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Rubrik: Munitionsdepots / Versorgungsdepots Translation: English French Spanish Italian Dutch Danish Polish Russian
Das Nienburg Garrison Ammunition Compound (GB)
& der Schießstand Nienburg-Köhlerberge
 Bis 1945: 
Auf dieser Seite werden mehrere Einrichtungen beschrieben, die auf dem Gebiet der Köhlerberge liegen. Das Gelände ist der Stadt Nienburg südwestlich vorgelagert. Seinerzeit befand es sich in der früheren Gemeinde Leeseringen, inzwischen innerhalb der Stadtgrenzen von Nienburg. Die Liegenschaft hatte man bereits zu Zeiten der Wehrmacht als Pionierübungsplatz eingerichtet. Ergänzend kamen ein Schießstand, eine Truppen-Munitionsniederlage und ein Gerätelager hinzu. Nach dem II. Weltkrieg übernahm das britische Militär das Areal und nutzte es weiter. Sie haben auf einer Teilfläche eine Standortmunitionsniederlage aufgebaut.
Zwei dieser Objekte aus unterschiedlichen Epochen zeigen heute die deutlichsten Spuren im Gelände, daher wurden diese für den Seitentitel ausgewählt.

Die Stadt Nienburg ist in den 1930er Jahren zum Aufbau einer Garnison für die Pioniertruppe der Wehrmacht ausgewählt worden. Am Strom der Weser sind zu Zeiten des Dritten Reichs, und später auch im Kalten Krieg, eine ganze Anzahl Pionier-Standorte eingerichtet gewesen. In den verschiedenen Epochen sind neben Nienburg weitere Ortsnamen zu nennen. Von Nord nach Süd: Dörverden, Minden, Hameln, Holzminden, Höxter und Hannoversch Münden.
Die Pioniertruppe war für ihre Aufgaben auf Gewässer angewiesen. Am Ufer großer Flüsse ließen sich meist problemlos spezielle Übungsplätze einrichten, auf denen mit Booten, Fähren und Schwimmbrücken ausgebildet werden konnte. Aber auch an Land sind für den Bedarf dieser Truppengattung weitere besondere Ausbildungsanlagen erforderlich gewesen. Man hat dort unter anderem gelehrt: Erdbewegungen, Bau und Beseitigung von Sperranlagen, sowie Sprengausbildung. Die Objekte trugen die Bezeichnungen Pionierübungsplatz Wasser und Pionierübungsplatz Land. Für den Standort Nienburg sind beide Einrichtungen südwestlich der Stadt angelegt worden.

Als Truppenunterkunft entstand ab 1935 an der damaligen Ringstraße, heute Berliner Ring, Ecke Ziegelkampstraße die Mudra-Kaserne. Im Oktober des folgenden Jahres traf von Hamburg-Harburg kommend das Pionierbataillon 22 in Nienburg ein. Es unterstand der mit Stab in Bremen beheimateten 22. Infanteriedivision. Bedingt durch den Beginn des II. Weltkrieges war die hiesige Stationierung des Bataillons nur von kurzer Dauer. Im August 1939 zog der Verband für den bevorstehenden Angriff auf Polen ab.
In den Jahren bis Kriegsende fand in Nienburg weiterhin die Aufstellung und Ausbildung zusätzlicher Pioniereinheiten statt. Der Kriegsverlauf ergab enorme Verluste an Menschen und Material. Dementsprechend hatte man fortlaufend Soldaten rekrutiert, Truppen formiert und ausgebildet.

