Bis 1945:
Die offizielle Bezeichnung der hier vorgestellten Anlage lautete Truppen-Munitionsniederlage Oldenburg. Sie befand sich 7 km südlich des Stadtzentrums, außerhalb der Stadtgrenze. Das Gelände lag in der Gemeinde Wardenburg, zwischen den Orten Wardenburg und Tungeln. Hier wurde für die Wehrmacht neben dem Munitionsdepot auch ein Schießstand angelegt. Gebräuchlich waren die Bezeichnungen Munitionslager Wardenburg und Munitionslager Tungeln, sowie Schießstand Tungeln.
Die in Garnisonsorten für die Truppe geschaffene Infrastruktur nahm im Laufe der Jahrhunderte größeren Umfang an. Im 19. Jahrhundert waren neben einer Kaserne zur Unterbringung der Einheiten zumindest ein Exerzierplatz und ein Schießstand erforderlich. Die Exerzierplätze sind seinerzeit meist lediglich größere freie Flächen gewesen. Erst im 20. Jahrhundert kamen Standortübungsplätze mit natürlicher Geländegestaltung hinzu, wie sie auch heute noch von der Bundeswehr für die Ausbildung genutzt werden. Man hatte es als wünschenswert bezeichnet, die Einrichtungen möglichst nur wenige Kilometer von den Kasernen entfernt anzusiedeln. Und es sollten alle Objekte beieinander liegen. Das ließ sich allerdings nicht immer umsetzen.
Bereits ab dem 18. Jahrhundert wurden Pulvermagazine eingerichtet, in denen das Militär Patronen und Schießpulver deponieren konnte. Üblich war die Bezeichnung Friedenspulvermagazin, auf historischen topographischen Karten mit der Abkürzung FPM benannt. In diesen Objekten standen oft auch Lagermöglichkeiten für gewerbliche Betriebe zur Verfügung, die ihre vorhandenen explosiven Bestände gegen Bezahlung einlagern konnten.
Anfangs dienten in Holzbauweise errichtete größere Schuppen der Aufbewahrung. Zum Schutz des Umfeldes umgab sie ein hoher Erdwall. Waren mehrere Schuppen vorhanden, stellte man sie mit einigen hundert Metern Abstand zueinander auf. Ein sehenswertes Exemplar steht noch heute in Bremerhaven-Speckenbüttel. Beispiel für eine andere Bauweise ist das ebenfalls erhalten gebliebene FPM in Bremen-Oslebshausen. Hier wurde der Lagerbau in einen Hügel integriert und mit einer mächtigen Erdschicht abgeschirmt. Diese Auslegung zeigte bereits Parallelen zu den wesentlich später konstruierten erdüberdeckten Munitionsbunkern.
Spätestens ab den 1920er Jahren sind neue Munitionsdepots aufgebaut worden, die die Zunahme der gelagerten Mengen und der angestiegenen Explosionskraft berücksichtigten. Wie oben bereits genannt, sollten Munition und Schießstände möglichst beieinander liegen. Das führte an vielen Stellen zu einer gemeinsam umzäunten Liegenschaft, die innen mit einer weiteren Abzäunung auf die zwei Bereiche aufgeteilt wurde.
Im Munitionsdepot hat man zur Einlagerung der Kampfmittel Munitionshäuser (MH) in massiver Bauweise errichtet. In Summe gab es in diesen Depots üblicherweise nicht mehr als 10 MH. Sie erhielten als zusätzlichen Schutz eine Erdüberdeckung, welche zur Tarnung gegen feindliche Luftaufklärung bepflanzt wurde. Es entstanden überwiegend Bunker in standardisierter Bauform. Der Typ „Kleines Munitionshaus“ wies innen eine Lagerfläche von rund 50 m² auf. Beim Typ „Großes Munitionshaus“ waren es rund 200 m². Ergänzend kamen für die Patronen von Handfeuerwaffen freistehende kleine hölzerne Munitionsbehälter hinzu. Abgesehen davon gab es mehrere Munitionslager, in denen Munitionshäuser in gemauerter Bauweise ohne Erdüberdeckung standen.
