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Rubrik: Munitionsdepots / Versorgungsdepots Translation: English French Spanish Italian Dutch Danish Polish Russian
Das Marinesperrwaffenarsenal Debstedt
 Bis 1945: 
Das Sperrwaffenarsenal Debstedt war eines von dreien, die das gleiche Schicksal teilten. Die beiden anderen Arsenale waren Oxstedt und Schweinebrück. Bei ihnen wurde zwar mit dem Aufbau als eigenständiger Fertigungsbetrieb für Minen begonnen. Zur Vollendung kam es bis zum Ende des II. Weltkrieges jedoch nicht mehr. Aufgrund des reduzierten Bedarfes an Fertigungsanlagen wurde bei ihnen der Aufbau in den Kriegsjahren stark gebremst fortgeführt.

Im Rahmen der allgemeinen Aufrüstung durch das III. Reich hatte die Kriegsmarine diverse neue Fertigungsbetriebe zur Herstellung von Minen geplant. Auch im Umfeld des Stützpunktes Bremerhaven, bzw. seinerzeit Wesermünde, sollte ein Sperrzeugamt entstehen. Nur rund 10 km nordöstlich der Hafenanlagen fand sich ein geeignetes Gelände. Knapp 1 km östlich der Ortschaft Debstedt lag ein Gebiet, welches durch den vorhandenen Baumbestand guten Sichtschutz bot.

Über die Entstehung der Anlage liegen kaum Daten vor. Es läßt sich aber erkennen, daß Debstedt gegenüber Oxstedt und Schweinebrück klar im Hintertreffen war. Wird die heute eingezäunte Fläche betrachtet, entsteht der Eindruck, daß das Gelände vergleichsweise klein war. Man hatte allerdings das Areal größer ausgelegt. Bis vor ein paar Jahren standen als Hinweis darauf die Reste eines einzelnen Munitionsbunkers östlich außerhalb der Umzäunung.
Im Tannenkamp genannten Waldstück hat man diverse erdüberdeckte Munitionslagerhäuser errichtet. In wieweit zur Erschließung der Anlage ein Gleisnetz für eine Schmalspurbahn aufgebaut wurde, ist nicht mehr nachvollziehbar. Dieses war aber in allen vergleichbaren Anlagen vorhanden, somit dürfte auch in Debstedt der Aufbau zumindest geplant gewesen sein.
In der südlichen Ecke, unmittelbar gegenüber dem Tor, entstand der administrative Bereich mit einem kleinen Barackenlager. Die in nur gut 1 km südlich vorbeiführende Eisenbahnstrecke Bremerhaven - Bederkesa stellte die Verbindung für das Heranschaffen der Baumaterialien und später der Kampfmittel sicher.

Im Laufe des II. Weltkrieges wurde klar, daß der Ausbau der Anlage in Debstedt zum Fertigungsbetrieb nicht mehr erforderlich ist. Die vorhandenen Munitionsbunker sollten zur Einlagerung von Minen genutzt werden. Dafür ist die Debstedter Liegenschaft dem Sperrwaffenarsenal Heinschenwalde als Außenlager unterstellt worden. Im Juli 1943 hatte man die Bezeichnung dieser Anlagen von Sperrzeugamt in Sperrwaffenarsenal geändert.
In dieser Funktion konnte das Sperrwaffenarsenal Debstedt am Ende des Krieges den Alliierten übergeben werden.

 Ab 1945: 
Zum Ende des II. Weltkrieges besetzten zunächst Britische Verbände den Großraum Bremerhaven. Doch schon nach wenigen Tagen übergaben diese vereinbarungsgemäß die Städte Bremen und Bremerhaven sowie die Landkreise Wesermünde, Osterholz-Scharmbeck und Wesermarsch an die US Army. Die USA erhielten diese Enklave in der Britischen Zone, um über die Hafenanlagen von Bremen und Bremerhaven den Nachschub für ihre in Süddeutschland stationieren Truppen abwickeln zu können.

