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Rubrik: Munitionsdepots / Versorgungsdepots Translation: English French Spanish Italian Dutch Danish Polish Russian
Die Truppen-Munitionsniederlage Lüneburg
& der Schießstand Lüneburg-Tiergarten
 Bis 1945: 
Die offizielle Bezeichnung der hier vorgestellten Anlage lautete Truppen-Munitionsniederlage Lüneburg. Sie befand sich gut 4 km südlich des Stadtzentrums, im Waldgebiet Tiergarten. Hier am äußersten Südrand von Lüneburg wurde für die Wehrmacht neben dem Munitionslager auch ein Schießstand angelegt.

Die in Garnisonsorten für die Truppe geschaffene Infrastruktur nahm im Laufe der Jahrhunderte größeren Umfang an. Im 19. Jahrhundert waren neben einer Kaserne zur Unterbringung der Einheiten zumindest ein Exerzierplatz und ein Schießstand erforderlich. Die Exerzierplätze sind seinerzeit meist lediglich größere freie Flächen gewesen. Erst im 20. Jahrhundert kamen Standortübungsplätze mit natürlicher Geländegestaltung hinzu, wie sie auch heute noch von der Bundeswehr für die Ausbildung genutzt werden. Man hatte es als wünschenswert bezeichnet, die Einrichtungen möglichst nur wenige Kilometer von den Kasernen entfernt anzusiedeln. Und es sollten alle Objekte beieinander liegen. Das ließ sich allerdings nicht immer umsetzen.

Bereits ab dem 18. Jahrhundert wurden Pulvermagazine eingerichtet, in denen das Militär Patronen und Schießpulver deponieren konnte. Üblich war die Bezeichnung Friedenspulvermagazin, auf historischen topographischen Karten mit der Abkürzung FPM benannt. In diesen Objekten standen oft auch Lagermöglichkeiten für gewerbliche Betriebe zur Verfügung, die ihre vorhandenen explosiven Bestände gegen Bezahlung einlagern konnten.
Anfangs dienten in Holzbauweise errichtete größere Schuppen der Aufbewahrung. Zum Schutz des Umfeldes umgab sie ein hoher Erdwall. Waren mehrere Schuppen vorhanden, stellte man sie mit einigen hundert Metern Abstand zueinander auf. Ein sehenswertes Exemplar steht noch heute in Bremerhaven-Speckenbüttel. Beispiel für eine andere Bauweise ist das ebenfalls erhalten gebliebene FPM in Bremen-Oslebshausen. Hier wurde der Lagerbau in einen Hügel integriert und mit einer mächtigen Erdschicht abgeschirmt. Diese Auslegung zeigte bereits Parallelen zu den wesentlich später konstruierten erdüberdeckten Munitionsbunkern.
Spätestens ab den 1920er Jahren sind neue Munitionsdepots aufgebaut worden, die die Zunahme der gelagerten Mengen und der angestiegenen Explosionskraft berücksichtigten. Wie oben bereits genannt, sollten Munition und Schießstände möglichst beieinander liegen. Das führte an vielen Stellen zu einer gemeinsam umzäunten Liegenschaft, die innen mit einer weiteren Abzäunung auf die zwei Bereiche aufgeteilt wurde.
Im Munitionsdepot hat man zur Einlagerung der Kampfmittel Munitionshäuser (MH) in massiver Bauweise errichtet. In Summe gab es in diesen Depots üblicherweise nicht mehr als 10 MH. Sie erhielten als zusätzlichen Schutz eine Erdüberdeckung, welche zur Tarnung gegen feindliche Luftaufklärung bepflanzt wurde. Es entstanden überwiegend Bunker in standardisierter Bauform. Der Typ „Kleines Munitionshaus“ wies innen eine Lagerfläche von rund 50 m² auf. Beim Typ „Großes Munitionshaus“ waren es rund 200 m². Ergänzend kamen für die Patronen von Handfeuerwaffen freistehende kleine hölzerne Munitionsbehälter hinzu. Abgesehen davon gab es mehrere Munitionslager, in denen Munitionshäuser in gemauerter Bauweise ohne Erdüberdeckung standen.
Die so geschaffenen Munitionsdepots erhielten die offizielle Bezeichnung Truppen-Munitionsniederlage, teils Muni abgekürzt, offiziell TrMunNdlg. Diese sind eng verwandt mit den Heeres-Nebenmunitionsanstalten des „Typs b“. Die meisten HNMa Typ b entstanden durch Umwandlungen von TrMunNdlg. Hauptaufgabe von Truppen-Munitionsniederlagen war die Deponierung von Kampfmitteln für die im Umfeld stationierten aktiven Einheiten des Heeres. In HNMa Typ b erfolgte gleiches, allerdings mit Schwerpunkt auf die Bereithaltung von Munition für die im weiteren Umfeld eingelagerten inaktiven Heeresverbände. Also Einheiten, die erst im Mobilmachungsfall oder zu Reserveübungen zusammentraten.