Wie eingangs erwähnt, sind auf der Liegenschaft Köhlerberge mehrere Einrichtungen entstanden. Die größte Fläche beanspruchte der ab Herbst 1936 nutzbare Pionierübungsplatz Land. Die Einfahrt in das Gelände erfolgte von Süden kommend über die Straße Zu den Köhlerbergen.
Unmittelbar rechts vor der Zufahrt ist das Gerätelager Nienburg gebaut worden. Dieses unterstand dem Heeres-Nebenzeugamt Bremen und diente zur Einlagerung der Ausstattung eines Reserve-Pionierbataillons. Der inaktive Verband sollte nur zu Reserveübungen und im Rahmen einer generellen Mobilmachung zusammentreten. Annähernd die gesamte Ausrüstung wurde in einem großen zweigeschossigen Lagerhaus auf über 2.800 m² deponiert. Das Spektrum reichte von der persönlichen Ausrüstung der Soldaten, bis zu den Maschinen der Pionierkompanien. Im Altlastenbericht steht, daß später die Kriegsmarine den Bau als Lager genutzt hat.
Um auf den Übungsplatz zu gelangen, ging es ein kurzes Stück weiter zur Haupteinfahrt. Rechts daneben entstand ein Wohnhaus für den Platzwärter und seine Familie. Der Wärter ist ein Soldat im Feldwebel-Dienstgrad gewesen. Seine Aufgabe war die Ermöglichung des laufenden Übungsbetriebes. Er verwaltete die Geräte und Ausbildungsmittel. Daneben führte er eine Bewachung des Geländes durch.
Hinter dem Wohnhaus zweigt ein Weg nach links ab. Daran standen vier hölzerne Lagerschuppen. Der mit einer Länge von rund 110 m größte, war nach vorne offen. Darin bewahrte man Bretter und Holzbohlen auf, die beim Bau von Stellungen und Unterständen Verwendung fanden. Die drei weiteren geschlossenen Schuppen nahmen Baumaterialien und Geräte auf. Ergänzend kam in dem Bereich ein erdüberdecktes Munitionshaus für die Aufbewahrung von vermutlich Darstellungsmunition hinzu. Und es gab ein geschütztes Lagerhaus für feuergefährliche Stoffe, also Kraftstoffe und Schmiermittel.
Die in nördlicher Richtung angrenzende Fläche ist das eigentliche Ausbildungsgelände gewesen. Darauf waren mehrere Übungsräume ausgewiesen. Nahe der Haupteinfahrt gab es auf einer Freifläche eine Hindernisbahn. Hier konnte das Überwinden von verschiedenen Objekten gelehrt werden, sie diente aber auch der allgemeinen körperlichen Ertüchtigung der Soldaten. Nordöstlich davon hatte man eine Brücke aus Stahlelementen errichtet. Auf Widerlagern aus Beton war sie als Überquerung eines Hohlweges aufgelegt. An ihr ist das Sprengen solcher Objekte ausgebildet worden, simuliert mit Rauchkörpern.
Ergänzend kam ein Handgranatenwurfstand dazu. Und es gab mehrere Sprengplätze für entsprechende Ausbildungsvorhaben.

Am westlichen Rand des Geländes hat man eine größere Schießstandsanlage aufgebaut. Anfangs entsprach sie dem frühen Standard der Wehrmacht. Im Norden liegen nebeneinander drei relativ schmale Gewehr-Schießstände mit 300 m Länge. Am nördlichen Ende war der Zielbereich, dahinter ein 5 m hoher Erdwall als Kugelfang. Diesen ergänzte in der Höhe eine große Abweiserwand aus Beton. Vor dem Kugelfang befand sich im Boden eingelassen die Anzeigerdeckung. Darin saßen Soldaten, die die Trefferaufnahme durchführten und die Schießscheiben bedienten.
Südlich der Gewehr-Bahnen gab es hintereinander zwei mit je 45 m recht kurze Schießbahnen. Beide hatten hinter ihrem Zielbereich große Geschoßfangkammern in massiver Bauweise. Sie trugen die offizielle Bezeichnung MG-Schießstand. Tatsächlich sind die meisten Übungen mit Maschinengewehren auf diese kurze Distanz durchgeführt worden. Am Weg zwischen den langen und den kurzen Bahnen wurden die für den Betrieb der Schießstände erforderlichen Bauten errichtet. Das waren ein Aufenthaltsgebäude, eine Latrine und ein Lagerschuppen für Zielscheiben.
Erst in einem zweiten Schritt begann westlich anschließend der Bau eines Gefechts-Schießstandes. Die Kategorie ist erst im Verlauf der Kriegsjahre geschaffen und nur an wenigen Standorten verwirklicht worden. Diese Art war wesentlich breiter angelegt, als die bisherigen Gewehr-Bahnen. Und mit 400 m ist sie deutlich länger gewesen. Man hatte dazu einen Graben verlegen müssen. Auf Luftbildern von 1944 ist erkennbar, daß diese Bahn sich noch im Bau befand. Ob sie bis zum Kriegsende fertiggestellt werden konnte, ist nicht belegt. Möglicherweise gab es eine provisorische Nutzung.
Südöstlich der Schießstände hatte man eine kleine Truppen-Munitionsniederlage aufgebaut. Sie bestand aus zwei Munitionsbunkern der Bauart „Kleines Munitionshaus“. Diese verfügten im Innenraum über eine Lagerfläche von rund 50 m². Und es gab einen Bau des Typs „Großes Munitionshaus“, mit 200 m² Nutzfläche. Alle erhielten als zusätzlichen Schutz eine Erdüberdeckung, welche zur Tarnung gegen feindliche Luftaufklärung bepflanzt wurde. Ergänzend kam ein kleiner freistehender Munitionsbehälter hinzu. In dieser hölzernen Box bewahrte man hauptsächlich Patronen für Handfeuerwaffen auf.