Die so geschaffenen Munitionsdepots erhielten die offizielle Bezeichnung Truppen-Munitionsniederlage, teils Muni abgekürzt, offiziell TrMunNdlg. Diese sind eng verwandt mit den Heeres-Nebenmunitionsanstalten des „Typs b“. Die meisten HNMa Typ b entstanden durch Umwandlungen von TrMunNdlg. Hauptaufgabe von Truppen-Munitionsniederlagen war die Deponierung von Kampfmitteln für die im Umfeld stationierten aktiven Einheiten des Heeres. In HNMa Typ b erfolgte gleiches, allerdings mit Schwerpunkt auf die Bereithaltung von Munition für die im weiteren Umfeld eingelagerten inaktiven Heeresverbände. Also Einheiten, die erst im Mobilmachungsfall oder zu Reserveübungen zusammentraten.
Für das Erlernen des Umgangs mit Schußwaffen sind entsprechende Schießstände erforderlich. Von diesen ging früher beim Schießbetrieb für die Umgebung stets eine Gefahr aus. Je nach Waffe konnten die Geschosse viele hundert Meter, bis mehrere Kilometer ins Umfeld fliegen. Daher sind sie grundsätzlich meist abseits von Besiedelungen eingerichtet worden.
In der Frühzeit hatte man Schießbahnen angelegt, die teils extreme Längen aufwiesen. 500 m waren nicht selten, in Hannover-Vahrenheide sind auf historischen Karten sogar 600 m zu erkennen. Für eine sinnvolle Nutzung konnte selbstverständlich näher an die Ziele herangegangen werden. Erst ab den 1920er Jahren entstanden kurze Schießbahnen mit meist lediglich 50 m Länge. Umgangssprachlich haben sich für die zwei Bauarten die Bezeichnungen Langwaffenbahnen und Kurzwaffenbahnen eingebürgert. Offiziell sprach man allerdings bei den langen Bahnen von Gewehr-Schießständen und bei den kurzen Bahnen von MG-Schießständen. Tatsächlich wird mit Maschinengewehren die Mehrzahl der Übungen auf diese kurze Distanz durchgeführt. Auf solche Entfernungen ist auch mit Pistolen und Maschinenpistolen geschossen worden.
Die heutigen Absicherungen, wie Höhenblenden, Zielraumblenden und Geschoßfangkammern an allen Bahnen wurden erst nach dem II. Weltkrieg entwickelt. In der frühen Zeit mußten Erdwälle im Zielraum genügen. Später sind diese durch höhere Abweiserwände in massiver Betonbauweise ergänzt worden. Zwischen den einzelnen Schießbahnen schüttete man zur seitlichen Begrenzung lange Erdwälle auf. Sie bekamen oft, zumindest bei den breiteren Bahnen, als weiteren Schutz an den Seiten gestaffelt aufgestellte Betonwände. Am Ende der Gewehr-Schießbahnen dienten die Erdwälle zum Auffangen der Geschosse. Geschoßfangkammern wurden zumeist nur an den kurzen MG-Schießständen gebaut; anfangs aus Backsteinen in massiver Stärke gemauert, später an Teilflächen mit Beton verstärkt.
Alle massiven Bauteile die beschossen werden konnten, erhielten an ihrer Vorderseite eine Beplankung aus Holz. Diese dient der Verhinderung des Ablenkens von Geschossen, sie sollten im Holz stecken bleiben. Erforderlich ist das, da Fehlschüsse durch Stein oder Beton in alle möglichen Richtungen abprallen können. Dazu waren auch am Boden der gesamten Schießbahn selbst kleine Steine aufzulesen.
Die Stadt Oldenburg hatte in den vergangenen Jahrhunderten stets Bedeutung, sie war früher Zentrum des Großherzogtums Oldenburg. Wie in der Zeit üblich, ist als Folge der Ort schon frühzeitig eine größere
Garnisonstadt geworden.
Im 19. Jahrhundert entstanden mehrere Kasernen im Stadtgebiet, bzw. vor dessen Toren. Am zentral gelegenen Oldenburger Pferdemarkt hat man 1819/20 die erste „Infanterie-Kaserne“ errichtet. Später, 1836 und 1895, kamen in direkter Nachbarschaft zwei weitere Kasernen hinzu. 1845-47 entstand an der Ofener Straße die „Artillerie-Kaserne“. 1856-58 folgte in Osternburg die „Reiter-Kaserne“. Und schließlich wurde ebenfalls noch im 19. Jahrhundert in Donnerschwee eine sechste Kaserne gebaut.