Für das Erlernen des Umgangs mit Schußwaffen sind entsprechende Schießstände erforderlich. Von diesen ging früher beim Schießbetrieb für die Umgebung stets eine Gefahr aus. Je nach Waffe konnten die Geschosse viele hundert Meter, bis mehrere Kilometer ins Umfeld fliegen. Daher sind sie grundsätzlich meist abseits von Besiedelungen eingerichtet worden.
In der Frühzeit hatte man Schießbahnen angelegt, die teils extreme Längen aufwiesen. 500 m waren nicht selten, in Hannover-Vahrenheide sind auf historischen Karten sogar 600 m zu erkennen. Für eine sinnvolle Nutzung konnte selbstverständlich näher an die Ziele herangegangen werden. Erst ab den 1920er Jahren entstanden kurze Schießbahnen mit meist lediglich 50 m Länge. Umgangssprachlich haben sich für die zwei Bauarten die Bezeichnungen Langwaffenbahnen und Kurzwaffenbahnen eingebürgert. Offiziell sprach man allerdings bei den langen Bahnen von Gewehr-Schießständen und bei den kurzen Bahnen von MG-Schießständen. Tatsächlich werden mit Maschinengewehren die meisten Übungen auf diese kurze Distanz durchgeführt. Auf solche Entfernungen ist auch mit Pistolen und Maschinenpistolen geschossen worden.
Die heutigen Absicherungen, wie Höhenblenden, Zielraumblenden und Geschoßfangkammern an allen Bahnen wurden erst nach dem II. Weltkrieg entwickelt. In der frühen Zeit mußten Erdwälle im Zielraum genügen. Später sind diese durch höhere Abweiserwände in massiver Betonbauweise ergänzt worden. Zwischen den einzelnen Schießbahnen schüttete man zur seitlichen Begrenzung lange Erdwälle auf. Sie bekamen oft, zumindest bei den breiteren Bahnen, als weiteren Schutz an den Seiten gestaffelt aufgestellte Betonwände. Am Ende der Gewehr-Schießbahnen dienten die Erdwälle zum Auffangen der Geschosse. Geschoßfangkammern wurden zumeist nur an den kurzen MG-Schießständen gebaut; anfangs aus Backsteinen in massiver Stärke gemauert, später an Teilflächen mit Beton verstärkt.
Alle massiven Bauteile die beschossen werden konnten, erhielten an ihrer Vorderseite eine Beplankung aus Holz. Diese dient der Verhinderung des Ablenkens von Geschossen, sie sollten im Holz stecken bleiben. Erforderlich ist das, da Fehlschüsse durch Stein oder Beton in alle möglichen Richtungen abprallen können. Dazu waren auch am Boden der gesamten Schießbahn selbst kleine Steine aufzulesen.

In Lüneburg gibt es bereits seit Jahrhunderten Soldaten. Die erste Kaserne im Sinne einer Truppenunterkunft ist ab 1826 gebaut worden. Sie befindet sich nördlich des Stadtzentrums auf der Ostseite des Flusses Ilmenau. Die in weiten Teilen noch erhaltene Anlage wurde allgemein als Lüner Kaserne bezeichnet, zeitweilig hieß sie Dragoner-Kaserne. 1847 richtete man direkt angrenzend einen Exerzierplatz ein. Einige hundert Meter weiter nördlich ist abseits der damaligen Besiedelung ein erstes Pulvermagazin aufgebaut worden. Die erforderlichen Schießstände entstanden an der Dahlenburger Landstraße bei Neu-Hagen. Das Militär nutzte bereits im 19. Jahrhundert eine weitläufige Heidefläche bei Deutsch Evern für Manöver. Das später vergrößerte Gelände wurde im 20. Jahrhundert zum Standortübungsplatz der Garnison Lüneburg, heute mit der Ortsbezeichnung Wendisch Evern benannt.
Die Lüner Kaserne erfuhr über die Jahrzehnte mehrere Erweiterungen. Bis in die 1930er Jahre blieb sie die einzige Truppenunterkunft in der Stadt. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten begann schon bald ein umfangreiches Aufrüstungsprogramm. Dabei sollte die Garnison Lüneburg deutlich anwachsen. 1935 war der Baubeginn für gleich mehrere neue Kasernen. Südlich des Zentrums hat man die Scharnhorst-Kaserne errichtet. Ostwärts kam die Schlieffen-Kaserne hinzu. Daran östlich anschließend entstand der Fliegerhorst Lüneburg.