Die gesamte Liegenschaft erstreckte sich ab Beginn über 62,5 ha. Davon standen 61,5 ha im staatlichen Besitz. Das Gelände weist, mit Schwerpunkt in der südwestlichen Ecke, deutliche Höhenunterschiede auf. Die Hügel ragen über die umgebende Fläche bis zu 14 m hoch auf. Bereits seit 1912 befindet sich in nordöstlicher Nachbarschaft des Areals ein Wasserwerk der Stadt Nienburg.

In den Jahren des II. Weltkrieges gab es keine Bombardierungen des Gebietes. Am 9. April 1945 rückte, als Teil der britischen 11th Armoured Division, das 3rd Royal Tank Regiment von Süden kommend kampflos in Nienburg ein. So gelangten die hiesige Liegenschaft, wie auch der Pionierübungsplatz Wasser und die Mudra-Kaserne, in einem weitestgehend unbeschädigten Zustand über das Kriegsende.

 Ab 1945: 
Die British Army übernahm nun mehrere militärische Einrichtungen im Ort, um sie für eine dauerhafte Stationierung eigener Truppen zu nutzen. Die Mudra-Kaserne diente weiterhin als Truppenunterkunft, nun als Assaye-Barracks benannt. In den ersten Jahren gab es mehrere wechselnde Belegungen. Im November 1951 traf von Hameln kommend das 21st Engineer Regiment in Nienburg ein. Die Bezeichnung des Verbandes wechselte mehrfach, die Truppe blieb jedoch stets die gleiche. Über Jahrzehnte sind sie die Hausherren in der Kaserne gewesen. Waren die Briten zunächst noch Besatzungsstreitkräfte, wandelte sich das nach Beginn des Kalten Krieges. Nun sind sie als NATO-Partner hier stationiert geblieben.
Die Größenangabe Regiment hat die Army aus Gründen der Traditionspflege gewählt. Tatsächlich verfügte der Verband mit zumeist lediglich vier unterstellten Kompanien stets nur über die Größe eines Bataillons. Die Truppe bildete die Pionier-Komponente der mit Stab in Verden stationierten 1st Armoured Division.

Auch die Gelände der Pionierübungsplätze Land und Wasser sind von den Briten nahezu verzugslos weiter militärisch verwendet worden. Bereits am 11. Mai 1945 begannen sie Nutzungen für unterschiedliche Zwecke. Dafür folgten einige Veränderungen, der Bedarf der British Army unterschied sich in mehreren Aspekten von dem der Wehrmacht. Meist ging es um Einlagerungen, weniger um Ausbildung im Gelände. Ab den 1960er Jahren wurden auf der Fläche hauptsächlich Fahrübungen durchgeführt. Auf dem Areal gab es durch die teils hohen Hügel durchaus anspruchsvolle Strecken. Noch bis in die Gegenwart findet man an mehreren Stellen rot-weiß gestrichene Baken, die riskante Passagen absperrten.
Bereits bis Oktober 1945 hatten die Briten die Hindernisbahn abgerissen. Dagegen blieb die Übungs-Brücke noch mindestens bis in die 1970er Jahre stehen. Für mehrere Bereiche am Rand des Geländes bestand kein Bedarf mehr. Daher hatte man in den 1960er Jahren diese Bereiche freigegeben, teilweise konnten sie an Privat verkauft werden. Die Grundfläche reduzierte sich so auf rund 55,1 ha.

