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Rubrik: Luftabwehr Translation: English French Spanish Italian Dutch Danish Polish Russian
Eine aktive Hawk-Stellung
 Relikte des Kalten Krieges: 
Grundsätzliches über die Elemente und das Zusammenwirken im NATO-Luftverteidigungsgürtel ist auf der Themenseite nachzulesen.
Über Technik, Stellungen und Verbände des FlaRak-Systems Hawk berichtet eine weitere Seite.

Die hier gezeigten Bilder stammen von der niederländischen Hawk-Stellung der 326 Squadron, 3. Groep Geleide Wapens (GGW). Verband und Einheit hatten ihre Unterkünfte in einer Kaserne in Blomberg (NRW). Die Einsatzstellung der 326 Sqn befand sich auf dem Berg Preußische Velmerstot, südlich der Stadt Horn-Bad Meinberg in Nordrhein-Westfalen gelegen. Er ist die höchste Erhebung des Eggegebirges, seine Gipfelhöhe beträgt 468 m. Die FlaRak-Stellung war direkt auf dem Gipfel eingerichtet und hatte von daher perfekte Bedingungen für die Radargeräte.
Das Objekt lag im Sektor 58 des NATO-FlaRak-Gürtels, in der rückwärtigen Position, genannt 2nd Row. Die nördliche Nachbarstellung Schwelentrup wurde von der 327 Sqn betrieben, ebenfalls Teil der 3. GGW. Südlicher Nachbar war die Stellung Bad Driburg, die von der Belgischen Batterij Delta des 43e Artilleriebataljon belegt war. So befanden sich hier im Weserbergland gleich zwei NATO-Partner fernab ihrer Heimat im dauerhaften Einsatz für die Luftverteidigung Westeuropas.

Die Stellung Velmerstot wurde am 1. August 1964 von der C-Squadron, 3. GGW bezogen. Damit gehörte sie, zusammen mit Laatzen, zu den ersten Hawk-Stellungen, die von den Niederländern in Betrieb genommen worden sind. Anfangs kam auch die D-Squadron der 3. GGW hier mit unter. Diese konnte im Folgejahr nach Schwelentrup verlegen. Im September 1965 bekam das Objekt Velmerstot den operationellen Status. Zu der Zeit wurde bei den niederländischen FlaRak-Einheiten ein neues Nummernsystem eingeführt, Die C-Squadron hieß fortan 326 Squadron.
Die Stellung Velmerstot umfaßte rund 11 ha. Es gab zwei Gruppen zu je drei Abschußplattformen für die Raketen. Die Fünf Radargeräte bekamen erhöhte Standplätze. Mehrere feste Bauten wurden errichtet: Postenhäuschen, Bereitschaftsgebäude, Raketenmontagegebäude und vier Hallen für Generatoren. Dazu kamen Schuppen zur Einlagerung von Geräten, Material und Ersatzteilen.

Am 4. März 1968 ereignete sich ein Brandunglück in der Stellung. Ursache war ein überhitzter elektrischer Ofen in einem Magazin. Dabei ist diverses Material zerstört worden, darunter ein Radar, ein Verladefahrzeug und der komplette Ersatzteilbestand der Squadron. Daraufhin wurde entschieden, die für die 503 Sqn in Steyerberg vorgesehene Ausrüstung nach Velmerstot abzugeben. Aus finanziellen Gründen entschied die Niederländische Regierung nun, die 503 Sqn nicht mehr aufzustellen. Die baulich fertiggestellte Stellung Steyerberg ist nie bezogen worden - eine Folge des Brandes auf der Velmerstot!