Für den nun wesentlich größeren Wehrmachtsstandort reichten die bisherigen Schießstände nicht mehr aus. Außerdem wurde ein Munitionslager benötigt, in dem für die hiesigen Verbände Kampfmittel deponiert werden konnten, die auf den Schießständen sowie bei Ausbildungsvorhaben auf Truppenübungsplätzen verbraucht worden sind. Wie oben erwähnt, hatte man es als wünschenswert bezeichnet, Munitionslager und Schießstände zusammenzufassen. Dieses konnte am südlichen Ende des innerhalb der Stadtgrenzen liegenden Waldgebietes Tiergarten realisiert werden. Das Areal befindet sich gut 4 km südlich des Ortszentrums. Bis zur Einfahrt zum Standortübungsplatz Wendisch Evern sind es weniger als 1 km. Die Stadt Lüneburg hatte sich bereits im Vorfeld bereit erklärt, eine benötigte Fläche der Wehrmacht kostenfrei zu übertragen. Allerdings befand sich das nun ausgewählte Gelände im Besitz vom Hospital zum Großen Heiligen Geist. Die Stadt führte zunächst einen Geländetausch durch, so kam die Liegenschaft in städtischen Besitz. Der Vertrag mit der Wehrmacht ist am 12. März 1937 abgeschlossen worden.
Mit einer Gesamtfläche von gut 20 ha war das Objekt recht großzügig bemessen. Dementsprechend weitläufig konnte hier gebaut werden. Die Haupteinfahrt befand sich in der Südwestecke, daneben wurde ein Wohnhaus für den Schießstandswärter errichtet. Von dort mußte man sich über 400 m Richtung Norden bewegen, bis man die die Truppen-Munitionsniederlage und die Schießstände erreichte. Das Munitionslager entstand auf der linken Seite des von Süd nach Nord die Liegenschaft durchquerenden Weges. Die Schießstände wurden auf der rechten Seite angelegt.

Die Truppen-Munitionsniederlage Lüneburg bekam eine eher kleine Kapazität. Es gab lediglich vier Munitionsbunker. Am durch dieses Objekt führenden Weg stand am Südrand der Packmittelschuppen. Richtung Norden folgten als nächstes vier kleine hölzerne Munitionsbehälter, in denen man hauptsächlich Patronen für Handfeuerwaffen aufbewahrte. Danach kamen drei kleine Munitionshäuser zu 50 m² Lagerfläche. Sie verfügten über jeweils einen Eingang und erhielten eine Erdüberdeckung, die zur Tarnung gegen feindliche Luftaufklärung eine Bepflanzung bekam. Als letztes folgte im Norden ein großes Munitionshaus. Dieses verfügte über eine Kapazität von 200 m² und wies zwei Eingänge auf. Auch dieses hatte eine bepflanzte Erdüberdeckung.