In den Jahren nach dem Krieg bestand allerorts Mangel an Wohnraum, ausgelöst hauptsächlich durch den Zustrom von Vertriebenen aus den ehemals deutschen Ostgebieten. Zur Abhilfe sind viele einigermaßen in Frage kommende Bauten zu provisorischem Wohnraum umgewandelt worden. Die Briten stellten dazu ab Juli 1948 mehrere Gebäude auf dem Pionierübungsplatz zur Verfügung. Das Aufenthaltsgebäude bei den Schießständen war noch am einfachsten dafür herzurichten. Darin entstanden zwei Wohnungen. Am Südrand konnte im vormaligen Lager für feuergefährliche Stoffe eine Wohnung geschaffen werden. Deutlich größer ist der Aufwand an zwei Munitionsbunkern in der Truppen-Munitionsniederlage gewesen. Hier mußte man zuerst die Erdüberdeckung entfernen. Dann wurden Öffnungen für Fenster in die massiven Wände gebrochen. So konnten im kleinen Munitionshaus eine, und im großen Munitionshaus drei Wohneinheiten entstehen. Die Ausstattung dieser Provisorien blieb sehr schlicht. Gemeinde und Bewohner bemühten sich, dauerhafte Bleiben zu finden. Aber erst 1967 verließen die letzten Bewohner die Liegenschaft.
Die Bedingungen beim früheren Wohnhaus des Platzwärters lagen anders. Das ehemalige Gerätelager mit der großen Lagerhalle und die drei Holzschuppen am Südrand nutzte das britische Militär inzwischen zur Deponierung von Material und Ausrüstung, zum Teil in Verbindung mit dem nun als Betriebsstoffdepot genutzten ehemaligen Wifo-Tanklager Nienburg-Schäferhof. Für die Lagerung in den Köhlerbergen setzte die British Army als Wachpersonal ehemalige Fremd- und Zwangsarbeiter aus Jugoslawien ein. Das Wärterhaus ist ihnen als Unterkunft zugewiesen worden.

Nach dem II. Weltkrieg hatten die Briten eine Anzahl deutsche Kriegsgefangene als Arbeitskräfte herangezogen und sie in der German Civil Labour Organisation (GCLO) zusammengefaßt. Sie führten im Auftrag des Militärs unter anderem Bauarbeiten durch. Daneben gab es eine größere Zahl ehemaliger Fremd- und Zwangsarbeiter sowie Kriegsgefangener aus fremden Ländern, zunächst als Displaced Persons (DP) bezeichnet, die nicht in ihre Heimat zurückkehren wollten. Sie stammten überwiegend aus osteuropäischen Ländern, die inzwischen im Einflußbereich der Sowjetunion lagen. Von diesen Menschen fanden nun viele neue Arbeitsstellen als zivile Angestellte des Militärs. Die ausländischen Kräfte waren zunächst in der Mixed Services Organisation (MSO) zusammengefaßt. 1950 fusionierten GCLO und MSO zur German Support Organisation (GSO).
Die Briten ließen 1974 das große zweigeschossige Lagerhaus des vormaligen Gerätelagers zu einer Unterkunft umbauen. Das Objekt bekam nun den Namen Blanchard-Barracks. Hier bot man den Arbeitskräften der GSO eine bessere Bleibe. Die Mitarbeiter aus der Umgebung zogen hierher um. Es gab zuvor ein größeres GSO-Barackenlager bei der Lufthauptmuna Nienburg in Langendamm, welches nach der Räumung abgerissen werden konnte. Auch im Tanklager Schäferhof sind GSO-Kräfte beschäftigt gewesen. Die Blanchard-Barracks hatte eine Unterbringungskapazität für bis zu 160 Mitarbeiter.

