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Rubrik: Fabrikationsanlagen Translation: English French Spanish Italian Dutch Danish Polish Russian
Francke-Werke - Munitionsfertigung in Bremen-Neustadt
 Bis 1945: 
Auf der Website Relikte.com werden diverse Betriebe vorgestellt, die in der Herstellung von Munition tätig waren. In der Rubrik „Munitionsproduktion“ wird über Anlagen berichtet, die Pulver in Granaten, Bomben usw. abfüllten. Die Mehrzahl dieser Objekte wurde von der Wehrmacht betrieben. In der Rubrik „Explosivstoffproduktion“ geht es um allesamt zivile Fabriken, die das erforderliche Pulver erzeugten.
Ebenfalls gänzlich in ziviler Hand lief die Fertigung der Granaten- und Bombenkörper, Zünder und Kartuschen. Hierfür waren zahlreiche metallverarbeitende Betriebe eingebunden. Sehr viele davon sind in der Branche bereits vor Beginn des II. Weltkrieges tätig gewesen. Sie stellten dann ihre Fertigung auf Kriegsproduktion um.

Die „Franke-Werke Bremen“ fielen in diese Kategorie. Der erste Betrieb wurde bereits 1875 in Bremen-Neustadt gegründet. 1904 entstand eine weitere Fabrik auf einem Grundstück im Gebiet Seefelde. Dieses erstreckte sich südwestlich der heutigen Carl-Francke-Straße zunächst bis zur Vulkanstraße, heute Richard-Dunkel-Straße.
Das dahinter anschließende Grundstück wurde ebenfalls von den Francke-Werken erworben. Gleich nach Beginn des II. Weltkrieges im September 1939 starteten für dieses Gelände Planungen, die die Errichtung einer Fabrik zur Fertigung von Geschoßhülsen zum Ziel hatten. Sie sollte sich über rund 11 ha ausdehnen.
Der Bau konnte bereits Ende Januar 1940 begonnen werden. Das Werk bestand aus zwei Fabrikhallen mit rund 7.000 m² Grundfläche. Dazu kam an deren Kopfseite ein beide verbindendes Verwaltungsgebäude. In der nördlichen Halle 2 war das Presswerk für Geschoßhülsen untergebracht.
Anders als bei in waldreichen Gegenden liegenden Pulverfabriken und Munitionsanstalten, war eine Tarnung durch Dachbepflanzungen und ähnliches nicht nötig bzw. zweckmäßig. Allein die unauffällige Erscheinung einer gewöhnlichen Fabrik innerhalb eines ausgedehnten Gewerbegebietes ließ eine Identifizierung aus der Luft schwer werden. Allerdings zeigte sich im Verlauf des Krieges, daß mit den Flächenbombardierungen ohnehin ganze Gebiete zerstört wurden, ohne Rücksicht auf die Art der dort vorhandenen Betriebe bzw. gar der Wohnflächen.

Bereits Anfang Juli 1941 konnte die Produktion für den Bedarf der Kriegsmarine aufgenommen werden. Es sollen Hülsen für größere Kaliber gefertigt worden sein. Eine Weiterverarbeitung erfolgte in Marineartilleriearsenalen wie Aurich-Tannenhausen und Wilhelmshaven-Mariensiel.

Bedingt durch die Lage des Werkes am Rande der Großstadt, wurde das Umfeld bei zahlreichen Bombardierungen durch die Alliierten in Mitleidenschaft gezogen. Für den Schutz des Personals stand auf dem Hauptgelände der Francke-Werke ein großer Bunker des Werkluftschutzes zur Verfügung. Er befand sich unmittelbar gegenüberliegend, an der Vulkanstraße.
Direkte Auswirkungen der Angriffe auf die Munitionsfabrik sind nicht übermittelt. Da die Bauten schon bald nach dem Krieg wieder genutzt wurden, können gravierende Schäden ausgeschlossen werden. Dementsprechend wird auch die Fertigung bis zum Kriegsende fortgelaufen sein - soweit Rohmaterial zur Verfügung stand.

 Ab 1945: 
Nach Ende des II. Weltkrieges werden die Alliierten zunächst die Demilitarisierung des Werkes betrieben haben. Bereits nach kurzer Zeit konnte ein Schrotthändler in der Halle 2 ein Lager einrichten.

