Relikte des Kalten Krieges:
Grundsätzliches über die Elemente und das Zusammenwirken
im NATO-Luftverteidigungsgürtel ist auf der Themenseite nachzulesen.
Über die Verbände und Stellungen des FlaRak-Systems Hawk sowie die
Entwicklung dieser Waffe berichtet eine weitere
Seite. Die Einsatzmittel einer Batterie sind auf der Seite aktive
Stellung aufgelistet.
Mit dem Bau der Stellung Lichtenmoor ist im Jahre 1968 begonnen
worden. Im Folgejahr konnte der Betrieb in der gut 11 ha großen
Liegenschaft aufgenommen werden. Genutzt wurde die Anlage durch die
2. Batterie des Flugabwehrraketenbataillons 35. Die Einheit war seit
1968 in der Niedersachsen-Kaserne, Dörverden-Barme beheimatet.
Die Unterkünfte lagen rund 15 km nördlich der Einsatzstellung.
Der Sitz des Bataillonsstabes war in der Caspari-Kaserne in Delmenhorst-Deichhorst.
Gelenkt wurde der Einsatz der 2./35 vom Battalion Operation Center
(BOC) in der Stellung Wachendorf, 7 km südöstlich von Syke.
Das Gebiet von Lichtenmoor ist, wie der Name schon sagt, ein weitläufiges
Moorgebiet, ohne jedwede Erhebungen. Oftmals sind Hawk-Stellungen auf
Anhöhen oder gar Berge gebaut worden, damit gute Rundumsicht für
die Radargeräte gegeben war. Die Anlage in Lichtenmoor befand
sich dagegen im Flachland. Da auf etlichen Kilometern kaum Hindernisse
vorhanden waren reichte es aus, innerhalb der Stellung Erdwälle
aufzuschütten, auf die die Radargeräte gefahren werden konnten.
Das Vorhandensein einer solchen Stellung war der gegnerischen Aufklärung
natürlich schnell bekannt. In Spannungszeiten hätten die
Hawk-Einheiten ihre Anlagen verlassen und bereits erkundete Feldstellungen
bezogen. Für jede Batterie waren bis zu fünf dieser Ausweichbereiche
festgelegt. Das System Hawk war voll mobil und konnte innerhalb einer
Stunde den Friedensstandort verlassen.
Sinn einer ausgebauten Einsatzstellung war die Möglichkeit, die
FlaRak-Systeme bereits in Friedenszeiten zur Absicherung des Luftraumes
einzusetzen. So konnte auf einen angenommenen Überraschungsangriff
schnell reagiert werden. Die Infrastruktur einer solchen Stellung war
darauf ausgelegt, die Komponenten des gesamten Systems überwiegend
auf ihren fahrbaren Trägern zu belassen. Dadurch konnte schnell
die Abmarschbereitschaft hergestellt werden.
Nun zu den einzelnen Teilen der Stellung:
Eine Hawk-Batterie verfügte über zwei Halbbatterien zu je
drei Werfern mit zugeteiltem HIPR-Zielverfolgungsradar, welches die
Flugkörper ins Ziel lenkte. Dementsprechend befanden sich zwei
Sektionen zu je drei Abschußplattformen in der Anlage. Jeder
Launcher war mit drei Flugkörpern beladen. Die Feuerstellungen
lagen stets an der Ostseite der Liegenschaft, eben der erwarteten Angriffsrichtung.
Zum Schutz der Raketen vor Witterungseinflüssen wurde über
den Launcher ein halbkugelförmiger Wetterschutz aus Kunststoff
geklappt.
Je Sektion gab es einen kleinen verbunkerten Bedienungsleitstand. Darin
befand sich die Launcher Start Control Box (LSCB), mit der die technische
Startbereitschaft der Raketen hergestellt werden konnte. Dazu kommt
je ein Gebäude in dem Stromerzeugungs-Generatoren auf Anhängern
abgestellt worden sind. Weiterhin befand sich in der Nähe der
Abschußplattformen je Gruppe ein Raketenlagerplatz, hier wurden
weitere Flugkörper auf Transportanhängern gelagert. Zu deren
Schutz errichtete man offene Boxen aus Beton mit abgeteiltem Platz
für vier Anhänger, beladen mit jeweils drei Raketen.