An den Schießständen in ihrer ursprünglichen Auslegung hatte die British Army nur teilweise Bedarf. Die zwei kurzen MG-Stände und die drei schmalen Gewehr-Stände paßten nicht in ihre Konzepte. 1948 ließen sie an den kurzen Bahnen die Geschoßfangkammern sprengen und die seitlichen Erdwälle größtenteils abtragen. Die hohe Abweiserwand am Ende der langen Gewehr-Bahnen und die Anzeigerdeckung sind ebenfalls geschleift worden. Hier blieben allerdings die seitlichen Erdwälle stehen.
Man konzentrierte sich auf den früheren breiten Gefechts-Schießstand, dieser sollte nun ausgebaut werden. Dazu entstand unter anderem im Zielbereich eine neue Anzeigerdeckung aus Beton. Unklar ist, ob nun auch an dieser Bahn auf dem Wall des Kugelfangs eine zusätzliche Abweiserwand errichtet worden ist. Zumindest wird ausgesagt, daß die Nutzung der Schießbahn bereits in den 1960er Jahren „aus Sicherheitsgründen“ wieder eingestellt wurde.
Die an den Schießständen stehenden Bauten waren bis 1967 von Zivilisten bewohnt. Ebenso zwei entfestigte Munitionsbunker in der südöstlich anschließenden Truppen-Munitionsniederlage. Das dritte Munitionshaus ist bereits 1945 abgerissen worden. Nachdem sie nicht mehr für die vorherigen Zwecke genutzt wurden, bezog man die Flächen der Schießstände und der Munitionsbunker in die Fahrausbildung mit ein.