Ende der 1940er Jahre erwarb der Bremer Automobilkonzern Borgward das gesamte Areal und richtete hier den Produktions-Standort für die PKW-Marke Lloyd ein. Die drei Gebäude der ehemaligen Munitionsfertigung blieben erhalten, im rückwärtigen Gelände entstanden zahlreiche weitere Bauten und Einrichtungen. Das Verwaltungsgebäude ist bei Lloyd zum gleichen Zweck verwandt worden. Für den Konzernchef Carl Borgward stand in dem Bauwerk ein Chef-Zimmer bereit, welches bis in die Gegenwart weitgehend im Urzustand erhalten blieb. Borgward mußte an allen Standorten seines Konzerns regelmäßig Präsenz zeigen. Einen Tag pro Woche verbrachte er im hiesigen Objekt.
In der Halle 1 wurde zunächst die Endmontage der Lloyd-Automobile, später die Fertigung von Fahrzeugteilen durchgeführt. In Halle 2 fand der Bau von Karosserien statt und die Fahrzeug-Lackierung ist hier untergebracht worden.
Der Straßenname vor dem Objekt wurde 1954 in Richard-Dunkel-Straße geändert.

1961 ging der Borgward-Konzern in Konkurs. Die Siemens AG erwarb das Gelände der früheren Munitionsfertigung und nutze die Bauten über viele Jahre. Es wurden unter anderem Kleintransformatoren und Ventilatoren hergestellt.
2014 erwarben Bremer Investoren den Komplex. Die drei historischen Gebäude sollen dauerhaft erhalten bleiben. Zusätzlich entstanden weitere Hallen auf dem Gelände. Für das gesamte Areal konnte eine neue Nutzung durch unterschiedliche Branchen verwirklicht werden.

 Zustand: 
Das Verwaltungsgebäude der Munitionsfabrik ist äußerlich in nahezu vollständigem Umfang im Originalaussehen erhalten. Die Hallen wurden teilweise verkleidet und umgebaut, ihr Erscheinungsbild blieb aber weitgehend in der ursprünglichen Form.

 Zugang: 
Das Gelände der ehemaligen Munitionsfertigung darf nicht betreten werden, die Gebäude sind jedoch von außen teilweise einsehbar.

 Hinweis: 
Der heutige Lloyd-Industriepark ist im Internet zu finden:
http://www.lloyd-industriepark.de

Es existiert ein Buch, daß u.a. die Geschichte des Lloyd-Werkes beschreibt:
Titel: Spurensuche: Autoindustrie Bremen - Autos aus Bremen, Band 5
Autor: Peter Kurze
Verlag: Edition B6
ISBN: 3-9806977-5-4
Blick aus der Vogelperspektive mit Google Maps:
Google Maps

Fotos:

Verwaltungsgebäude
Das Verwaltungsgebäude in der gleichen Perspektive, wie auf dem nachfolgenden Bild.

1941
Die Verwaltung im April 1941, auf dem Dach in der Mitte leichte Flak.

Ostflügel
Der Ostflügel

Verwaltungsgebäude
Frontaler Blick auf das Verwaltungsgebäude

Einfahrt
In der Mitte des Bauwerks befand sich die Einfahrt zum Innenhof des Werkes

Innenhof
Vom Innenhof sieht die Durchfahrt eher nüchtern aus

Halle 1
Auch die Halle 1 läßt erkennen, daß die ursprüngliche Bauform erhalten blieb.

Innen
Ein Blick ins Innere zeigt beeindruckend die Bauweise der Halle

Halle 2
Blick auf die Halle 2. Hier war im Krieg das Presswerk für Geschoßhülsen untergebracht.

1940
Halle 2 mit dem markanten Dachaufsatz, während der Bauphase am 5.9.1940.

Luftschutzbunker
Unmittelbar gegenüber der Munitionsfabrik stand bis in die 1990er Jahre der Luftschutzbunker der Francke-Werke

Karte
Maßstab

Quellenangabe:
- Peter Kurze: Spurensuche- Autoindustrie Bremen - Borgward, Goliath und Lloyd
- http://www.lloyd-industriepark.de
- Bildarchiv Peter Kurze
- Weser-Kurier
 
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