Somit lag auch das ehemalige Sperrwaffenarsenal Debstedt in der US-Enklave. Die US-Truppen kümmerten sich zunächst um den Abtransport eingelagerter Kampfmittel. In wie weit die Munitionslagerhäuser auch von der US Army genutzt wurden, ist nicht bekannt. Auf jeden Fall folgte später die Sprengung aller Munitionsbunker.
Auch nachdem die US Army sich aus den umgebenden Landkreisen zurück zog und ihre Präsenz auf die Städte Bremen und Bremerhaven reduzierte, stand die Liegenschaft Debstedt weiterhin für ihre Zwecke zur Verfügung. Die Anlage wurde als Debstedt Storage bezeichnet. Da lediglich leichte Lagerschuppen aufgestellt worden sind, dürfte das Lager hauptsächlich der vorübergehenden Deponierung von Versorgungsgütern gedient haben.

Nach Aufstellung der Bundeswehr lieferten die USA ab 1956 große Mengen an Ausrüstung und auch Munition zum Aufbau der neuen Truppe nach Deutschland. Der Umschlag lief dabei fast ausschließlich über Bremerhaven. Für die Übernahme des Materials stellte die Bundeswehr in Norddeutschland die Materialübernahmegruppen I Nord Hesedorf und II Nord Liebenau auf. Die Munition lief den Munitionsdepots Nord Lübberstedt und Süd Breitengüssbach (Bayern) zu. Wegen der Nähe zu den Hafenanlagen richtete die Dienststelle MunDp Lübberstedt Ende der 1950er Jahre in der Liegenschaft Debstedt ein Außenlager ein.
Die Zeitdauer der Nutzung durch die Bundeswehr ist nicht belegt. Auch ist nicht klar, wie weit die US Army danach Debstedt Storage weiter betrieb. Auf jeden Fall stand die Anlage für viele Jahre leer.

Ende der 1970er Jahre wurde die Autobahn 27 von der Anschlußstelle Debstedt nach Norden bis Cuxhaven weitergebaut. Das Depotgelände ist dabei in der östlichen Ecke durchschnitten worden. Ein militärischer Bedarf an dem Depot in seiner ursprünglichen Größe war zu der Zeit somit wohl schon nicht mehr gegeben.
Bis heute ist das ehemalige Sperrwaffenarsenal Debstedt weiterhin eingezäunt. Die Fläche wird aber lediglich forstwirtschaftlich genutzt.

 Zustand: 
Von den gesprengten Munitionslagerhäusern aus der Zeit des Sperrwaffenarsenals sind auf dem Gelände zahlreiche Reste zu finden. Ein paar neuere Bauten der Nachkriegsnutzung sind bis in die Gegenwart stehen geblieben.
Der einzeln außerhalb der Umzäunung stehende Lagerbunker ist dagegen heute verschwunden. Auch das kleine Barackenlager vor dem Tor existiert nicht mehr.

 Zugang: 
Das frühere Marinesperrwaffenlager Debstedt ist nicht mehr zugänglich.
Blick aus der Vogelperspektive mit Google Maps:
Google Maps

Fotos:

Tor
Das Tor zum Sperrwaffenarsenal Debstedt

Munitionslagerhäuser
Im Arsenal befinden sich diverse Reste von gesprengten Munitionslagerhäusern

Munitionslagerhaus
Ein weiteres Munitionslagerhaus

Munitionsbunker
Ein Blick auf den Munitionsbunker, der bis vor ein paar Jahren östlich außerhalb der Umzäunung stand.

Wache
Hinter dem Haupteingang des Depots steht dieses Gebäude, es diente als Wache.

Verschlag
Hier wurde aus überzähligen Munitionskisten ein Verschlag errichtet

Sanitäranlage
Dieser Bau aus der Nachkriegszeit, eine Sanitäranlage, trägt Beschriftungen der US Army.

Luftschutzbunker
Inzwischen ist das kleine Barackenlager vor dem Arsenaltor abgerissen worden. Nur noch ein kleiner Luftschutzbunker blieb zunächst stehen.

 
Karte
Maßstab
 
Quellenangabe:
- Niedersächsisches Umweltministerium: Gefährdungsabschätzung von Rüstungsaltlasten in Niedersachsen
- Archiv N. Giese
- Archiv J. Schnieders
 
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