Die Fläche mit den Schießständen nahm den größeren Teil der Liegenschaft ein. Schräg gegenüber dem Eingang zur TrMunNdlg ist östlich des Weges der administrative Bereich aufgebaut worden. Hier gab es mehrere Gebäude, die für den Betrieb erforderlich waren. Darunter Aufenthaltsräume für Soldaten, Sanitäranlagen und ein Lager für Schießscheiben und weitere Ziel-Objekte.
Südlich davon befanden sich insgesamt fünf MG-Schießstände, deren Bahnen 50 m Länge aufwiesen. Sie teilten sich auf in nördlich zwei Bahnen und südlich drei Bahnen nebeneinander. In Zielfeld aller Stände hat man Geschoßfangkammern gebaut. Diese sind überwiegend mit Backsteinen gemauert gewesen, an Teilflächen kam Beton hinzu. In den Kammern diente eine Sandaufschüttung dem Auffangen von Projektilen.
100 m weiter östlich lagen die Gewehr-Schießstände. Sie bestanden aus fünf schmalen Bahnen mit nur wenigen Metern Breite und 300 m Länge. Das Zielfeld befand sich im Süden, in direkter Verlängerung folgt nach rund 1 km der StOÜbPl Wendisch Evern. Damit vermied man überwiegend eine Gefährdung von zivil bewohnten Gebieten. Allerdings mit dem Nachteil, daß beim Schießen je nach Tageszeit gegen die Sonne geblickt werden mußte. Als Idealvorstellung in den Bau-Richtlinien war ein Zielfeld im Norden empfohlen, hier ließ sich das aber nicht realisieren. Das Zielfeld endete in einem großen Erdwall, der die Geschosse auffangen sollte. Er ist mit einer höheren Betonwand ergänzt worden. Vor diesem Kugelfang befand sich im Erdboden versenkt die Anzeigerdeckung. Hier saß das Personal, das die Treffer auf den Schießscheiben sichtete.

Nach Beginn des II. Weltkrieges hat man die Schießstände sicherlich weiter intensiv genutzt. Zwar standen die zuvor in Lüneburg stationierten Kräfte nun hauptsächlich an den Fronten und in den besetzten Ländern im Einsatz. Weiterhin wurden aber in der Heimat fortlaufend neue Verbände aufgestellt und ausgebildet. Für diese Zwecke dürfte auch weiterhin Munition im Depot bereitgehalten worden sein. Es ist allerdings überliefert, daß ab 1942 in den Munitionsbunkern eine Einlagerung von Kulturgütern und Dokumenten aus der Stadt Lüneburg erfolgt sein soll.

Am 18. April 1945 kämpften sich Verbände der 15th (Scottish) Infantry Division bis nach Lüneburg vor und beendeten den II. Weltkrieg für die Gegend. Die Lage wurde für die deutschen Truppen in den folgenden Tagen immer aussichtsloser. So trat die Wehrmachtsführung in Verhandlungen mit den Briten. Am Ende stand die Teilkapitulation aller Verbände in Norddeutschland und benachbarten Ländern. Die Unterzeichnung der Urkunde erfolgte am 4. Mai 1945 nur knapp 2 km südöstlich der hiesigen Schießstände. Dort befindet sich auf dem StOÜbPl Wendisch Evern die Anhöhe Timeloberg. Feldmarschall Montgomery hatte auf der Höhe eigens für die Verhandlungen sein Quartier aufgeschlagen.

 Ab 1945: 
Über die Ereignisse auf der Liegenschaft in den ersten Jahren nach dem Krieg liegen nur wenige Angaben vor. Einer der Munitionsbunker soll schon zeitig gesprengt worden sein. Bald kam es zu einer Nutzung, die bei den meisten vergleichbaren Objekten aufzufinden war; alle in Frage kommenden Bauten wurden zu Wohnraum für die Aufnahme von Vertriebenen hergerichtet. Das traf auch auf den Packmittelschuppen zu. Für einige Jahre beherbergte er das Kreisjugendheim. Ein letzter Mieter wohnte bis zum 31. Dezember 1965 in dem Bau. Die Häuser im Schießstandsgelände und das Wohnhaus des Schießstandswärters dienen bis in die Gegenwart zu Wohnzwecken. Den zu Zeiten der Wehrmacht vorhandenen Zaun hatte man inzwischen entfernt, die gesamte Fläche war also frei zugänglich.
Die meisten Erdwälle an den Schießbahnen wurden abgetragen. Lediglich der Kugelfang der Gewehr-Schießstände am südlichen Rand des Geländes blieb erhalten. Die darauf massiv mit Beton gebaute Abweiserwand ist abgerissen worden. Auffällig ist auf dem Übungsplatz Wendisch Evern nahe der heutigen Schießanlage eine Ablagerung mit großen Betontrümmern. Gut möglich, daß diese von der Abweiserwand im Tiergarten stammen.

