Standortmunitionsniederlage 254/1 und Sonderwaffenlager Diensthop

 Relikte des Kalten Krieges: 
Rund 1,5 km nordöstlich der kleinen Ortschaft Diensthop lag ein Munitionslager der Bundeswehr mit besonderer Funktion. Zum einen befindet sich dort eine gewöhnliche Standortmunitionsniederlage für die Garnison Dörverden. Zum anderen waren im hinteren Teil der Anlage Atomwaffen für den Bedarf der 3. Panzerdivision (Buxtehude) der Bundeswehr eingelagert. Zur Thematik der Sonderwaffenlager siehe die separate Seite Atomwaffenlager in Niedersachsen.
Die StOMunNdl 254/1 diente den Verbänden der auf dem Grund der ehemaligen Eibia-Anlage "Weser", Dörverden errichteten Niedersachsen-Kaserne als Vorratslager für Munition und Sprengmittel. Die Garnison ist mit Schwerpunkt Pionierstandort gewesen, ein Korps-Pionierbataillon, ein Divisions-Pionierbataillon und eine Brigade-Panzerpionierkompanie waren stationiert. Somit wurden in Diensthop auch diverse Sprengmittel eingelagert, auch Vorräte für territoriale Truppen zur Sperrung durch Sprengungen.
Das spezialisierte Sonderwaffenlager im hinteren Teil des Areals verfügte über lediglich zwei große Munitionslagerhäuser in denen Nuklearwaffen für den Einsatz in der 3. Panzerdivision bereitgehalten wurden. In dieser Division wurde 1961 das schwere Raketenartilleriesystem Honest John eingeführt, der Verband war das RakArtBtl 32 mit Standort Dörverden. Die Honest John konnte mit nuklearen Sprengköpfen bewaffnet werden. Diese Sprengköpfe blieben unter der Hoheit der USArmy, hier war das 25th USArmy-FieldArtilleryDetachment zuständig. Die Wachmannschaft stellte dagegen die Bundeswehr. Es wurde aber auch Sondermunition für andere Verbände und Systeme der Division eingelagert. So konnten die Artilleriegeschütze der Kaliber 155 mm und 203 mm in den Artilleriebataillonen der Division und nachgeordneten Brigaden ebenfalls Atomgranaten verschießen.
Die ersten 10 Jahre nach Aufstellung des RakArtBtl 32 mußte die Sondermunition im Munitionsdepot WAL, der früheren Muna Walsrode, eingelagert werden. Das 25th USAFAD und als Wacheinheit die 5. Batterie des RakArtBtl 32 waren dort untergebracht und eingesetzt. Erst 1971 wurde das hiesige SW-Lager fertiggestellt und sowohl die Munition als auch die Einheiten konnten nach Diensthop bzw. Dörverden verlegt werden.
In Dörverden wurde dem 25th USArmy-FieldArtilleryDetachment als Unterkunft ein besonders abgetrennter Bereich in der Niedersachsen-Kaserne zur Verfügung gestellt. Dieser Teil ist noch heute schon von weitem an einem typischen rot/weiß-gestrichenen hohen Gittermast-Funkturm zu erkennen.
Die grundlegendste Änderung für die Sondermunition des RakArtBtl 32 folge 1980. Das Waffensystem Honest John wurde ausgemustert, der Verband war ab da nur noch mit leichten Raketenwerfern ausgestattet. Damit gab es im Bataillon keine Trägersysteme für Nuklearmunition mehr. Somit blieb die Aufgabe des SW-Lagers die Bevorratung von Atomgranaten für die Rohrwaffensysteme der Division. Folgerichtig wurde im Rahmen der Artilleriestruktur 85 am 1.10.1987 die Wachbatterie aus dem Verband des Bataillons ausgegliedert und in die selbstständige Begleitbatterie 3 umgewandelt. Sie unterstand nun unmittelbar dem Artillerieregiment 3 in Stade.
Mit dem Ende des Kalten Krieges kam auch das Ende für die Einbindung von Atomwaffen in die Bundeswehr. Alle Sonderwaffenlager wurden aufgelöst, die Munition in die USA zurückverlegt. In den 90er Jahre ist auch das SW-Lager Diensthop aufgelöst worden, bald folgte ebenso die StOMunNdl. Nunmehr befindet sich dieser Komplex schon seit vielen Jahren nicht mehr in militärischer Nutzung. Heute werden einige Munitionslagerhäuser von Landwirten als Lagerraum verwendet.

 Zustand: 
Das gesamte Areal zeigt sich bis heute im weitgehend unveränderten Originalzustand.

 Zugang: 
Das Gelände der Standortmunitionsniederlage und des Sonderwaffenlagers ist nicht zugänglich.


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Einige Fotos sind als Vorschaubilder bereitgestellt - zum Vergrößern bitte anklicken
  Kleines Munitionshaus mit zwei Zugängen
  Ein großes Munitionshaus mit Schiebetoren
Die Haupteinfahrt mit dem Wachgebäude
Sozialgebäude für das Wachpersonal Das Wachgebäude mit Turm 1 ist mit Betonwänden und Panzerglas geschützt, die Räume sind klimatisiert
Die zwei Atomwaffenbunker Die Schiebetore sind mit einem zusätzlichen Vorbau gesichert

Ein einfacher offener Wachturm aus Holz

Der große "Turm 1" besteht aus Beton
Der "Turm 2" ist in Stahlbauweise errichtet

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