Bis in die zweite Hälfte der 1980er Jahre stand die 326 Sqn auf dem Berg zur Luftverteidigung bereit. Dann wurde eine grundlegende Veränderung angestoßen. Die Einheit verlegte von August 1987 bis März 1990 in die vormals belgische Hawk-Stellung Willebadessen. In dieser Zeit ist Velmerstot für das neue FlaRak-System Patriot umgebaut worden. Am 1. April 1990 konnte die 326 Sqn wieder auf die Preußische Velmerstot ziehen und nun den Betrieb mit Patriot aufnehmen.
Zu der Zeit wurde aber bereits absehbar, daß die bisherige Struktur der NATO-Luftverteidigung ihren Sinn verlieren wird. Nach dem Fall der Mauer und der Wiedervereinigung Deutschlands konnte der bisherige FlaRak-Gürtel entfallen. Zum 1. Juli 1994 gab die 326 Squadron die Stellung auf und verlegte in die Niederlande.
Es sollte aber noch bis zum August 2003 dauern, bis die ehemalige Militäranlage abgerissen und das Gelände wieder für die Allgemeinheit freigegeben wurde. Heute erinnern keinerlei Gebäude an die militärische Vergangenheit des Berges.

Das FlaRak-System Hawk:
Das System Hawk diente zur Abwehr von schnellfliegenden Luftfahrzeugen im niedrigen bis hohen Luftraum. Die Leistungsdaten der ersten Version der Rakete, Bezeichnung MIM-23 A: Reichweite 25 km, maximal erreichbare Höhe 13.700 m. Der 584 kg schwere Flugkörper brachte es auf eine Höchstgeschwindigkeit von 650 m/s. Er hatte eine Länge von 5,08 m, Durchmesser von 0,37 m und Spannweite von 1,19 m. Der Gefechtskopf war mit 54 kg beladen und erzeugte 1.700 Splitter.
Die Steuerung der Hawk erfolgte durch ein halbaktives System, welches zu Zeiten der Entwicklung dieser Waffe die modernste und leistungsfähigste Möglichkeit darstellte. Es benötigte zur Bekämpfung von Flugzielen Unterstützung vom Boden. Aus der abfeuernden Stellung beleuchtete ein Radar das generische Ziel. Die davon reflektierten Strahlen erfaßte die Flugabwehrrakete mit mehreren Antennen. Eine Ablage wurde von der elektronischen Steuerung in entsprechende Lenk-Signale zum Erreichen des gegnerischen Luftfahrzeugs umgesetzt. Großer Vorteil dieses Verfahrens war, daß die Präzision mit abnehmender Distanz zum Ziel immer größer wurde.

Es gab im Laufe der jahrzehntelangen Nutzungszeit mehrere Kampfwertsteigerungen. Die Grundlegendste fand zwischen Februar 1975 und Oktober 1978 statt. In diesem HELIP genannten Programm wurde die Leistung des Systems gravierend verbessert; seitdem ist es als „Improved Hawk” bezeichnet worden. Der Flugköper trug ab da die Kennung MIM-23 B. Die Reichweite lag nun bei 40 km und die größte Höhe bei 17.700 m. Als Höchstgeschwindigkeit konnte jetzt 900 m/s erreicht werden. Die Abmessungen des Flugkörpers blieben fast unverändert. Sein Gewicht stieg auf 635 kg. Der neue Gefechtskopf trug 75 kg und erzeugte 16.000 Splitter.

Eine Einheit war im Regelfall in zwei voneinander unabhängig operierende Abschußgruppen zu je drei Startgeräten gegliedert. Dadurch konnten zwei Ziele gleichzeitig bekämpft werden.
Das System ist vollständig mobil ausgelegt gewesen. Die Squadron sollte in Krisenzeiten die feste Einsatzstellung verlassen und eine vorerkundete Feldstellung beziehen. Im Falle eines Überraschungsangriffs hätte man aber bereits aus den permanenten Stellungen den Kampf aufgenommen.

Die nachfolgende Auflistung nennt die wesentlichen Bestandteile des Systems Hawk. Sie bezieht sich auf den Stand Ende der 1970er Jahre. Die meisten Komponenten sind auf den Bildern rechts abgebildet.

Die drei wichtigsten Teile der Batterieführung im Einzelnen:

  1. BCC (Battery Control Central) - AN/TSW-11
    = Feuerleitanlage und Gefechtsstand, in einem auf LKW verlasteten Container.
     
  2. PCP (Platoon Command Post)
    = Feuerleitstand für eine Halb-Batterie, auf Anhänger.
     
  3. ICC (Information Coordination Central) - M 390
    = Lage- und Auswertezentrale mit Freund/Feind-Abfrage, auf Anhänger.