Für die zahlreichen in Oldenburg stationierten Einheiten mußten entsprechende Anlagen zur Ausbildung der Truppe geschaffen werden. Man hat über die Jahre mehrere Exerzierplätze angelegt. Zwei kleinere Objekte waren der Platz neben der Kaserne Donnerschwee, sowie der Kavallerie-Exerzierplatz bei Kreyenbrück. Auf dem Bürgerfeld entstand der Artillerie-Exerzierplatz. Schließlich kamen größere Flächen hinzu: Einer südlich von Bümmerstede und ein ausgedehnter Kavallerie-Exerzierplatz westlich von Westerholt. Das größte Objekt wurde der „Garnison-Exerzierplatz Alexanderheide“, die Fläche ist später zum Fliegerhorst Oldenburg ausgebaut worden. So befanden sich entsprechende Plätze schließlich fast rund um die Stadt.
Für die Ausbildung mit Schußwaffen erfolgte die Einrichtung von zwei Schießständen. Am Bürgerfeld hat man eine große Anlage gebaut, die teils mehrere hundert Meter lange Bahnen aufwies. Unmittelbar südlich an dieses Objekt anschließend wurde das Pulvermagazin der Garnison eingerichtet. Daraus entstand kurz vor dem I. Weltkrieg die Munitionsanstalt Oldenburg. Ein weiterer kleiner Schießstand kam neben der Kaserne Donnerschwee hinzu.
Nach dem verlorenen Krieg verfügten die Siegermächte eine grundlegende Reduzierung des deutschen Militärs. Dementsprechend kam es allerorts zur Deaktivierung militärischer Einrichtungen, so auch in Oldenburg. Einige Objekte wurden dauerhaft in eine zivile Nachnutzung überführt.
Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 folgte schon bald wieder eine enorme Aufrüstung, die auch für die Garnison Oldenburg erhebliche Zuwächse ergab. Unter anderem ist im Süden der Stadt in Kreyenbrück die große Hindenburg-Kaserne neu aufgebaut worden. Für die deutlich angestiegene Anzahl von Soldaten in der Stadt kam der Bedarf für eine neue Schießstandsanlage auf. Ebenso sollte ein Munitionslager neu eingerichtet werden.
Wie oben erläutert, war man bestrebt Schießstand und Munitionslager zusammenzufassen. Eine dafür passende Fläche konnte zwischen den Übungsplätzen Westerholt und Bümmerstede gefunden werden. Sie sollte sich über rund 15 ha Gesamtfläche ausdehnen. Die Liegenschaft befand sich gut 3,5 km südlich der damaligen Hindenburg-Kaserne und war von dort über die Landesstraße auf direktem Weg zu erreichen. Der Standortübungsplatz Bümmerstede lag nur gut 2 km östlich.
Der Ankauf aller benötigten Grundstücke wurde 1935 abgeschlossen. Noch im gleichen Jahr begann der Aufbau der Anlage. In der südwestlichen Ecke der Liegenschaft hat man die für Schießstände und Truppen-Munitionsniederlage gemeinsame Einfahrt eingerichtet. Daneben entstand das Wohnhaus für den Schießstandswärter und seine Familie.
Die TrMunNdlg dehnte sich am östlichen Rand des Geländes vom Süd- bis zum Nordrand aus. Am südlichen Ende stand der Packmittelschuppen in Standard-Bauweise mit 1.000 m² Grundfläche. Richtung Norden folgt als nächstes der Bereich mit den kleinen Munitionshäusern zu je 50 m² Lagerfläche. Von diesen MH Typ 35 wurden drei Exemplare aufgestellt. Sie verfügten über je einen Eingang, wobei eines ein Portal mit zwei Toren aufweist, also eine Variante der Norm. Alle erhielten eine Erdüberdeckung, die zur Tarnung gegen feindliche Luftaufklärung eine Bepflanzung bekam.
Im Norden entstand der Bereich mit den vier großen Munitionshäusern. Sie trugen ebenfalls die Typbezeichnung 35, was für die Jahreszahl der Bau-Norm steht. Diese Bunker verfügten über zwei Eingänge und eine Nutzfläche von 200 m². Auch sie wurden mit einer mächtigen Erdschicht überdeckt. Zwischen den beiden Lagerbereichen hat man einen Löschwasserteich geschaffen. Weitere große Wassermengen standen im östlich benachbarten Tillysee zur Verfügung.