Zur Einlagerung von explosiven Kampfmitteln für den Bedarf der in Nienburg stationierten Truppen schufen die Briten östlich der Schießbahnen ein Munitionsdepot, bezeichnet als Nienburg Garrison Ammunition Compound. Die Angaben über dieses Objekt sind in den Altlastenberichten teils widersprüchlich und verwirrend. Eine darin geschriebene Aussage von Zeitzeugen, daß dieses Lager bereits 1955 wieder zerstört worden sein soll, ist nicht richtig, da es auf einem Luftbild von 1971 noch vollständig intakt zu sehen ist.
Das Munitionslager entstand in einer für die British Army früher typischen Auslegung, es gibt keine Munitionsbunker mit Erdüberdeckung! Somit weicht es grundlegend von den vergleichbaren Objekten der Bundeswehr ab, siehe zum Vergleich die Seite über die Standortmunitionsniederlage 253/1 Altenwalde.
Das Ammunition Compound in den Köhlerbergen wurde vermutlich spätestens Anfang der 1950er Jahre eingerichtet. Seinerzeit begnügte man sich damit, die Munition in leicht gebauten Wellblech-Hütten aufzubewahren. Für eine Sicherheit im Fall von Explosionsunglücken sorgten nur Erdwälle.
Das Munitionslagerhaus ist vom Bautyp Nissenhütte, benannt nach dem Konstrukteur Peter Norman Nissen. Dieser hatte das Konzept im I. Weltkrieg ausgearbeitet. Sie sind in großem Umfang auch noch im II. Weltkrieg von Briten und Amerikanern beim Aufbau von Feldlagern für Soldaten und Ausrüstung eingesetzt worden. Es gab sie in unterschiedlichen Größen, für die Nutzung zur Munitionslagerung wählte man kleinere Ausführungen.
Das Nienburger Munitionsdepot bestand aus insgesamt 24 Nissenhütten. Alle weisen die gleiche Größe auf. Am betonierten Boden ist der Innenraum 3 m breit und 4,3 m tief, ergibt 13 m² Nutzfläche. Durch das runde Wellblechdach ist die nutzbare Höhe jedoch deutlich eingeschränkt. An der Vorderseite wurde eine Wand gemauert, darin die Öffnung für eine Tür und unten zwei kleine Belüftungskanäle. An der Rückseite befindet sich eine gemauerte Wand ohne Türöffnung. Hier findet man auch zwei gleichartige Belüftungskanäle, die allerdings oben eingebracht sind. Der Höhenunterschied ergibt durch unterschiedliche Temperaturen eine Zirkulation der Luft. Als Dach ist eine Abdeckung aus Wellblech genommen worden, die an den Seiten bis zum Boden reicht. Der Bogen des Daches umfaßte 210°, damit ergab sich am unteren Ende wieder eine Verengung der Konstruktion. Nissenhütten als Munitionslager verfügten über keine Isolation. Auffällig in Nienburg ist bei vielen dieser Schuppen ein zusätzlich aufgelegtes Dach, das nur nach oben abschirmt. Zwischen beiden Dachteilen sind Holzbohlen aufgelegt, die für Abstand sorgen. Der Zweck ist nicht klar, möglich ist ein Schutz gegen zu starke Aufheizung bei Sonneneinstrahlung.
Das Munitionslager erreichte man über einen Weg von Süden. An der Zufahrtstraße stand links ein massiv gemauertes Wachgebäude. Dort hatte sich die Haupteinfahrt zum separat abgezäunten Areal befunden. Auf der Fläche gab es fünf in nördliche Richtung führende Wege, an denen die Nissenhütten standen. Am westlichsten Weg befanden sich 4 Nissenhütten, hier alle ohne abschirmende Erdwälle. Demnach dürften bei diesen Bauten von den Einlagerungen nur geringere Gefahren ausgegangen sein. An den nächsten drei Wegen sind ebenfalls je 4 Nissenhütten zu finden. Diese werden aber jeweils an drei Seiten durch Erdwälle abgeschirmt, die in der Höhe den Hütten entsprechen. Als letztes folgt die östlichste Reihe, die grundlegend anders ausgeführt war. Hier hatte man einen langen durchgehenden Erdwall aufgeschüttet, an dem mit quer verlaufenden Wällen 8 Buchten geschaffen wurden, in denen jeweils eine Nissenhütte stand. Somit standen früher im Depot in Summe 24 Nissenhütten auf weniger als 3 ha Grundfläche.
Wie zuvor erwähnt, sind die Zeiten der Nutzung nicht sicher belegt. Die Einrichtung ist vermutlich in den 1960er Jahren aufgegeben worden. Zumindest sah das Objekt 1971 auf einem Luftbild noch vollständig aus. Die nächsten Angaben hatte man bei der Erstellung eines Altlastengutachtens im Jahr 1993 niedergeschrieben. Auch da waren fast alle Nissenhütten noch intakt. Nur zwei sind abgerissen gewesen, lediglich Bodenplatten konnten davon noch aufgefunden werden.
Die leichte Bauweise solcher Munitionsdepots fand bei mehreren NATO-Partnern Anwendung. Meistens stammten sie aus den 1950er Jahren. Diese Art gab es, neben den britischen Anlagen, auch bei den Belgiern, Franzosen und Amerikanern. Später ersetzten modernere Einrichtungen die alten Objekte. Für die British Army sind in Niedersachsen in dem Kontext die Depots bei Bergen und in der früheren FlaRak-Stellung Brockhausen zu nennen.

Nach Aufstellung der Bundeswehr hatten die Briten bis Anfang der 1960er Jahre in mehreren anderen Garnisonen die Einrichtungen an die neuen deutschen Streitkräfte übergeben. In Nienburg passierte das allerdings nur mit dem Pionierübungsplatz Wasser. Die weiteren älteren Objekte verblieben in der Hand der British Army. Trotzdem ist die Stadt auch eine bedeutende Bundeswehr-Garnison geworden, ab 1956 entstand in Langendamm die Clausewitz-Kaserne als kompletter Neubau.

