
hieß nun Gerätehauptdepot. Aber bereits im April 2004 wechselte
die Bezeichnung wieder. Seit dem lautet sie Materialdepot Hesedorf.
Auch die Unterstellungsverhältnisse folgten den Veränderungen
der Bundeswehr. Früher ein Teil des Territorialheeres, gehört
Hesedorf seit 2002 zur Streitkräftebasis.
Zustand:
Für den Betrieb als Gerätedepot sind natürlich im Laufe
der Jahrzehnte diverse neue Bauten entstanden. Trotzdem blieb sehr
viel der alten Infrastruktur der Muna erhalten. So sind fast alle Munitionslagerhäuser
noch vorhanden.
Zugang:
Die gesamte Liegenschaft ist als Militärischer
Sicherheitsbereich nicht zugänglich!