Die Lagerkapazität ergänzten zwölf kleine Munitionsbehälter in Holzbauweise. Sie standen frei auf dem Boden, ohne Erdwälle oder Erdüberdeckungen. In ihnen hat man hauptsächlich Patronen für Handfeuerwaffen aufbewahrt.
Die Führung der TrMunNdlg Oldenburg unterlag dem in Hamburg beheimateten Feldzeugkommando X. Aufgrund ständig steigender Anforderungen durch immer mehr zu versorgende Verbände sah sich das Kommando Anfang 1939 veranlaßt, die Aufstellung zusätzlicher Heeres-Nebenzeugämter zu beantragen. Bis dato vorhanden waren die HNZa Altona, Bremen und Rendsburg. Vorgeschlagen wurden neue HNZa in Harburg, Lübeck und Oldenburg. Für diese sollten auch gleich zugehörige Nebenmunitionsanstalten eingerichtet werden. Dementsprechend schlug man die Umwandlung der TrMunNdlg Oldenburg in eine HNMa vor. Alle vorgenannten Planungen fanden jedoch keine Zustimmungen, an den Vorkriegs-Strukturen änderte sich nichts mehr.
Den größten Teil der Grundfläche der hiesigen Liegenschaft beanspruchte das Schießstandsgelände. Im Süden wurden mehrere Bauten errichtet, die für den Betrieb erforderlich waren. Darunter ein Aufenthaltsgebäude mit Sanitäranlagen und ein Scheibenlager zur Aufbewahrung von Schießscheiben und weiteren Ziel-Objekten.
Richtung Norden erstreckten sich die Bahnen der Gewehr-Schießstände. Die längste Bahn lag rechts, sie hatte mit einer Breite von 25 m auch die größte Ausdehnung. Hier konnte auf maximal 400 m geschossen werden. Soweit bislang feststellbar, dürfte es sich dabei um einen Gefechts-Schießstand handeln. Die Kategorie ist erst in den späteren Kriegsjahren geschaffen und nur an wenigen Standorten gebaut worden. Links daneben gab es fünf schmalere Bahnen mit nur wenigen Metern Breite. Diese wiesen 300 m Länge auf. Alle Bahnen waren seitlich mit langen Erdwällen von den benachbarten abgegrenzt. Am nördlichen Ende der Schießstände befand sich ein großer Erdwall als Kugelfang, der mit einer 90 m langen und 5 m hohen Abweiserwand in Betonbauweise ergänzt wurde. Im Zielgebiet davor befand sich die im Boden versenkte Anzeigerdeckung. Hier saß das Personal, das die Treffer auf den Schießscheiben sichtete.
Westlich neben den Gewehr-Ständen gab es sechs MG-Schießstände. Sie standen aufgeteilt in drei Paare hintereinander. Hier hatten die Bahnen nur 50 m Länge. Auffällig ist, daß ein Lageplan von 1949 eine Geschoßfangkammer nur am nördlichen Schießstands-Paar zeigt. Gleichzeitig sieht man heute nur an diesem eine Bauweise, in der hauptsächlich mit Backsteinen gearbeitet wurde. Beton ist nur an Teilflächen zu finden. Am südlich folgenden Schießstands-Paar ist die Geschoßfangkammer komplett aus Beton errichtet. Das deutet daraufhin, daß letztere erst nach dem II. Weltkrieg entstand. Es bedeutet aber auch, daß die zwei südlichen Paare seinerzeit nicht über Geschoßfangkammern verfügten, was zumindest ungewöhnlich ist.
Es ist überliefert, daß am 1. Februar 1945 ein deutscher Soldat unter dem Vorwurf des Desertierens auf dem Gelände exekutiert worden ist. Vermutlich wird die Hinrichtung auf einem der MG-Schießstände erfolgt sein.
Am 1. Mai 1945 kämpften sich mit dem 29 Armoured Reconnaissance Regiment kanadische Truppen bis Wardenburg vor, und marschierten weiter über Tungeln Richtung Oldenburg. Dabei passierten sie auch den Bereich der Schießstände. So endete der II. Weltkrieg für die Umgebung.