Auf dem Gelände Köhlerberge ergaben sich im Laufe der Jahre einzelne Veränderungen. Vermutlich in den 1980er Jahren hat man die drei hölzernen Schuppen am Südrand abgerissen. Auch die Bauten bei den Schießständen sind geschleift worden. Für die Blanchard-Barracks entfiel langsam der Bedarf. Die Anzahl der dort noch wohnenden GSO-Mitarbeiter reduzierte sich aus Altersgründen. So gaben die Briten die Nutzung schließlich 1989 auf und stellten das Objekt dem Land Niedersachsen zur Verfügung. Zu der Zeit strömten in größerer Zahl Aussiedler nach Deutschland, die Unterkunft konnten nun für deren Unterbringung herangezogen werden. Das ehemalige Wohnhaus an der Einfahrt zum Pionierübungsplatz wurde 1990 abgerissen. Somit stand danach auf der Liegenschaft von den alten Bauwerken nur noch die ehemalige Lagerhalle des Gerätelagers, entsprechend Blanchard-Barracks. Für diesen Bau kam das Ende mit dem Abriß in der ersten Hälfte der 2000er Jahre.
Nach Ende des Kalten Krieges begannen deutliche Reduzierungen der Truppenpräsenz bei allen in Deutschland befindlichen Streitkräften. So entschlossen sich die Briten, den Standort Nienburg aufzugeben. Das 21st Engineer Regiment ist allerdings nicht aufgelöst worden. Man hatte es 1996 zunächst nach Osnabrück in die Quebec-Barracks verlegt. Der Verband existiert sogar heute noch, seit 2008 ist er wieder in Großbritannien stationiert.
In Nienburg entfiel nun die militärische Nutzung aller zuvor von den Briten betriebenen Einrichtungen. Das Gebiet der Köhlerberge dient seitdem als Naherholungsgebiet.

 Zustand: 
Wie oben erwähnt, zeigen das britische Munitionsdepot aus Zeiten des Kalten Krieges und die Schießstände aus dem II. Weltkrieg heute die deutlichsten Spuren. Aber auch von den Einrichtungen des Pionierübungsplatzes, wie Lagerschuppen und Übungs-Brücke lassen sich Reste finden. Dagegen ist die Truppen-Munitionsniederlage aus dem Landschaftsbild restlos verschwunden.

 Zugang: 
Das gesamte Gelände des früheren Pionierübungsplatzes ist als Naherholungsgebiet frei zugänglich.

Blick aus der Vogelperspektive mit Google Maps:
Google Maps

Fotos:

Einfahrt
Die ehemalige Einfahrt der Liegenschaft Köhlerberge. Rechts des Weges stand früher das Wohnhaus des Platzwärters.

Gerätelager
Ein älteres Foto zeigt die Einfahrt zum früheren Gerätelager. Später als Blanchard-Barracks geführt.

Nienburg Garrison Ammunition Compound:

Wache
Das Garrison Ammunition Compound hatte eine eigene Wache, Reste sind noch aufzufinden.

Zaunpfähle
Das Objekt war separat abgezäunt, hier liegen einige Betonpfähle.

Hütte 22
Die Nissenhütten am westlichen Weg stehen ohne abschirmende Erdwälle.

Hütte 17
In den drei mittleren Reihen hat jede Hütte einen eigenen Schutzwall bekommen.

Hütte 26
Und am östlichen Weg gibt es einen durchgehenden Wall, mit Buchten für 8 Hütten.

Hütte 21
Eine Nissenhütte in gewöhnlicher Bauweise.

Hütte 06
Die Rückseite.

Hütte 25
Die größere Anzahl der Hütten hatte ein zusätzliches Dach aufgelegt.

Hütte 15
Der Zweck ist nicht klar, Undichtigkeiten waren, soweit erkennbar, nicht der Grund.

Hütte 05
Man hatte Holzbohlen als Abstandshalter aufgelegt und darüber ein weiteres Wellblechdach gesetzt.

Hütte 04
Die Türöffnung.

Hütte 20
Blick vom Eingang in den Innenraum.

Hütte 20
Und der Blick entgegengesetzt.

Hütte 12
Nur eine Hütte zeigt heute Umbauten für eine Nachnutzung.

Hütte 12
An ihrer Rückseite wurde ein Ofenrohr herausgeführt.

Hütte 05
Die Mehrzahl der Nissenhütten weisen heute Beschädigungen auf. Hier fehlt die Hälfte des zweiten Daches.

Hütte 06
An diesem Bau hat man die vordere Wand komplett entfernt.

Hütte 24
Bei mehreren anderen blieb nur die Rückwand stehen.