Nach Beginn des Kalten Krieges hatten die Briten ab Anfang der 1950er Jahre in mehreren Kasernen der Stadt permanente Truppenkontingente stationiert. Von einer Nutzung der Schießbahnen im Tiergarten durch sie ist nichts überliefert, wäre aber möglich. Nach Aufstellung der Bundeswehr übernahm diese bis 1958 alle hiesigen Truppenunterkünfte, ausgenommen die Lüner Kaserne, die Bundesgrenzschutz aufnahm. Nun liefen Planungen, Munitionslager und Schießstände erneut militärisch zu nutzen. Allerdings entschied man sich recht schnell, 3 km östlich neue Anlagen aufzubauen. Dort, am Rand des Standortübungsplatzes Wendisch Evern, entstanden die StOMunNdlg 252/1 und die sehr große StOSchAnl 252/2.

In den 1960er Jahren entbrannte ein Streit zwischen der Stadt Lüneburg und der Immobilienverwaltung des Bundes um die Liegenschaft im Tiergarten. Wie oben geschrieben, hatte die Stadtverwaltung dem Staat das Gelände 1937 kostenfrei übertragen. 1961 ist das Reichsvermögen-Gesetz beschlossen worden. Es sah die Rückgabe solcher Flächen an die früheren Besitzer vor, falls diese entsprechenden Bedarf anmeldeten. Das hatte Lüneburg rechtzeitig getan. Somit mußte das Objekt als sogenanntes Rückfallvermögen am 1. August 1966 wieder an die Stadt übertragen werden, falls nicht der Staat eine weitere Nutzung als unumgänglich betrachtete. Wenige Tage vor Ablauf der Frist meldete die Bundesrepublik nun tatsächlich weiteren Bedarf an. Allerdings folgten nur geringfügige Aktivitäten, die lediglich kleine Flächen beanspruchten.
Ab Juli 1966 führte der Bundesgrenzschutz aus den Unterkünften Lüneburg und Winsen (Luhe) Übungen auf dem Gelände durch. Im gleichen Jahr stationierte die THW-Schule Hoya im Packmittelschuppen ein Kommando mit fünf Beschäftigten. Deren Aufgabe war vordergründig die Lagerung von Schlauchbooten und Brückengerät in der ehemaligen Munitionsniederlage und in den Geschoßfangkammern der nördlichen MG-Stände. Allerdings teilte im Verlauf der Streitigkeiten das THW mit, daß umlaufend Material von Hoya nach Lüneburg zur Wartung verlegt wurde, lediglich um die dortigen Kräfte zu beschäftigen. Eine ungewöhnliche Konstellation ergab sich im gleichen Jahr. Man hat in einem Teil des Packmittelschuppen ziviles Luftschutzmaterial eingelagert, welches die Bundeswehr bewachte. Das Militär sollte perspektivisch weitere Verwendungen der Liegenschaft anstreben. In Summe wirkten alle Aktivitäten so, daß der Staat nur versuchte die Liegenschaft in Besitz zu behalten. Schließlich drohte Lüneburg eine Klage auf Rückübertragung an, die auch nach Ansicht der Vertreter des Staates wohl erfolgversprechend wäre. Erst Anfang 1970 konnte Lüneburg die Fläche wieder als Eigentümer übernehmen.
Vor Ort änderte sich dadurch zunächst nichts. Das Gelände der MG-Stände wurde dem THW kostenfrei zur Verfügung gestellt. Den Rückübertrag des Eigentums hatte Lüneburg mit Blick auf die Zukunft durchgesetzt. Schrittweise reduzierte man auf dem Areal die Infrastruktur. Die verbliebenen Munitionsbunker sind Ende der 1970er Jahre zerstört worden. Mitte der 1980er Jahre entstand am Ostrand der Stadt eine Umgehungsstraße für die Bundesstraßen 4 und 209. Für diese Trasse und die Ausfahrt Deutsch Evern mußte die Fläche grundlegend umgestaltet werden. Dabei verschwanden der Bereich der MG-Schießstände und die nördliche Hälfte der Gewehr-Schießstände endgültig unter den neuen Verkehrsflächen.
So kam es zu dem noch heute aufzufindenden Zustand der ehemaligen Truppen-Munitionsniederlage und des Schießstandes Lüneburg-Tiergarten.