Ab 1945:
Die Gegend wurde nach dem Krieg Teil der Britischen Besatzungszone. Aufgrund einer Vereinbarung mit der British Army blieben Verbände der Kanadier zunächst als Besatzungstruppe vor Ort. Sie bezogen von der Wehrmacht geräumte Kasernen in Oldenburg und weiteren Orten zwischen Emden und Wilhelmshaven. Im Juli 1945 nahm die kanadische Okkupationsarmee ihren Dienst auf. Dieses Engagement war von Anbeginn nur befristet geplant. Bereits im folgenden Jahr verlegten die Kanadier zurück in ihre Heimat.
Nun übernahmen die Briten selbst die Liegenschaften im Raum Oldenburg, und damit auch die Liegenschaft Tungeln. Einzelne Bauten auf dem Schießstandsgelände konnten von Zivilisten angemietet werden. Häuser dienten als Wohnraum. Eines der kleinen Munitionshäuser mietete ein in Oldenburg ansässiger Sprengmeister, der darin seine Sprengmittel deponierte.
Ab 1947 beschlagnahmte die British Army den größten Teil der Liegenschaft, um sie wieder militärisch zu nutzen. Von den Schießbahnen übernahmen sie nur die langen Gewehr-Schießstände. Für die kurzen MG-Stände hatten sie wohl keine Verwendung. Die Munitionshäuser in der vormaligen TrMunNdlg wurden komplett beansprucht. Der deutsche Sprengmeister konnte seinen Bunker weiterhin nutzen. Schließlich lag seine Tätigkeit im Interesse der Briten, wenn es um die Sprengung von deutschen Befestigungen ging.
Ende der 1940er Jahre verschärften sich die Gegensätze zwischen den westlichen Alliierten und der Sowjetunion, der Kalte Krieg begann. Als Folge sahen sich Großbritanien veranlaßt, die Präsenz des Militärs in ihrer Zone wieder auszubauen. 1951 hat man zwei Flugabwehr-Regimenter nach Oldenburg verlegt. Sie bezogen die Donnerschwee-Kaserne, die dabei den Namen Crerar Barracks bekam. Im gleichen Jahr trafen auf dem Fliegerhorst Jagdstaffeln der Royal Airforce ein.
Somit bestand für die nun britische Garnison Oldenburg weiterhin der Bedarf, auch das Gelände bei Tungeln militärisch zu nutzen. Zwei alte Lagepläne zeigen das Vorhaben, die Munitionslagerung auf den nördlichen Bereich mit den vier großen Munitionshäuser einzuschränken. Ob es dazu kam, ist nicht sicher.
Kurz nach Aufstellung der Bundeswehr zogen 1956 die ersten Soldaten der jungen Truppe in Oldenburg ein. Sie übernahmen schrittweise Kasernen von der British Army, diese übergaben abschließend im Februar 1958 einen symbolischen großen Schlüssel an ihre Nachfolger.
In wenigen Jahren wuchs die Stadt zu einer sehr bedeutenden Bundeswehr-Garnison heran. Der Stab des Großverbandes 11. Panzergrenadierdivision bezog die Clausewitz-Kaserne in Ohmstede. Für einen größeren Teil der Panzergrenadierbrigade 31 errichtete man eine neue Truppenunterkunft auf dem früheren Exerzierplatz Bümmerstede, die Henning-von-Tresckow-Kaserne.
Damit kam nun wieder der Bedarf an entsprechenden Ausbildungseinrichtungen auf. Als Standortübungsplatz ist die bisherige Fläche südlich der Kaserne Bümmerstede weiter vergrößert worden. Das Gelände liegt zum weitaus überwiegenden Teil in der Gemeinde Hatten, bei der Ortschaft Sandkrug, damaliger Name Streek. Eine Schießanlage und ein Munitionsdepot sollten komplett neu errichtet werden. Dazu liefen die Planungen spätestens ab 1958. Man hatte zwei beieinander liegende Flächen südlich des Dorfes Achternholt ausgewählt, rund 5 km südwestlich der Anlage Tungeln gelegen. Hier entstanden in den 1960er Jahren die Standortschießanlage 241/1 und wenige hundert Meter weiter die Standortmunitionsniederlage 241/1.