Hütte 07
Dieser Schutzwall zeigt keinen Inhalt mehr. Der Schuppen wurde geschleift.

Hütte 27
Meist lassen sich von abgerissenen Hütten noch Reste finden. Hier der Belüftungskanal.

Schießstände:

Bauten
Links des rechts noch zu erahnenden Weges standen früher die Bauten des Schießstandes: Aufenthaltsraum, Lagerschuppen und Latrine.

Schießbahn
Blick entlang eines der drei Gewehr-Schießstände von der Basis Richtung Norden.

Schießbahn
Hier von der Mitte einer Schießbahn der Blick nach Süden.

Schießbahn
Die Wälle zur seitlichen Trennung der drei Gewehr-Schießstände sind weiterhin gut zu erkennen.

Kugelfang
Am Ende der Gewehr-Bahnen ist der hohe Kugelfang zu finden.

Kugelfang
Auf der Höhe des Kugelfangs.

Abweiserwand
Nur geringe Betontrümmer blieben von der einst massiven Abweiserwand.

Schießbahn
Ansicht des breiten Gefechts-Schießstandes Richtung Norden.

Schießbahn
Und der Blick nach Süden.

Anzeigerdeckung
Diese Anzeigerdeckung ist später von den Briten errichtet worden.

Anzeigerdeckung
Von der anderen Seite ist ein Hohlraum zu erkennen.

MG-Stand
Nur Reste des westlichen Erdwalls blieben von den zwei kurzen MG-Ständen.

Geschoßfangkammer
Hier typisches Mauerwerk als Überbleibsel einer Geschoßfangkammer.

Pionierübungsplatz Land:
Tor
Durch ein Tor ging es ins Gelände des Pionierübungsplatzes Land.
Freifläche
Am Rand dieser Freifläche hatte die Wehrmacht früher eine Hindernisbahn eingerichtet.
Übungs-Brücke
Über diesem Hohlweg lag jahrzehntelang eine Übungs-Brücke, die bereits von der Wehrmacht stammte.
Übungs-Brücke
Hier ist ein Widerlager aus Beton zu finden, auf dem die Stahlbrücke lag.
Übungs-Brücke
An der Zufahrt der Brücke weitere Betonreste.
Lagerhäuser
Dieses Tor sperrte den Bereich der drei hölzernen Lagerhäuser am Südrand ab.
Betonfundamente
Auf der gegenüber liegenden Seite des Weges sind vom größten Schuppen die Fundamentstreifen zu finden.
Betonfundamente
Der Bau war rund 110 m Lang und an der Vorderseite offen.
Sperrbaken
Die Briten hatten für die Fahrausbildung im Gelände an mehreren problematisch zu befahrenden Strecken Sperrbaken aufgestellt.
Absperrung
Hier eine mit Beton geschaffene sehr massive Absperrung.
Truppen-Munitionsniederlage: Umfeld - Kaserne: Pionierübungsplatz Wasser:
Munitionsniederlage
In der Truppen-Munitionsniederlage findet man heute keine Spuren mehr. In der Bildmitte war der Standplatz eines der kleinen Munitionshäuser.
Munitionsniederlage
In Blickrichtung stand das große Munitionshaus.
Mudra-Kaserne
Ein Gebäude in der Mudra-Kaserne, es existiert heute nicht mehr.
Pionierübungsplatz Wasser
Die Einfahrt zum Pionierübungsplatz Wasser.
Pionierübungsplatz Wasser
Hier die Verbindung des kleinen Hafens zur Weser.

In der Mitte rot markiert: Die ursprüngliche Außengrenze des Pionierübungsplatzes Land.
Unten links blau eingegrenzt: Das Wifo-Tanklager Nienburg-Schäferhof, es wird auf einer separaten Seite dargestellt.
Oben rechts rot: Die ehemalige Mudra-Kaserne.

Karte
Maßstab

Quellenangabe:
- Mark Feuerle: Nienburg - Eine Stadtgeschichte
- Niedersächsisches Landesarchiv, Abteilung Hannover
- BAOR-Locations: Nienburg-Garrison
 
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