 Zustand: 
Die administrativen Gebäude des Schießstandes und das Wohnhaus des Schießstandswärters sind heute noch aufzufinden. Im Bereich der Munitionsniederlage können Spuren nur mit Mühe festgestellt werden. Die MG-Schießstände verschwanden beim Neubau der Umgehungsstraße und der Ausfahrt Deutsch Evern. Von den Gewehr-Schießständen ist am Südrand der Erdwall des Kugelfangs noch deutlich erkennbar.

 Zugang: 
Das Gelände der früheren Standortschießanlage ist heute Naherholungsgebiet und kann frei begangen werden. Ausgenommen natürlich die Privatgrundstücke.

 Hinweis: 
Eine weitere Seite berichtet über die Liegenschaft im Tiergarten:
https://www.geschichtsspuren.de/artikel/ruestungsproduktion-lagerung-versorgung/99-munitionsniederlage-lueneburg-tiergarten.html

Blick aus der Vogelperspektive mit Google Maps:
Google Maps

Fotos:
Truppen-Munitionsniederlage:

Haupteinfahrt
In der Südwestecke der Liegenschaft war die Haupteinfahrt.

Schießstandswärter
Dahinter rechts steht noch heute das ehemalige Wohnhaus des Schießstandswärters.

Weg
Seinerzeit führte dieser Weg von Süd nach Nord durch das gesamte Objekt. Heute ist er durch die Umgehungsstraße aufgeteilt.

TrMunNdlg
Blick auf den früheren Eingang zur Truppen-Munitionsniederlage. Links des Weges stand der Packmittelschuppen.

Packmittelschuppen
Hier seine Standfläche.

Packmittelschuppen
Einzelne Reste am Ort des Schuppens.

Packmittelschuppen
Rohre für Abwasser.

Packmittelschuppen
Im Untergrund weitere Spuren des Bauwerks.

Munitionsbehälter
Auf diesen Sockeln standen die kleinen hölzernen Munitionsbehälter.

Munitionsbehälter
In ihnen wurden hauptsächlich Patronen für Handfeuerwaffen aufbewahrt.

Munitionsbunker
Rechts des Hohlweges ist die leichte Erhöhung eines Munitionsbunkers zu erkennen.

Portal
Das Portal des Einganges zum kleinen Munitionshaus schaut noch heraus.

Portal
Blick von der inneren Seite.

Belüftungsschacht
Am hinteren Rand der Rest des Belüftungsschachtes.

Munitionshaus
Am Ort des großen Munitionshauses findet man diesen Erdhügel.

Munitionshaus
Nur geringe Betontrümmer sind noch erhalten.

Schießstände:

Eingang
Der Eingang zum Gelände der Schießstände.

Sanitäranlage
Der Größe nach könnte dieser Bau Sanitäranlagen beinhaltet haben.

Aufenthaltsräume
Im größten Haus dürften die Aufenthaltsräume für die übende Truppe gewesen sein.

Aufenthaltsräume
Blick von der anderen Seite.

Scheibenlager
Ein Scheibenlager war für den Betrieb erforderlich, dafür käme dieses Gebäude in Frage.

Schießbahn
Blick vom südlichen Ende der Gewehr-Schießstände entlang einer ehemaligen Schießbahn.

Kugelfang
Links ist die Erhöhung des Kugelfangs weiterhin gut zu erkennen.

Kugelfang
Blick von den Bahnen auf den Erdwall des Kugelfangs.

Trümmer
Nahe der heutigen Standort-Schießanlage findet man diese Trümmer. Möglicherweise stammen sie vom Schießstand im Tiergarten.

Umfeld:

Timeloberg
Von der Kapitulation auf dem Timeloberg zeugt dieser Gedenkstein am Nordrand des StOÜbPl Wendisch Evern.

Blau markiert in der Mitte das Gelände von Truppen-Munitionsniederlage und Schießstand.
Unten rechts die Grenze des Standortübungsplatzes Wendisch Evern.
Links der in Nord-Süd-Richtung verlaufenden Eisenbahnstrecke war Fläche der „Lüneburg Extension“ des britischen Übungsgebietes Soltau-Lüneburg Training Area.

Karte
Maßstab

Quellenangabe:
- Niedersächsisches Landesarchiv: NLA HA, Nds. 120 Lüneburg, Acc. 15/86 Nr. 341
- Bundesgrenzschutz Lüneburg: Geschichte der Lüner Kaserne
- Geschichtsspuren.de: Munitionsniederlage Lüneburg-Tiergarten
- BAOR-Locations: Lüneburg-Garrison
 
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