In Lichtenmoor hatte man zwei Erdwälle für Radargeräte
aufgeschüttet. Eine Straße führte auf die Anhöhe
hinauf, so konnten die Geräten zügig abgefahren werden. Insgesamt
befanden sich auf den Wällen fünf befestigte Abstellplätze.
Neben den zwei bereits erwähnten HPIR gab es das Luftraumüberwachungsradar
PAR, das Zielerfassungsradar CWAR und das Entfernungsmeßradar
ROR. All diese Geräte wurden auf ihren Anhängern in Boxen
gefahren, die einen Wetterschutz boten. Auch für die Radargeräte
gab es wieder ein Gebäude für die Anhänger mit Stromerzeugungsaggregat
(SEA).
Die Informationen der Radargeräte und der Meldungen aus dem BOC
Wachendorf wurden im Gefechtsstand der Batterie verarbeitet. Dessen
Geräte befanden sich in Containern und waren auf LKW verlastet.
Diese wurden wiederum in nach vorne und oben offenen Splitterschutz-Boxen
geparkt.
Ein ebenfalls für den Einsatzauftrag benötigtes Bauwerk war
das Raketenmontagegebäude. Hier wurden die Flugkörper zusammengesetzt
und Wartungsarbeiten durchgeführt. Eine weitere Halle beherbergte
die zur Nahbereichsverteidigung eingesetzten Zwillingsflak 20mm Rh
202. Auch für die Verladefahrzeuge gab es eine Garage. Zum Schutz
der Mannschaften sind drei Bunker gebaut worden. Zwei boten 12 Personen
ein größerer 24 Personen Platz. Für Treibstoff und
andere Betriebsmitteln wurde ein Lagerschuppen errichtet.
Schließlich kommen noch Einrichtungen dazu, die für den
laufenden Betrieb unerläßlich waren. Ein Bereitschaftsgebäude
nahm Büros, Unterkünfte und Sanitäranlagen auf. Auch
Kantine, Kleinheizwerk und Lagerbaracke waren vorhanden. An der Einfahrt
befand sich das Wachgebäude mit Hundezwinger. Unmittelbar am Tor
stand ein kleines Wachhäuschen.
Bis zum Ende des Kalten Krieges stand die Stellung Lichtenmoor
im Einsatz. Es folgten einige Umorganisationen, die schließlich
die Aufgabe des Standortes zur Folge hatten. Im April 1992 wurde
die 2./35 als 5. Batterie dem FlaRakG 31 unterstellt, da das FlaRakG
35 zum Ende des Jahres aufgelöst werden sollte. 1993 kam das
Ende der Stellung, die 5./31 wurde nach Prangendorf in Mecklenburg-Vorpommern
verlegt.
Nach einiger Zeit Leerstand wurde die ehemalige Stellung zeitweilig
vermietet und landwirtschaftlich genutzt. Im Jahre 2003 konnte die
Liegenschaft an Privat veräußert werden und ist seitdem
wieder bewohnt.
Zustand:
In der Stellung Lichtenmoor blieb die Infrastruktur überwiegend
erhalten. Leider wurden während des Leerstandes aber fast alle
Gebäude durch sinnlose Zerstörungswut beschädigt.
Zugang:
Der Bereich der FlaRak-Stellung Lichtenmoor hat
inzwischen neue Besitzer gefunden und darf nicht mehr betreten werden.
Hinweis:
Ein Blick aus der Vogelperspektive auf die Stellung aus dem Angebot
von Google-Maps:
FlaRak-Stellung
Lichtenmoor
Über die Flugabwehrraketentruppe der Bundesluftwaffe
ist ein interessantes Buch erschienen:
Titel: Blazing Skies
Autoren: Wilhelm von Spreckelsen, Wolf-Jochen Vesper
Verlag: Isensee Verlag, Oldenburg
ISBN: 3-89995-054-2