Jeder Einheit standen fünf Radargeräte zur Verfügung:

  1. PAR (Pulse Acquisition Radar) - AN/MPQ-50
    = Impuls-Erfassungsradar zur Luftraumüberwachung mit gut 100 km Reichweite, auf Anhänger.
     
  2. CWAR (Continuous Wave Acquisition Radar) - AN/MPQ-48, später AN/MPQ-55
    = Dauerstrich-Erfassungsradar zur Zielerfassung von Tieffliegern mit 65 km Reichweite, auf Anhänger.
     
  3. ROR (Range Only Radar) - AN/MPQ-51
    = Entfernungsmeßradar, auf Anhänger.
     
  4. HPIR (High Power Illuminator Radar) - AN/MPQ-46, später AN/MPQ-57
    = Zielbeleuchtungsradar zur Lenkung der Flugkörper zum Ziel, auf Anhänger. Je Einheit waren zwei Geräte vorhanden.

Folgendes stand für die eigentlichen Raketen bereit:

  1. LCHR (Launcher) - M 78
    = Dreifachstartgerät, auf Anhänger. Je Einheit waren sechs Geräte vorhanden.
     
  2. Loader - M 501
    = Ladefahrzeug zum Umladen der Flugkörper, auf Kettenfahrgestell. Je Einheit waren drei Fahrzeuge vorhanden.
     
  3. Pallet - M 390C
    = Einachsige Palettenanhänger für den Transport und die Lagerung der Raketen. Je Einheit waren zwölf Anhänger vorhanden.
Außerdem gehörten Stromerzeugungsaggregate (SEA) zur Ausstattung der Einheit, verlastet auf Zweiachsanhänger mit absetzbarer Tragbrücke. Sechs davon, mit einer Leistung von je 56 KVA, wurden für den Einsatz benötig, zwei weitere standen als Reserve zur Verfügung.
Schließlich ist noch der auf einem weiteren Anhänger befindliche Prüfstand AN/MSM-43 zum Testen der Flugkörper zu erwähnen. Er wurde allerdings nur bis zum Programm HELIP genutzt.
Blick aus der Vogelperspektive mit Google Maps:
Google Maps
Fotos:
Die folgenden Bilder entstanden 1978/79. Sie wurden freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Hans Jellema.

Gefechtsstand
Der Gefechtsstand der Batterie mit -#1- BCC in einem Container auf dem LKW rechts und -#3- ICC in der Mitte

Konsolen
-#1- Die Überwachungs- und Bedienungskonsolen im BCC-Container

BCC
-#1- Im BCC-Container

PCP
-#2- Konsole im PCP-Container

PAR
-#4- Das Luftraumüberwachungsradar PAR

HPIR, CWAR
Links: -#7- HPIR = Zielbeleuchtungsradar,
rechts: -#5- CWAR = Tiefflieger-Rundsuchradar.

Launcher
-#8- Verschiedene Ansichten des Startgeräts (Launcher) mit drei Flugkörpern Hawk

Launcher
-#8- Launcher

Launcher
-#8- Launcher

Abschußplattform
-#8- Der Launcher auf der Abschußplattform

Abschußplattform
-#8- Eine typische Abschußplattform. Der Wetterschutz für das Dreifachstartgerät ist hier aufgeklappt.

Wetterschutz
Der faltbare Wetterschutz im geschlossenen Zustand

Wetterschutz
Hinten rechts ebenfalls ein geschlossener Wetterschutz

Loader
-#9- Loader zum Umladen vom Transportanhänger auf den Launcher

Transportanhänger
-#10- Flugkörper auf Transportanhänger

Pallet
-#10- Anhänger Pallet beladen mit drei Raketen
 
Quellenangabe:
- Archiv Hans Jellema
- Karl Anweiler, Rainer Blank: Die Rad - und Kettenfahrzeuge der Bundeswehr
- Karl Anweiler, Manfred Pahlkötter: Fahrzeugtypenkatalog Bundeswehr - Hawk MIM-23 A, Improved Hawk MIM-23 B
- Wilhelm von Spreckelsen, Wolf-Jochen Vesper: Blazing Skies
- Rinus Nederlof: Blazing Skies
 
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