Bis zur Fertigstellung der neuen Bauvorhaben ist in Tunglen zumindest der Schießstand genutzt worden. Ob auch Munition gelagert wurde, ist nicht belegt. Die vorhandenen Lagerkapazitäten sind grundsätzlich zu klein für den neuen Bedarf gewesen.
Bereits 1955 wurden von der Bauverwaltung des Bundes neue Richtlinien für die Auslegung von militärischen Schießständen erlassen und in den folgenden Jahren immer weiter angepaßt. Ab da galt für solche Objekte die Bezeichnung Standortschießanlage.
Die Vorschriften verlangten eine deutliche Erhöhung der Sicherheit bei Schießvorhaben. Unter anderem mußte nun im Zielbereich von allen Bahnen eine Geschoßfangkammer gebaut werden. Auch Höhenblenden waren gefordert, anfangs nur über dem Zielfeld. Mehrere von ihnen standen gestaffelt, die gesamte Breite der Bahnen überquerend. Damit sollten gravierend schlecht geschossene Projektile vom Verlassen der Schießanlagen abgehalten werden. Somit mußten aus Zeiten der Wehrmacht vorhandene Schießstände grundlegend umgebaut werden. Oft verzichtete man auf Umbauten und schuf vollständig neue Objekte an anderen Orten. Da so schnell kein Ersatz geschaffen werden konnte, mußte man einige alte Anlagen temporär weiter nutzen. Zur Unterscheidung wurden diese Objekte als Schulschießstände bezeichnet. Dieses traf auch auf den Schießstand Tungeln zu.
Trotz der absehbar kurzen Nutzungsdauer hatte die Bundeswehr einige Umbauten beauftragen. Andernfalls wären dort die bestehenden Ausbildungskonzepte nicht durchführbar gewesen. Von den drei Paaren der MG-Stände verfügte nur das nördlichste über eine Geschoßfangkammer. Beim nächsten Paar ist nun auch eine errichtet worden. Diese hat äußerlich eine fast identische Form, war aber komplett mit Beton gebaut. Auf das dritte Paar wurde verzichtet, dessen Erdwälle hat man entfernt. Rechts daneben lagen die fünf schmalen Gewehr-Schießstände. Hier sind jeweils die zwei äußeren Bahnen zusammengelegt worden, durch Abgraben der trennenden Erdwälle. Außerdem erfolgte eine Verkürzung auf 200 m Länge. Gleiches hat man auch an der breiten ehemals 400 m messenden rechten Bahn vollzogen. Mit dieser neuen Auslegung stand der Schulschießstand Tungeln noch bis ungefähr 1968 in der Nutzung.
Nach Aufgabe durch die Bundeswehr kehrte Ruhe auf der Liegenschaft ein. Die Gemeinde erwarb 1982 das Gelände. Seit 1989 kümmert sich die „Biologische Schutzgemeinschaft Hunte Weser-Ems e.V.“ um die Pflege des Objektes. In dem Zusammenhang ist 1998 ein Naturlehr- und Erlebnispfad auf dem Schießstands-Gelände angelegt worden.
Zustand:
Von der Truppen-Munitionsniederlage sind noch recht viele Spuren aufzufinden. So stehen weiterhin alle sieben Munitionsbunker im Osten des Geländes. Auch der Packmittelschuppen im Süden ist vorhanden, er wird gewerblich genutzt.
Der Schießstand hat durch die Umbauten für die Bundeswehr sein Aussehen gegenüber der Auslegung zu Zeiten der Wehrmacht deutlich verändert. Es sind aber weiterhin markante Objekte, wie die Geschoßfangkammern und die große Abweiserwand zu finden. Allerdings ist heute ein freier Blick aufgrund der üppigen Vegetation kaum möglich.
Auf jeden Fall ist die
Liegenschaft von den zugänglichen ihrer Art die am vollständigsten erhaltene und somit auch die sehenswerteste Anlage.
Zugang:
Das Gelände der früheren Munitionsniederlage sowie Schießstände ist heute Naherholungsgebiet und kann frei begangen werden. Ausgenommen natürlich die Privat- und Firmengrundstücke.
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Blick aus der Vogelperspektive mit Google Maps:
Fotos:
Truppen-Munitionsniederlage:

Das Wohnhaus des Schießstandswärters an der Einfahrt zur Liegenschaft. Es wurde grundlegend umgestaltet und vergrößert.

Hier führt der Weg Richtung Munitionslager.

Auch der Packmittelschuppen der Munitionsniederlage steht noch.

Ein Feuerlöschbecken im Zentrum des Lagerbereiches war mit Erdwällen umgeben.

Beim Feuerlöschbecken sind diese Trümmer zu finden, vermutlich vom Pumpenhaus.

Der frühere Außenzaun ist noch auf längeren Strecken aufzufinden.

Im südlichen Teil des Lagerbereiches stehen drei kleine Munitionshäuser.

An allen Munitionsbunkern wurden die Eingänge weitgehend zugeschüttet.

Die kleinen MH verfügten über einen Eingang.

Beim kleinen MH Nr. 12 findet man eine Variante mit zwei Toren nebeneinander.

Die vier großen Munitionshäuser stehen im nördlichen Bereich.

Hier ist an einem Eingang zum MH Nr. 14 der Rest einer Beleuchtung zu sehen.

Auf dem Foto nicht leicht zu erkennen, der Bunker verfügt über zwei Eingänge.

Die Eingänge der großen MH zeigen sich heute weitgehend identisch zu denen der kleinen MH.

Die Erdhügel großer Munitionshäuser haben natürlich deutlich mehr Volumen.

In den meisten Fällen wurden Öffnungen zum Einflug von Fledermäusen in die Tore eingebracht.

Von diesem Tor schaut nur noch wenig heraus.

Eine Ecke des großen Munitionshauses Nr. 17.
Schießstände:

Am Südrand steht dieser historische Bau. Er wurde später deutlich erweitert. Vermutlich befanden sich darin ursprünglich Lagerräume.

Am westlichen Rand führt ein Weg zu den MG-Schießständen.

Hier eine befestigte Abstellfläche für Fahrzeuge. Vermutlich ist sie erst während der Nutzung durch die Bundeswehr entstanden.

Blick auf die Geschoßfangkammer des nördlichen Schießstands-Paares.

Sie stammt aus der Zeit der Wehrmacht, man hatte seinerzeit überwiegend mit Backsteinen gebaut.

Dieses wird auch auf der Rückseite sehr deutlich.

Blick über die zwei früher in der Mitte liegenden MG-Schießstände.

Diese Geschoßfangkammer ist vollständig in Beton ausgeführt. Ein Hinweis auf die spätere Errichtung.

Vor dem Beton eine Holzverblendung, die Abpraller verhindern sollte.

Zahlreiche Projektile sind bis in den Beton durchgedrungen.

Blick in die Geschoßfangkammer mit der Sandaufschüttung.

Auch hier wird innen deutlich, daß sie komplett mit Beton errichtet wurden.

Ebenso auf der Rückseite.

Die heute zugewachsene Bahn eines Gewehr-Schießstandes.

Hier wird die schmale Auslegung der fünf engstehenden Bahnen erkennbar.
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